Bühne, Lesung
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Krimi-Festival „Mord am Hellweg“ – Auftakt mit Autoren-Duo Ule Hansen

(Foto: Björn Othlinghaus)
Hinter der Pseudonym Ule Hansen verbergen sich die Autoren Astrid Ule und Eric T. Hansen. (Foto: Björn Othlinghaus)

Eigentlich hatten die Berliner Lektorin Astrid Ule und der US-amerikanische Journalist Eric T. Hansen gar nicht vor, Krimi-Autoren zu werden.

Nachdem sie sich kennenlernt und festgestellt hatten, dass sie zusammen ein gutes Autoren-Team bilden, schrieben sie zunächst Sachbücher. Später bekamen die beiden dann Lust, einen heiteren Frauenroman zu schreiben, doch bei ihrer Heldin, der Fallanalystin Emma Carow, die sich in Serienkiller perfekt hineinversetzen kann, aber Schwierigkeiten hat, das Wesen „normaler“ Männer zu ergründen und eine Beziehung aufzubauen, merkten die beiden irgendwann, dass der Humor fehl am Platze war.

Die Besucher im Sparkassentheater hörten interessiert zu. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die Besucher im Sparkassentheater hörten interessiert zu. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die Autoren Astrid Ule und Eric T. Hansen, die nun gemeinsam unter dem Pseudonym Ule Hansen bereits den zweiten erfolgreichen Thriller mit Emma Carow veröffentlicht haben, bestritten am Dienstag, 18. September 2018, im Sparkassentheater am Sauerfeld in Lüdenscheid die erste Lesung im Rahmen des Krimi-Festivals „Mord am Hellweg“. „Ich habe eigentlich immer gedacht, dass ich keine Krimis schreiben kann“, berichtete Eric T. Hansen, der für alle Teilnehmer der Lesung zunächst einmal eine Kostprobe seines bevorzugten Bourbon-Whiskeys Knob Creek spendierte – so sei das schließlich bei den Krimi-Schriftstellern, „die haben beim schreiben immer einen Whiskey und eine Pistole auf dem Tisch“, bemerkte Hansen augenzwinkernd. „Ich musste mir beim Joggen eingestehen, dass wir den Humor weglassen mussten, damit unsere Geschichte funktioniert“, fährt Hansen fort.

Astrid Ule übernahm den Lesepart, während ihr Eric T. Hansen eine Menge Anekdoten zu erzählen wusste. (Foto: Björn Othlinghaus)

Astrid Ule übernahm den Lesepart, während ihr Eric T. Hansen eine Menge Anekdoten zu erzählen wusste. (Foto: Björn Othlinghaus)

Das Ergebnis aus dieser Erkenntnis war zum einen der Thriller „Neuntöter“, in dem Emma Carow einen Psychopathen finden muss, der seine Opfer in Kokons aus Panzertape einwickelt und in einem riesigen Baugerüst aufgehängt, sowie der zweite Emma-Carow-Krimi „Blutbuche“, den das Autorenpaar am Dienstag im Rahmen des ersten Teils seiner Lesung vorstellte. Hierbei handelt es sich nicht um eine Fortsetzung im eigentlichen Sinne, obwohl natürlich die eine oder andere Information aus dem ersten Roman aufgegriffen wird. „Man braucht ‚Neuntöter‘ aber nicht zu kennen, um ‚Blutbuche‘ lesen und verstehen zu können“, versicherte Astrid Ule. Ausgangspunkt des Romans sind drei Briefe mit teils obszönem Inhalt, die nur scheinbar von den Opfern eines Serientäters stammen, die irgendwo in Polen gefangengehalten werden. Emma kommt zu dem Ergebnis, dass es sich bei dem Täter um einen Menschen handeln muss, der nur schwer oder gar keinen Kontakt zu Frauen aufnehmen kann und sich deshalb am weiblichen Geschlecht rächen will, dem er die Schuld dafür gibt.

Signieren des neuen Buches "Blutbuche" im Anschluss an die Lesung. (Foto: Björn Othlinghaus)

Signieren des neuen Buches „Blutbuche“ im Anschluss an die Lesung. (Foto: Björn Othlinghaus)

Während Eric T. Hansen sich vor allem als launiger Erzähler präsentierte und augenzwinkernd (vermeintliche) Hintergründe und Geschichten aus dem Autorenalltag der beiden zum Besten gab, beschränkte sich Astrid Ule weitgehend auf das Vorlesen. Als Appetitanreger für die Leseratten gab sie den schaurigen Inhalt der drei Briefe zum Besten und las nachfolgend eine pikante Passage über einen besonders skurrilen Verdächtigen aus der Bodyhacking-Szene, den „Schlangenmenschen“, der sich nützliche und weniger nützliche Hacks unter seine Haut implantieren lies, darunter blinkende LEDs sowie einen vibrierenden Penisring, der sich an Ort und Stelle ein- und ausschalten lässt. Eine gewisse Form des schrägen Humors haben sich die Autoren somit auch bei ihren Thrillern bewahrt.

Eric T. Hansen und Astrid Ule ergänzen sich als Krimi-Autoren prächtig. (Foto: Björn Othlinghaus)

Eric T. Hansen und Astrid Ule ergänzen sich als Krimi-Autoren prächtig. (Foto: Björn Othlinghaus)

Ihre Geschichte „Kunigunde beschwert sich nicht mehr über den Regen in Lüdenscheid“, die die beiden für die Anthologie zu „Mord am Hellweg“, „Henkers.Mal.Zeit“, verfasst hatten und die sie im zweiten Teil der Lesung präsentierten, vermischte dagegen auf humorvolle Weise verbriefte Lüdenscheider Mythen mit alternativen geschichtlichen Fakten, wie Eric T. Hansen erklärt. Während Henker Lünsch sich an die Aufklärung des Mordes an Kunigunde, der Gattin des Grafen Engelbert, macht, trägt er ganz nebenbei zur Erfindung eines alteingesessenen Lüdenscheider Gerichtes, dem „Krüstchen“, bei. Im Anschluss an die launige und unterhaltsame Lesung stand das Autorenduo zum Signieren der Bücher und für Gespräche mit dem Publikum zur Verfügung. Der Roman „Blutbuche“ von Ule Hansen ist im Heyne-Verlag erschienen.

 

 

 

 

 

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In einer Ramsch-Kiste mit Taschenbüchern wurde ich, gerade mal 10 Jahre alt, fündig. Das – wie ich im Nachhinein feststellte – inkompetenteste Film-Nachschlagewerk dieser Erde, „Das Lexikon des Science-Fiction-Films“ von Roland M. Hahn, weckte mein Interesse für bewegte Bilder. Ich „zerlas“ es völlig (und auch seine nicht weniger missratenen Nachfolger über die Genres „Fantasy“ und „Horror“). Echtes Interesse für die Pop- und Rockmusik kam dagegen erst Jahre später – mit der ersten eigenen kleinen Hifi-Anlage und der CD „The Road to Hell“ von Chris Rea.

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