Dagewesen, Musik
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A-Capella-Nacht – Viel mehr als gute Stimmen braucht es nicht

(Foto: Björn Othlinghaus)
„Schweiz, Schweiz, über alles“ hieß es bei der eidgenössischen Formation Bliss. (Foto: Björn Othlinghaus)

Musikgenuss ohne Instrumente lockte am Samstag, 4. Februar 2017 die Menschen in den Theatersaal des Lüdenscheider Kulturhauses. Bei der ersten A-Capella-Nacht standen drei Formationen auf der Bühne, die stilistisch ganz unterschiedliche Spielarten des Genres abdeckten.

Moderator Lukas Hobi, selbst Mitglied der Schweizer Formation Bliss, die im zweiten Programmteil ihren Auftritt hatte, kündigte zunächst die vier Sänger von The London Quartet an, eine Formation, die bereits seit 40 Jahren auf internationalen Bühnen steht.

The London Quartett gab einem Paar in der ersten Reihe "very british" ein Ständchen. (Foto: Björn Othlinghaus)

The London Quartett gab einem Paar in der ersten Reihe „very british“ ein Ständchen. (Foto: Björn Othlinghaus)

Das Quartett mit Gründungsmitglied Michael Steffan (Bariton) sowie Mark Fleming (Tenor), Christopher O’Gorman (Tenor) und Sarah-Ann Cromwell (Sopran) trat bereits in der Royal Albert Hall und vor der Queen auf. Insbesondere der feine britische Humor zeichnete die vier bestens harmonierenden Sänger aus, wenn zum Beispiel zur Melodie von „God Save The Queen“ in deutscher Sprache die Zubereitung eines klassisch-britischen Tees gesanglich erklärt wurde. Doch auch in andere Länder nahm das hörenswerte Quartett seine Zuschauer mit, zum Beispiel nach Brasilien mit dem eleganten Bossa Nova „Manhã de Carnaval”, bei dem Solistin Sarah-Ann Cromwell von den Herren rhythmisch unterstützt wurde. In gesanglicher Harmonie ließ das Quartett zudem mit dem Klassiker “California Dreaming” die Sonne im Theatersaal aufgehen.

Modernen Pop brachte die Niederländische Gruppe The Junction auf die Bühne. (Foto: Björn Othlinghaus)

Modernen Pop brachte die Niederländische Gruppe The Junction auf die Bühne. (Foto: Björn Othlinghaus)

Ein einsam sitzendes Paar in der ersten Reihe erhielt ein Privatständchen mit “Are You Lonesome Tonight”, zu dem sich die Sänger in den Bühnengraben begaben, und als Höhepunkt des Auftritts immitierte das Quartett den Sinatra-Klassiker “Strangers In The Night” als urkomische Schellack-Platten-Variante einschließlich Sprüngen, Kratzern und Rauschen. Die im Jahre 2013 in den Niederlanden gegründete Formation The Junction legte im Anschluss ihr Hauptaugenmerk auf aktuelle Popsongs, die sie mit modernem Groove unterlegte, den „Groove-Experte“ Paul in bester Beatbox-Manier komplett A-Capella erzeugte. Auch schwungvolle Tanz-Coreos gehörten dazu, wenn die gut aufgelegte Truppe Hits wie „Crazy“ auf individuelle und eigenständige Weise gesanglich interpretierte.

Bliss hatten auch eine A-Capella-Version von "Highway To Hell" von AC/DC im Gepäck. (Foto: Björn Othlinghaus)

Bliss hatten auch eine A-Capella-Version von „Highway To Hell“ von AC/DC im Gepäck. (Foto: Björn Othlinghaus)

Den Peter-Fox-Song „Haus am See“ sang die Gruppe mit einem fröhlichen Reggae-Part, was Sinn macht, ist Fox doch Mitglied der Berliner Reggae-Formation Seed. Als Abschluss ihres Sets verabschiedeten sich Isa (Sopran), Margriet (Mezzo-Sopran), Joyce-Lou (Alt) und Henk (Bass- und Tenor-Parts) ausgerechnet von Arrangeur und „Groove-Box“ Paul, der die Kapelle nach vier Jahren verlässt, mit dem Sommer-Hit von 2016, „Sunshine In My Pocket“ von Justin Timberlake. Nach der Pause hatte die Schweizer Formation Bliss bereits mit dem Eröffnungsstück die Lacher auf ihrer Seite, denn nach der Melodie der deutschen Nationalhymne intonierten die Sänger mit „Schweiz, Schweiz, über alles“ einen Lobgesang auf ihre eidgenössische Heimat. „Wir sind schärfer als ein Armeetaschenmesser, riechen aber auch strenger als Schweizer Bergkäse“, stellte Lukas Hobi (Tenor) seine Truppe vor, die durch Claudio Tolfo (Countertenor), Matthias Arn und Tom Baumann (beide Bariton) und Viktor Szlovak (Bass) vervollständigt wird.

Sarah-Ann Cromwell von The London Quartet bestritt auch einige solistische Parts. (Foto: Björn Othlinghaus)

Sarah-Ann Cromwell von The London Quartet bestritt auch einige solistische Parts. (Foto: Björn Othlinghaus)

Ihr selbstironisches Programm war von Anfang bis Ende ein Genuss. Wo sonst hört man schon das Comedian-Harmonists-Lied „Irgendwo auf der Welt“ auf Schweizerdeutsch? Großartig ihre ebenso schwungvolle wie präzise Version des Sting-Hits „Rosanna“ oder das hemmungslos tuntig performte „Kiss“ von Prince. Den Vogel schossen die elegant im schwarzen Anzug gekleideten Herren jedoch im Zugabenteil ab – „Higway To Hell“ von AC/DC in der A-Capella-Version war einfach zu gut.

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Kategorie: Dagewesen, Musik

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In einer Ramsch-Kiste mit Taschenbüchern wurde ich, gerade mal 10 Jahre alt, fündig. Das – wie ich im Nachhinein feststellte – inkompetenteste Film-Nachschlagewerk dieser Erde, „Das Lexikon des Science-Fiction-Films“ von Roland M. Hahn, weckte mein Interesse für bewegte Bilder. Ich „zerlas“ es völlig (und auch seine nicht weniger missratenen Nachfolger über die Genres „Fantasy“ und „Horror“). Echtes Interesse für die Pop- und Rockmusik kam dagegen erst Jahre später – mit der ersten eigenen kleinen Hifi-Anlage und der CD „The Road to Hell“ von Chris Rea.

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