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Karolinas Kunst- & Musikcafé – Kultur unter Freunden

(Foto: Björn Othlinghaus)
Instrumente ausprobieren konnten die Zuschauer beim Konzert von Rolf Mönnighoff. (Foto: Björn Othlinghaus)

Während Kultur, zumindest was die öffentliche Förderung angeht, zunehmend der Saft abgedreht wird, entwickeln sich im privaten Bereich immer mehr Einrichtungen und Initiativen, die die Lücken füllen.

„Karolinas Kunst- & Musikcafé“ in Lüdenscheid ist einer jener Orte, wo kulturelle Angebote in kleinem, gemütlichen Rahmen, aber auf hohem Niveau präsentiert werden. Oft mehrmals in der Woche finden hier Konzerte und Lesungen statt, aber auch Ausstellungen sorgen dafür, dass es an den Wänden des kleinen Cafés in der Werdohler Straße immer wieder etwas neues zu entdecken gibt. Die beiden Betreiber Karolina Kuhn und Ilias Athanasiou geben dabei immer wieder auch Künstlern eine Chance, die neue Dinge jenseits des Mainstream präsentieren und ausprobieren, die vielleicht weniger die große Masse, aber ein erlesenes, an Musik und Kultur interessiertes Publikum ansprechen kann.

Karolina Kuhn und Ilias Athanasiou sorgen dafür, dass es ihren Gästen gut geht. (Foto: Björn Othlinghaus)

Karolina Kuhn und Ilias Athanasiou sorgen dafür, dass es ihren Gästen gut geht. (Foto: Björn Othlinghaus)

Dazu werden neben der üblichen Getränkeauswahl erstklassige Weine, schmackhafte Tees und immer wieder auch kleine Gerichte angeboten. In den letzten Tagen fanden in der Location eine Vielzahl interessanter Veranstaltungen statt. Seit mehr als 15 Jahren beschäftigt sich zum Beispiel der Musiker Rolf Mönnighoff mit obertonreichen Naturinstrumenten. In Karolinas Kunst- & Musikcafé zeigte er dem interessierten Publikum einerseits die Vielseitigkeit dieser Instrumentengattung, zeichnete gleichzeitig aber auch wunderschöne Klanggemälde, die geeignet waren, die Zuhörer in Phantasiewelten zu versetzen. Dabei wurden die Gäste aktiv dazu aufgefordert, nicht nur zuzuhören, sondern auch einige der Natur-Instrumente selbst auszuprobieren.

Max Jalaly (Krontrabass) und Julia Späinghaus (Gesang) sorgten für ein minimalistisches, aber hörenswertes Konzerterlebnis. (Foto: Björn Othlinghaus)

Max Jalaly (Krontrabass) und Julia Späinghaus (Gesang) sorgten für ein minimalistisches, aber hörenswertes Konzerterlebnis. (Foto: Björn Othlinghaus)

Dies war zum Beispiel mit den Koshis möglich, in Frankreich gefertigte Windspiele, mit denen auf einfache Weise zauberhafte Klangwelten erzeugt werden können. Im Mittelpunkt der Musikalischen Darbietungen stand allerdings das Hang (Berndeutsch für „Hand“), welches der Familie der Idiophone (Selbstklinger) zuzurechnen ist. „Das Hang wurde im Jahr 2000 von zwei Schweizern erfunden“, erklärte dazu der Musiker. Nur auf den ersten Blick erinnert das Instrument entfernt an eine Steeldrum, ist jedoch im Gegensatz zu diesem Instrument nicht nach innen, sondern nach außen gewölbt.

Viel feinerer Klang als bei einer Steeldrum

Im Stahlblech befinden sich unterschiedliche Klangfelder, denen mit der Hand auf vielfältige Weise Töne entlockt werden können. „Der Klang ist dabei viel feiner als bei einer Steeldrum“, bringt Mönnighoff seine Begeisterung für das Instrument zum Ausdruck. Hiervon konnten sich dann auch die Gäste in Karolinas Kunst- & Musikcafé überzeugen – weich, voluminös und durchdringend präsentierte sich der Sound dieses außergewöhnlichen Instruments, der sich gleichermaßen sanft und kraftvoll im Gehörgang festsetzt. Als ebenso meditativ, wenn auch auf eine ganz andere Art, erweist sich der Klang des Didgeridoos. Das traditionelle Instrument der australischen Ureinwohner präsentierte Rolf Mönnighoff in einer ausziehbaren Variante – je länger der Schaft des Instruments, desto tiefer war die Tonlage. Spielt man mit mehreren Musikern, ist es möglich, das Didgeridoo mit dem Klang einer indischen Shruti-Box zu begleiten und damit der Musik eine weitere Facette hinzuzufügen.

Mit der Box erzeugt der Musiker einen Grundton, auf den eine Stimme oder der Klang eines anderen Instruments „aufgesetzt“ werden kann. Da Mönnighoff an diesem Abend als Solist aktiv war, kamen die beiden Instrumente natürlich getrennt zum Einsatz. Weil die ebenso meditative wie spirituelle Musik hervorragend dazu geeignet war, im Kopf der Zuhörer Phantasiebilder lebendig werden zu lassen, war auch die Künstlerin Ulrike Wagner in Karolinas Kunst & Musikcafé zu Gast. Wagner präsentiert derzeit auch ihre Bilder im Musikcafé in der Werdohler Straße. Die Malerin ließ sich direkt vor Ort von der Musik inspirieren und erstellte dazu abstrakte Bilder, wobei die Gäste später ebenfalls die Möglichkeit hatten, ihre Gedanken zur Musik auf der Leinwand zu verewigen. Musik, die auf das essentielle reduziert ist, bekamen die Gäste auch beim Konzert „Neues und Gutes“ mit den Lüdenscheider Musikern Julia Späinghaus (Gesang) und Max Jalaly (Kontrabass) geboten, freilich auf eine vollkommen andere Weise. Julia Späinghaus‘ eingängige Stimme und das improvisationsfreudige Kontrabass-Spiel von Max Jalaly kamen ganz ohne weitere Instrumentierung aus und machten den Abend für die Gäste perfekt.

Die Chemie bei Julia Späinghaus und Max Jalaly stimmte

Beide Musiker sind erst seit einiger Zeit als Duo zusammen unterwegs, dennoch stimmte die Chemie bereits perfekt. Passend zum heißen Sommerwetter ließen die beiden Künstler die George-Gershwin-Komposition „Summertime“ erklingen, und auch das schwüle „Fever“ passte hervorragend zum hochsommerlichen Wetter.

Zur meditativen Musik von Rolf Mönnighoff konnte man durchaus auch ein Tänzchen wagen. (Foto: Björn Othlinghaus)

Zur meditativen Musik von Rolf Mönnighoff konnte man durchaus auch ein Tänzchen wagen. (Foto: Björn Othlinghaus)

Für eine musikalische Abkühlung sorgte schließlich der Song „Sentimental Journey“, der unter anderem durch die Version von Doris Day Bekanntheit erlangte und von den Musikern fröhlich und unbeschwert interpretiert wurde. Ferner konnten die Zuhörer das bekannte Lied „Bei mir bist du schön“ mitsummen, bevor Bill Withers leichter Sommer-Song „Just The Two Of Us“ für relaxte Atmosphäre sorgte. Obwohl sich Julia Späinghaus nach eigenen Angaben nur selten für Musik aus dem Radio begeistern kann, stellt der Song „All About That Bass“ von Meghan Trainor die Ausnahme von der Regel dar. Diese extravagante Pop-Perle ist natürlich bestens für ein Duo geeignet, das den Kontrabass als einzige Instrumentierung auswählt, und konnte in dieser minimalistischen Variante voll und ganz überzeugen. Weitere Termine und Informationen zu den zukünftigen Veranstaltungen gibt es auf der Facebook-Seite von Karolinas Kunst & Musik Café.

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In einer Ramsch-Kiste mit Taschenbüchern wurde ich, gerade mal 10 Jahre alt, fündig. Das – wie ich im Nachhinein feststellte – inkompetenteste Film-Nachschlagewerk dieser Erde, „Das Lexikon des Science-Fiction-Films“ von Roland M. Hahn, weckte mein Interesse für bewegte Bilder. Ich „zerlas“ es völlig (und auch seine nicht weniger missratenen Nachfolger über die Genres „Fantasy“ und „Horror“). Echtes Interesse für die Pop- und Rockmusik kam dagegen erst Jahre später – mit der ersten eigenen kleinen Hifi-Anlage und der CD „The Road to Hell“ von Chris Rea.

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