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Krimi-Festival „Mord am Hellweg“ – Veit Etzold mag die harte Tour

(Foto: Björn Othlinghaus)
Der Thriller-Autor wusste viele amüsante und makabre Geschichten zu erzählen. (Foto: Björn Othlinghaus)

Thriller-Autor Veit Etzold, der am Freitag, 21. September 2018, die zweite Lesung im Rahmen des Krimi-Festivals „Mord am Hellweg“ im Kammermusiksaal der Musikschule Lüdenscheid bestritt, ist bekannt dafür, dass es in seinen Büchern nicht zimperlich zugeht.

Insgesamt sechs seiner bisher acht Romane drehen sich um die Berliner Ermittlerin Clara Vidalis. Die eigentlich recht toughe Polizistin hat mit dem Trauma der Ermordung ihrer Schwester zu kämpfen und befindet sich zunächst auf der Jagd nach deren Mörder, bekommt es dann jedoch mit dem „Namenlosen“ zu tun, bei dem es sich um ein noch weitaus grausameres Individuum handelt.

Die Lesung aus dem neuen Clara-Vidalis-Roman "Schmerzmacher" machte nur einen kleinen Teil der Veranstaltung aus. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die Lesung aus dem neuen Clara-Vidalis-Roman „Schmerzmacher“ machte nur einen kleinen Teil der Veranstaltung aus. (Foto: Björn Othlinghaus)

Etzold, der sich als überaus amüsanter und unterhaltsamer Erzähler entpuppte, präsentierte als klassische Lesung nur einige ausgewählte, relativ kurze Auszüge aus seinem neuen Clara-Vidalis-Thriller „Schmerzmacher“, der an diesem Abend exklusiv als deutschlandweite Vorpremiere erhältlich war. Stattdessen überzeugte das Multitalent, das neben seiner Tätigkeit als Bestsellerautor unter anderem als Hochschullehrer, Unternehmensberater, Vortragsredner sowie für Medienkonzerne, Banken und in der Managementausbildung tätig war und ist, als profunder Fachmann für Serienkiller, über die er für seine Thriller immer wieder recherchiert. Es gibt wohl sehr wenige, die so launig und unterhaltsam über die schlimmsten, aber auch skurrilsten Vertreter dieser menschlichen Gattung berichten können, dass sich der Zuhörer zeitweise besser amüsierte als bei einer Comedy-Veranstaltung. So erfuhren die Fans zum Beispiel über den im Jahre 1936 hingerichteten, masochistisch veranlagten Serienkiller Albert Fish, dass dieser sich für Jesus hielt und deshalb dessen Leiden erfahren wollte, indem er sich über 20 Metallnadeln ins Gesäß steckte.

Viele Fans des beliebten Autoren fanden den Weg in die Lüdenscheider Musikschule. (Foto: Björn Othlinghaus)

Viele Fans des beliebten Autoren fanden den Weg in die Lüdenscheider Musikschule. (Foto: Björn Othlinghaus)

„Auf dem elektrischen Stuhl erzeugte das ganze Metall dann einen Kurzschluss, und Fish überlebte“, erklärte Etzold. Erst beim zweiten, stärkeren Stromstoß, sei die Hinrichtung dann geglückt. Die Serienkiller in seinen Romanen, so der Autor, seien meist aus den Charakteren und Verhaltensweisen mehrerer echter Serienkiller zusammengesetzt. Dementsprechend wenig zimperlich gehen sie mit ihren Opfern um – so erfuhren die Zuhörer bereits aus dem von Etzold vorgelesenen Prolog aus „Der Schmerzmacher“, dass der „Namenlose“ gern die Amalgamplomben seiner Opfer unter Strom setzt, damit sie ihm ihr tiefstes Inneres offenbaren. Auch zahlreiche Anekdoten aus dem Obduktionssaal wusste Veit Etzold zu erzählen, da seine Ehefrau Saskia Etzold Rechtsmedizinerin an der Berliner Charité ist.

Nach der Lesung stand Veit Etzold zum Signieren und für Selfies zur Verfügung. (Foto: Björn Othlinghaus)

Nach der Lesung stand Veit Etzold zum Signieren und für Selfies zur Verfügung. (Foto: Björn Othlinghaus)

„Die muss aufpassen, was sie mir erzählt, denn die Gefahr besteht immer, dass es anschließend in meinen Büchern landet“, erklärt der Autor. Da fiel zum Beispiel einem Besucher des Obduktionssaals, der alles sehr genau sehen wollte, die Brille in die geöffnete Leiche. „Obwohl sie ihm das Teil gereinigt haben, wollte er es nicht wiederhaben“, erklärte der Autor schmunzelnd. Eine weitere gute Info-Quelle für seine Bücher ist für Veit Etzold der Bestsellerautor und Rechtsmediziner an der Charité, Michael Tsokos, mit dem Etzold befreundet ist und auch bereits schriftstellerisch zusammenarbeitete.

Den neuen Roman "Schmerzmacher" konnten die Fans noch vor der offiziellen Veröffentlichung am 1. Oktober 2018 erwerben und ihn vom Autor signieren lassen. (Foto: Björn Othlinghaus)

Den neuen Roman „Schmerzmacher“ konnten die Fans noch vor der offiziellen Veröffentlichung am 1. Oktober 2018 erwerben und ihn vom Autor signieren lassen. (Foto: Björn Othlinghaus)

Dass der Autor beinharter Serienkiller-Geschichten, die mit expliziten Gewaltdarstellungen nicht geizen, sein eigenes Blut nicht sehen kann und bei der Behandlung einer Verletzung an seiner Hand nicht das einzige Mal in Ohnmacht fiel, brachte viele seiner Fans zum Schmunzeln. Im Anschluss an einen amüsanten und kurzweiligen Abend ließ es sich der Autor nicht nehmen, Bücher zu signieren, ihnen seine druckfrischen Autogrammkarten beizulegen, Selfies mit den Fans zu schießen und mit ihnen ausgiebig über seine Bücher zu fachsimpeln. Der Roman „Schmerzmacher“ erscheint am 1. Oktober 2018 bundesweit bei Knaur Taschenbuch.

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In einer Ramsch-Kiste mit Taschenbüchern wurde ich, gerade mal 10 Jahre alt, fündig. Das – wie ich im Nachhinein feststellte – inkompetenteste Film-Nachschlagewerk dieser Erde, „Das Lexikon des Science-Fiction-Films“ von Roland M. Hahn, weckte mein Interesse für bewegte Bilder. Ich „zerlas“ es völlig (und auch seine nicht weniger missratenen Nachfolger über die Genres „Fantasy“ und „Horror“). Echtes Interesse für die Pop- und Rockmusik kam dagegen erst Jahre später – mit der ersten eigenen kleinen Hifi-Anlage und der CD „The Road to Hell“ von Chris Rea.

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