Dagewesen, Musik
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Stoppok pilgert mit den Fans nach La Kompostella

(Foto: Björn Othlinghaus)
Authentizität und Freude an der Musik zeichnen Stefan Stoppok seit Jahrzehnten aus. (Foto: Björn Othlinghaus).

Mit einfachen Worten auf subtile Weise viel rüberbringen und ausdrücken – das ist das, was die Musik von Stefan Stoppok inhaltlich seit Jahrzehnten auszeichnet.

Musikalisch steht er für eine bodenständige Mischung aus Rhythm’n Blues, Rock, Country sowie eingängigen Refrains, die sich schon nach dem ersten Kontakt im Kopf der Hörer breit machen. Auf Einladung des Vereins Kultstädte war der Musiker, der seit fast 40 Jahren auf der Bühne steht, am Donnerstag, 27. April 2017, im Lüdenscheider Kulturhaus solo mit seinem Akustik-Programm zu Gast. Dabei hatte er nicht nur seine Klassiker, sondern auch zahlreiche Titel seines hervorragenden, aktuellen Studioalbums „Operation 17“ mitgebracht, das im letzten Jahr erschienen ist.

Stoppok stand schon mehrfach im Sauerland auf der Bühne (Foto: Björn Othlinghaus)

Stoppok stand schon mehrfach im Sauerland auf der Bühne (Foto: Björn Othlinghaus)

Dass er nach dem Opener „Planlos im All“ erstmal einige Zeit brauchte, um seinen „Flow“ zu finden und das eine oder andere Lied auch mal neu starten musste, überspielte das Deutschrock-Urgestein mit Geschichten und Anekdoten, bei denen wohl niemand der rund 300 Fans im Saal so genau wusste, was nun wahr und was der beflügelten Fantasie des Künstlers entsprang. Belustigt zeigte sich der seit mehr als 20 Jahren unabhängig arbeitende Musiker zum Beispiel über die Möglichkeit, an Orten wie der Deutschen Pop-Akademie zum studierten Pop-Star zu werden und schlug vor, unbedingt auch den praxisbezogenen Studiengang „Bandbus fahren bei 2,4 Promille“ einzuführen. Dass gute Musik auch ohne Studium möglich ist, bewies der Hamburger über die großzügige Konzertlänge von zweieinhalb Stunden zur genüge. Das aktuelle Stoppok-Album „Operation 17“ enthält zahlreiche Songperlen, die auch das Konzert bereicherten, darunter „Mein Herz hat damit nix zu tun“, in dem sich Stoppok gegen Oberflächlichkeiten angesichts schlimmer Ereignisse auf der Welt positioniert, sowie der Blues „Friss den Fisch (egal wie er stinkt)“. Warum der Meister aber den eingängigsten Song des Albums seinem launigen und kräftig mitsingenden und -klatschenden Publikum vorenthielt – „Man weiß es nicht“.

Viele der Klassiker fehlten dagegen vor allem im zweiten Teil nicht, darunter einige kernige Blues-Nummern, zu denen der treibende „Schieb‘ den Blues“ oder als Zugabe natürlich „Mein Freund der Kühlschrank“ gehörten. Großartig auch die garstige Kritik Stoppoks an den weltweit produzierten Abfallbergen. „Wir pilgern mit unserem Müll, nach La Kompostella, und am Ende landet wieder alles schön auf dem Teller“, heißt es da. Gerade dieser wunderbare Song erinnert musikalisch wie textlich an die besten Stücke der Formation Element of Crime, an die man an diesem Abend ohnehin manchmal denken musste. Als weitere Zugabe hatte Stoppok, natürlich gespielt mit feister Bottleneck-Gitarre, eines seiner wohl bekanntesten Lieder „Ärger, du kannst mich nicht anschmir’n“ mitgebracht. Das Publikum erlebte einen Vollblutmusiker, der sich auch mit 60 Jahren noch nicht von der Musikindustrie hat vereinnahmen lassen und mit seinem eigenen Ding Erfolg hat. Das ist gut so und macht eine Menge Spaß.

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Kategorie: Dagewesen, Musik

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In einer Ramsch-Kiste mit Taschenbüchern wurde ich, gerade mal 10 Jahre alt, fündig. Das – wie ich im Nachhinein feststellte – inkompetenteste Film-Nachschlagewerk dieser Erde, „Das Lexikon des Science-Fiction-Films“ von Roland M. Hahn, weckte mein Interesse für bewegte Bilder. Ich „zerlas“ es völlig (und auch seine nicht weniger missratenen Nachfolger über die Genres „Fantasy“ und „Horror“). Echtes Interesse für die Pop- und Rockmusik kam dagegen erst Jahre später – mit der ersten eigenen kleinen Hifi-Anlage und der CD „The Road to Hell“ von Chris Rea.

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