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American Muscle – mit der Pumpgun den Weg frei machen

Zehn Jahre hat John Falcon im Knast gesessen. Genug Zeit, um sich mit Rachegelüsten voll zu pumpen. (Foto: Pierrot Le Fou)

Es sind oftmals die kleinen Filme abseits des Mainstreams, die mir im Laufe eines Filmjahres die größte Freude bereiten. Filme, die aus wenig viel machen, weil hinter und vor der Kamera Leute agieren, die einfach Bock aufs Filmemachen haben. „American Muscle“ ist so ein kleiner brutaler Actionknaller der Kategorie B-Movie, der einfach nur „spielen“, uns unterhalten will.

Unterhalten mit dem Rachefeldzug von John Falcon, der zehn Jahre im Knast gesessen hat, weil Freunde und Familie ihn betrogen und im Stich gelassen haben. Zehn Jahre sind mehr als genug, um sich mit Rachegelüsten voll zu pumpen und diese bevorzugt mit einer Pumpgun auszuleben. Eine kurze Nummer mit einer schönen Unbekannten, die ihn als Anhalter aufgelesen hat, nimmt John vor seinem Rachefeldzug noch gerne mit. Für mehr hat er aber keine Zeit: „Willst Du meine Nummer haben?“, fragt ihn die Unbekannte. „Nein, ich bin nicht lange genug draußen, um sie nutzen zu können.“ Seine Zeit nutzt er lieber, um einen Verräter nach dem anderen und all jene, die sonst noch im Weg stehen, zu liquidieren. Dabei zielt er bevorzugt auf den Kopf, damit es auch schön spritzt.

Grindhouse-Elemente wirken weder cool noch stylish

Es spritzt allerdings fast immer gleich, gleich digital und zudem auf einem für heutige Verhältnisse mageren Niveau. Hier wird deutlich, dass mit wenig Geld produziert werden musste. Und auch so manche schauspielerische Leistung bewegt sich am Rande zum Schülertheater. Beides lässt sich allerdings angesichts des flotten Tempos, den der Film an den Tag legt, verschmerzen. Was dagegen deutlich auffällt, ist die inkonsequente Inszenierung des Regieneulings Ravi Dhar, der sich nie entscheiden kann, ob er einen Grindhouse-Film a la Tarantino oder harten Actionreißer inszenieren möchte. So wirken die eingestreuten Grindhouse-Elemente weder cool noch stylish, sondern wie Fremdkörper, die einem den Filmgenuss ein wenig verleiden. Ebenso wie die ständigen Rückblenden, in denen der Grund für Johns Knastaufenthalt nach und nach aufgeklärt wird. Für uns Zuschauer kommt anders als für John die Auflösung am Ende dann auch nicht mehr überraschend. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen.

Trotz aller Kritik ist „American Muscle“ (der unbeschadet die FSK-Prüfung hinter sich gebracht hat und damit unzensiert ist) für Liebhaber des brutalen Actionkinos einen Blick wert. Die knapp 80 Minuten gehen dank schräger Ideen und witziger Dialoge flott vorüber. Vielleicht genau der richtige Film, um dem vorweihnachtlichen Besinnungsoverkill etwas entgegen zu setzen und damit zu entfliehen.

Bewertung 3 von 5 Punkten

Cover American MuscleAmerican Muscle
(American Muscle)

Genre Action

FSK ab 18 Jahren

Laufzeit ca. 78 Minuten (DVD), ca. 80 Minuten (Blu-ray)

Produktion USA 2014

Ton/Sprache (DVD) Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1); (Blu-ray) Deutsch (DTS-HD 5.1), Englisch (DTS-HD 5.1)

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Kategorie: Angeguckt, Film & TV

von

In einer Ramsch-Kiste mit Taschenbüchern wurde ich, gerade mal 10 Jahre alt, fündig. Das – wie ich im Nachhinein feststellte – inkompetenteste Film-Nachschlagewerk dieser Erde, „Das Lexikon des Science-Fiction-Films“ von Roland M. Hahn, weckte mein Interesse für bewegte Bilder. Ich „zerlas“ es völlig (und auch seine nicht weniger missratenen Nachfolger über die Genres „Fantasy“ und „Horror“). Echtes Interesse für die Pop- und Rockmusik kam dagegen erst Jahre später – mit der ersten eigenen kleinen Hifi-Anlage und der CD „The Road to Hell“ von Chris Rea.

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