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Filmverrückt in Plettenberg – Florian Ahlers und die „Kleine Filmkunst“

(Foto: Björn Othlinghaus)
Florian Ahlers mit diversen Utensilien aus dem Plettenberger Weidenhof-Kino. (Foto: Björn Othlinghaus)

Als Ende Juni 2016 Bud Spencer starb, trug Florian Ahlers drei Tage lang jeden Tag ein anderes T-Shirt mit dessen Konterfei zum Andenken an den italienischen Schauspieler. Der Cineast war wie viele andere traurig über den Verlust des sympathischen Mimen, der die Kopfnuss als unverzichtbaren Bestandteil von Filmprügeleien etablierte und mit seinen unterhaltsamen und actionreichen Komödien Teil vieler Jugenderinnerungen wurde.

Mit einigen VHS-Kassetten seiner Filme sowie denen des französischen Komiker Louis de Funés begann im Jahr 2000 die Sammelleidenschaft von Florian Ahlers im Alter von gerade einmal 10 Jahren. Inzwischen hat der heute 26-jährige, der als Redakteur bei der Lokalzeitung „Süderländer Tageblatt“ in Plettenberg arbeitet, nicht nur eine Sammlung zum Thema Film und Kino zusammengetragen, die zumindest im Sauerland wohl ihresgleichen sucht, sondern auch in der oberen Etage seines 2013 gekauften Haus in Plettenberg ein komfortables, kleines Privatkino eingerichtet.

Stolz präsentiert der Cineast in seinem Kino die Biographie von Bud Spencer, vom Schauspieler handsigniert. (Foto: Björn Othlinghaus)

Stolz präsentiert der Cineast in seinem Kino die Biographie von Bud Spencer, vom Schauspieler handsigniert. (Foto: Björn Othlinghaus)

Das erhielt von der Zeitschrift Heimkino, Ausgabe August/September 2015, bereits die Auszeichnung „Heimkino des Monats“ und weckte das Interesse von Vertretern zahlreicher Medien, darunter das WDR-Fernsehen. Gerne führt Ahlers interessierte Besucher in sein Reich, das er „Kleine Filmkunst“ genannt hat und in das sich der Journalist nach Feierabend oft mit seiner Frau Laurina zurückzieht, um die Leinwand herunterzulassen, den Beamer anzuwerfen, einen Film einzulegen und dabei in eine andere Welt abzutauchen. Die insgesamt acht gemütlichen, blauen Kinositze hat Ahlers in Bochum erworben, das Podest, auf dem sie montiert sind, wurde ebenso wie die Regale für seine Filmsammlung eigens von einem Schreiner angefertigt. „Was die Kinotechnik angeht, lege ich zwar Wert darauf, dass Klang und Bild ordentlich sind, aber ein Freak, der sich ständig die neueste Technik anschaffen muss, bin ich nicht“, stellt der 26-jährige klar.

Film-Fotos und Postkarten sind ebenfalls Bestandteil der umfangreichen Sammlung. (Foto: Björn Othlinghaus)

Film-Fotos und Postkarten sind ebenfalls Bestandteil der umfangreichen Sammlung. (Foto: Björn Othlinghaus)

Besonders glücklich ist er darüber, dass Ehefrau Laurina sein Hobby mitträgt und ebenfalls Filmfan ist. „Ohne sie könnte ich meine Leidenschaft in dieser Form nicht ausleben“, ist sich Ahlers sicher. Seine Sammlung umfasst inzwischen nicht nur rund 3400 Filme aller Genres auf VHS, DVD, Blu-ray und Super-8, sondern deckt auch zahlreiche andere Sammelgebiete ab, die sich rund um das Thema Film drehen. So stellt Ahlers zum Beispiel in seiner „Kleinen Filmkunst“ zahllose, teils bereits historische Super-8-Projektoren und -kameras aus. „Viele, die in dieser Hinsicht etwas abgeben möchten oder nicht mehr brauchen, wenden sich inzwischen an mich, weil sie wissen, dass ich zum Thema Film einfach alles sammle und die Sachen in Ehren halte“, meint Ahlers, der nicht selten auch auf Flohmärkten und Börsen fündig wird.

Im Keller lagert der Plettenberger rund 320 Film-Spulen mit 600 35-mm-Filmen. Mittelfristig möchte Florian Ahlers hier eine Filmlounge einrichten. (Foto: Björn Othlinghaus)

Im Keller lagert der Plettenberger rund 320 Film-Spulen mit 600 35-mm-Filmen. Mittelfristig möchte Florian Ahlers hier eine Filmlounge einrichten. (Foto: Björn Othlinghaus)

Alte Filmprogramme, signierte und unsignierte Autogrammkarten und Setfotos, Filmbücher, rund 3000 Filmplakate, Aufsteller und Merchandisingartikel – auch diese Dinge gehören zur umfangreichen Sammlung des Plettenbergers. Eine besondere Beziehung hat Ahlers zum Plettenberger Weidenhof-Kino, das für ihn schon in seiner Kindheit immer ein zweites Zuhause darstellte. Deshalb war der Cineast auch sofort zur Stelle, als der heutige Betreiber des Weidenhof-Kinos, Dr. Burkhard Vohwinkel, zahlreiche Utensilien, technische Geräte und Filmrollen aus dem Nachlass des vorherigen Betreibers Walter Greth ausrangieren wollte.

Unter den 35-mm-Filmen befinden sich zahlreiche UFA-Wochenschauen aus dem 2. Weltkrieg sowie Blick-in-die-Welt-Wochenschauen, die nach dem Krieg von den Alliierten produziert wurden. (Foto: Björn Othlinghaus)

Unter den 35-mm-Filmen befinden sich zahlreiche UFA-Wochenschauen aus dem 2. Weltkrieg sowie Blick-in-die-Welt-Wochenschauen, die nach dem Krieg von den Alliierten produziert wurden. (Foto: Björn Othlinghaus)

Einen tragbaren Eiki-Projektor mit 16-mm-Spule, mit dem der im Jahre 2008 verstorbene Walter Greth einst gemeinsam mit seinem Enkel Matthias durchs Land gezogen ist, um Filmvorführungen außerhalb seines Kinos zu veranstalten, nennt nun Florian Ahlers sein eigen. Ferner zeigt der Sammler Besuchern gerne ein Gästebuch aus dem Weidenhof-Kino, in dem sich viele interessante Menschen, darunter unter anderem der Schauspieler Sascha Hehn, verewigt haben. Sogar die alte Olivetti-Kinokasse aus den 60er Jahren, an der Walter Greths Ehefrau Margret Kinotickets verkaufte, hat einen würdigen Platz in Ahlers Sammlung gefunden und bleibt somit der Nachwelt erhalten. Doch der wohl größte Schatz aus dem Weidenhof-Kino lagert im rund 60 Quadratmeter großen Keller des Hauses der Familie Ahlers, den der Filmsammler mittelfristig in eine Kinolounge umbauen möchte.

Stan Laurel wacht über die Filmschätze in der zukünfigen Filmlounge. (Foto: Björn Othlinghaus)

Stan Laurel wacht über die Filmschätze in der zukünfigen Filmlounge. (Foto: Björn Othlinghaus)

„Hier lagere ich auf 320 Filmrollen insgesamt 600 35-mm-Filme aus dem Weidenhof-Kino“, erklärt Ahlers nicht ohne Stolz. Darunter befinden sich nicht nur fast vergessene Kinofilme wie „Die Sklavinnen von Damaskus“ oder „Die Schneekönigin“, sondern auch unzählige UFA-Wochenschau-Berichte sowie Ausgaben der Wochenschau „Blick in die Welt“, die nach dem Krieg von den Alliierten produziert wurde.

Die "Kleine Filmkunst" ist auch in der DVD-Reihe "Plettenberg erzählt" vertreten, die natürlich ebenfalls Sammlungsbestandteil ist - deren Macher Georg Prüß war mit der Kamera bei Florian Ahlers zu Besuch. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die „Kleine Filmkunst“ ist auch in der DVD-Reihe „Plettenberg erzählt“ vertreten, die natürlich ebenfalls Sammlungsbestandteil ist – deren Macher Georg Prüß war mit der Kamera bei Florian Ahlers zu Besuch. (Foto: Björn Othlinghaus)

Abgesehen davon, dass der Ausbau des Kellers zur Kinolounge, in der Florian Ahlers ausschließlich die hier gelagerten 35-mm-Filme zeigen möchte, noch nicht erfolgt ist, fehlt neben der geplanten Bar auch noch der Projektor, der den Filmgenuss in der Kinolounge erst möglich machen wird. „Den 600-Kilo-Brocken bekomme ich aus Berlin geliefert“, erklärt der Cineast. Das schwere Gerät wird dann in Einzelteilen in den Kellerraum verfrachtet und dort wieder zusammengesetzt. Bis also alles einsatzbereit ist und Besucher sowie nicht zuletzt auch der auf die Sichtung der Filme gespannte Besitzer in den Genuss des alten 35-mm-Materials kommen können, wird noch ein wenig Zeit ins Land gehen.

Projektoren aus Florian Ahlers Sammlung. (Foto: Björn Othlinghaus)

Projektoren aus Florian Ahlers Sammlung. (Foto: Björn Othlinghaus)

Auf lange Sicht möchte Florian Ahlers seine „Kleine Filmkunst“ zu einem Mekka für Filmliebhaber ausbauen, in dem auch öffentliche Vorführungen stattfinden sollen und jeder die Möglichkeit hat, die beeindruckende Sammlung in Augenschein zu nehmen. Letztendlich hat sich der Filmverrückte Plettenberger zum Ziel gesetzt, ein echtes kleines Filmmuseum zu errichten, quasi eine Pilgerstätte für alle Filmfans. Dieses Ziel hat er in Teilen bereits erreicht – dennoch sind wir gespannt, was die Zukunft bringt und werden weiterhin ein Auge auf die „Kleine Filmkunst“ in Plettenberg werfen. Weitere Infos: www.kleine-filmkunst.de.

Kategorie: Angeguckt, Film & TV, Hinterfragt

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In einer Ramsch-Kiste mit Taschenbüchern wurde ich, gerade mal 10 Jahre alt, fündig. Das – wie ich im Nachhinein feststellte – inkompetenteste Film-Nachschlagewerk dieser Erde, „Das Lexikon des Science-Fiction-Films“ von Roland M. Hahn, weckte mein Interesse für bewegte Bilder. Ich „zerlas“ es völlig (und auch seine nicht weniger missratenen Nachfolger über die Genres „Fantasy“ und „Horror“). Echtes Interesse für die Pop- und Rockmusik kam dagegen erst Jahre später – mit der ersten eigenen kleinen Hifi-Anlage und der CD „The Road to Hell“ von Chris Rea.

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