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Auf Dauer zu aufdringlich – der Soundtrack zu „Honig im Kopf“

Til Schweiger sorgte wieder einmal persönlich für die Auswahl der Filmmusik. (Foto: Warner Bros. Entertainment)

Wie kaum ein anderer in unserem Land versteht es Til Schweiger, Filme zu produzieren und zu inszenieren, die für eine breite Masse des Kinopublikums der Inbegriff des perfekten Kinoerlebnisses sind. Getreu dem Motto: Von Schweiger, muss ja gut sein. Weite Teile der schreibenden Zunft konnten indes immer wenig mit diesen vielfach zu glatten, nach Schublade Hollywood müffelnden und ewig gleichen Mustern folgenden Filmen anfangen.

Der vom Feuilleton sich so missverstanden gefühlte Schweiger mochte daraufhin seine Filme vor dem Kinostart nimmer mehr den Journalisten vorführen. Warum auch? Der Erfolg gab ihm schließlich recht. Und dennoch: In jüngeren Produktionen treten die anfangs kritisierten Elemente kaum noch auf. Hat die Kritik doch Wirkung gezeigt? Auf der anderen Seite werden die Rezensionen versöhnlicher. Hat die Erkenntnis dort Einzug gehalten, dass Blockbuster nicht automatisch künstlerisch wertlos heißen muss? Wie dem auch sei, Schweigers neuester Film „Honig im Kopf“ vereint viel mehr als früher Publikum und Kritik. Sehenswert lautet das überwiegende Urteil. Trifft dies auch auf den Soundtrack zum Film zu? Bedingt, um dem Fazit vorzugreifen.

Schweiger hat die Auswahl der Stücke persönlich vorgenommen

Wie schon bei früheren Produktionen hat sich Schweiger persönlich um die Auswahl der Untermalung gekümmert. „Ein ergreifend emotionales Spiegelbild“ sei der Soundtrack – so der Verleih. Nun ja, emotional mag noch so stimmen, mit dem ergreifend ist dann doch das PR-Pferd mit dem Verfasser durchgegangen. Dafür sind die ausgewählten Popstücke bekannter („One Republic“) oder weniger bekannter („Rob McVey“) Popgruppen vom Aufbau zu ähnlich. Ein guter Soundtrack muss es auch ohne Kenntnis des Films problemlos in den Gehörgang des Hörers schaffen, muss ihn gleich beim Einstieg packen und bestenfalls bis zum Ende nicht mehr loslassen. Das gelingt diesem Soundtrack zum einen wegen der erwähnten sich zu sehr ähnelnden Popstücke, zum anderen aber auch wegen der eingestreuten Score-Stücke von Martin Todsharow sowie Dirk Reichardt und David Jürgens nicht. Hier wäre es besser gewesen, einen klaren Schnitt zwischen Pop und Instrumental zu vollziehen, damit der Hörer sich mühelos in filmische Welten verabschieden kann.

„One Republic“ klingen wie immer und erwartungsgemäß austauschbar

Denn für Kinogänger, die Zuhause noch einmal in die filmischen Welten abtauchen und einzelne Filmszenen vorm geistigen Auge vorbeiziehen lassen möchten, ist der Soundtrack mit ein paar Abstrichen durchaus zu empfehlen. Damit das Abtauchen aber störungsfrei gelingt, sollte der Soundtrack Zuhause nach Score- und Popstücken aufgeteilt werden. Auch deshalb, weil die ausgewählten Popstücke auf Dauer zu aufdringlich sind und es selbst für diejenigen, die auf „ergreifend emotional“ stehen, es nach 21 Stücken und über eine Stunde Spielzeit zu viel sein dürfte. Zu viel Streicher, zu viel Klavier, zu viel sphärisches Keyboard und zu viel ins Mikro gehauchte Tragik. Besonders schwach sind „One Republic“, die mit „Life in Colour“ wie immer und erwartungsgemäß austauschbar klingen, und Tom Rosenthals „Go Solo“, das mit einem schon nach wenigen Sekunden nervenden Klavierklimperteppich unterlegt ist. Hingegen die Überraschung dieser Platte ist die Dresdener Indie-Band „Woods Of Birnam“ um Schauspieler Christian Friedel. Zurecht ist ihre schnörkellos eingespielte Rockballade „I’ll call thee Hamlet“ zum Titelsong erkoren worden.

Cover Honig im Kopf

Wenn sich Schweiger bei seinem nächsten Film beim Thema „ergreifend emotionaler“ Filmmusik zügeln kann, dann kann aus der Zweckehe zwischen ihm und der Journaille doch noch eine Liebesehe werden. Und der Soundtrack nicht nur den Fans seiner Filme empfohlen werden.

 

 

Anspieltipp:
„I’ll call thee Hamlet“
„Looking to closely“
„Memories“

Bewertung: 2 von 5 Punkten

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Kategorie: Angehört, Film & TV, Musik

von

In einer Ramsch-Kiste mit Taschenbüchern wurde ich, gerade mal 10 Jahre alt, fündig. Das – wie ich im Nachhinein feststellte – inkompetenteste Film-Nachschlagewerk dieser Erde, „Das Lexikon des Science-Fiction-Films“ von Roland M. Hahn, weckte mein Interesse für bewegte Bilder. Ich „zerlas“ es völlig (und auch seine nicht weniger missratenen Nachfolger über die Genres „Fantasy“ und „Horror“). Echtes Interesse für die Pop- und Rockmusik kam dagegen erst Jahre später – mit der ersten eigenen kleinen Hifi-Anlage und der CD „The Road to Hell“ von Chris Rea.

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