Dagewesen, Musik
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Portmeirion – Folk vom Feinsten „Made in Lüdenscheid“

(Foto: Björn Othlinghaus)
Im letzten Teil des Konzertes nahmen die Musiker auf dem Bühnenrand Platz und sorgten für intime musikalische Momente. (Foto: Björn Othlinghaus).

Alle zwei Jahre steht im Rahmen des Kalle Folkpack die Hausband der bereits international bekannten und renommierten Veranstaltungsreihe, Portmeirion, auf der Bühne.

Am Sonntag, 11. Juni 2017, war es im Lüdenscheider Kulturhaus wieder soweit, wobei diesmal der Publikumszuspruch so groß war, dass der Bühnensaal nach hinten noch ein wenig vergrößert werden musste, um allen Fans Platz zu bieten. Die Formation, bestehend aus dem Initiator des Kalle Folkpack, Markus Scheidtweiler (Gitarre, Gesang), Barbara Scheidtweiler (Gesang), Rainer Wilkes (Bass, Kontrabass), Sibbi Zborowski (Akkordeon, Keyboard) und Mirko Wohlfahrt (Schlagzeug) hat sich darauf spezialisiert, überwiegend Songs jener Musiker, die bereits auf den Folkpack-Veranstaltungen zu sehen und zu hören waren, auf individuelle Weise zu interpretieren.

Markus Scheidtweiler, Initiator der Veranstaltungsreihe "Kalle Folk Pack", wirkt bei Protmeirion als Gitarrist und Sänger mit. (Foto: Björn Othlinghaus)

Markus Scheidtweiler, Initiator der Veranstaltungsreihe „Kalle Folk Pack“, wirkt bei Protmeirion als Gitarrist und Sänger mit. (Foto: Björn Othlinghaus)

Den Musikern geht es dabei erkennbar darum, den Werken eine eigene Handschrift zu geben. An diesem Abend warteten die Musiker neben bekannten Stücken aus ihrem Repertoire auch mit dem einen oder anderen neuen Titel auf, zum Beispiel beim bedächtigen Opener „Angels City“ aus der Feder von Rhiannon Giddens. Deutlich beschwingter kam das nachfolgende Stück „How Long Will I Love You“ von den Waterboys daher. Von der Folkpack-Reihe bekannte Namen wurden an diesem Abend reichlich genannt. Einer, der bereits vor längerer Zeit auf der Folkpack-Bühne stand, war der Brite Boo Hewerdine, der, so Markus Scheidtweiler, mit „Patience Of Angels“ einen kleinen Hit in der Szene landete.

Die komplette Band mit Gastmusiker Nikolai Förster (2.v.l.) (Foto: Björn Othlinghaus)

Die komplette Band mit Gastmusiker Nikolai Förster (2.v.l.) (Foto: Björn Othlinghaus)

„Michigan“, einer der bekannteren Songs der Milk Carton Kids aus Los Angeles – sie machten bereits im Rahmen zweier Folk-Pack-Konzerte auf sich aufmerksam – kam in der Portmeirion-Fassung ohne Harmoniegesang aus und wirkte mit Bass und Schlagzeug viel weniger minimalistisch und damit deutlich zugänglicher als das sparsam instrumentierte Original. Die legendäre Band Fairport Convention stößt bei den Musikern von Portmeirion auf große Wertschätzung, so dass auch diese Formation, deren Musiker oft in anderen Konstellationen beim Folk-Pack vertreten waren, auf der Setliste nicht fehlen durfte: „Surfeit of Lampreys“ war ein zauberhaftes Instrumental, das unter die Haut ging. Nach der Pause gaben die Musiker unter anderem einen Song von Iain Matthews zum Besten, ebenfalls gern gesehener Folk-Pack-Gast. Er war mit „Fading Fast“ vertreten.

Sibbi Zborowski spielte virtuos das Akkordeon. (Foto: Björn Othlinghaus)

Sibbi Zborowski spielte virtuos das Akkordeon. (Foto: Björn Othlinghaus)

Ferner überzeugten Portmeirion auch mit einigen Titeln großer Weltstars. Gesungen von Barbara Scheidtweiler rang die Band dem Song „Time“ des großartigen Tom Waits weit jenseits von dessen typischem, gutturalen Gesang ganz neue, sanftere Aspekte ab. Ein wunderbares Akkordeon-Solo zierte zudem den Song „Get Lucky“ von Mark Knopflers gleichnamigem Solo-Album, der zu Beginn des zweiten Programmteils einen Blog mit drei echten Wildwest-Songs einläutete. Ein weiteres, nicht zu vergessenes Feld der vielseitigen Band ist schließlich der osteuropäische Folk, der sicher auch dank des Akkordeon-Virtuosen Sibbi Zborowski einen bedeutenden Raum im Oeuvre der Band einnimmt. Erwähnenswert waren hier zum Beispiel das instrumentale „Goralko“ oder der Traditional „Jovano“, bei dem Gast-Musiker Nikolai Förster toll gespielte Parts auf einer herrlichen, alten Trompete beisteuerte.

Mirko Wohlfahrt gab präzise und punktgenau den Rhythmus vor. (Foto: Björn Othlinghaus)

Mirko Wohlfahrt gab präzise und punktgenau den Rhythmus vor. (Foto: Björn Othlinghaus)

In der Schlussphase des gelungenen Konzertes setzten sich die Musiker, inzwischen noch verstärkt durch Volker Becker an der Fiddle, direkt zur ihrem Publikum an den Bühnenrand und brachten mit Stücken wie „Keep On The Sunny Side“ oder der Zugabe „Heard Like A Wheel“ von Linda Ronstadt, die sich eng am Original bewegte, noch einige tolle Titel zu Gehör. Das nächste Folk-Pack-Konzert findet am Sonntag, 24. September, ab 19.30 Uhr im Kulturhaus Lüdenscheid mit der Formation „Daphne’s Flight“ statt, die fünf der besten Singer-Songwriterinnen Englands vereint.

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Kategorie: Dagewesen, Musik

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In einer Ramsch-Kiste mit Taschenbüchern wurde ich, gerade mal 10 Jahre alt, fündig. Das – wie ich im Nachhinein feststellte – inkompetenteste Film-Nachschlagewerk dieser Erde, „Das Lexikon des Science-Fiction-Films“ von Roland M. Hahn, weckte mein Interesse für bewegte Bilder. Ich „zerlas“ es völlig (und auch seine nicht weniger missratenen Nachfolger über die Genres „Fantasy“ und „Horror“). Echtes Interesse für die Pop- und Rockmusik kam dagegen erst Jahre später – mit der ersten eigenen kleinen Hifi-Anlage und der CD „The Road to Hell“ von Chris Rea.

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