Dagewesen, Musik
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Vokalakrobatik in Halver mit der A-Capella-Band Delta Q aus Berlin

(Foto: Björn Othlinghaus)
Bei den vier Jungs von Delta Q war gute Laune angesagt. (Foto: Björn Othlinghaus).

Wenn ein Bühnenprogramm abwechslungsreich ist und auf künstlerisch hohem Niveau dargeboten wird, kann es nicht langweilig werden.

Nach dieser Devise agieren die vier Sänger der Berliner A-Capella-Band Delta Q, die am Sonntag, 3. September 2017, mit ihrem aktuellen Programm „Wann, wenn nicht wir“ in der gut besuchten Aula des Anne-Frank-Gymnasiums in Halver zu Gast waren. Mit Schwung und Witz, aber auch mit Sinn für nachdenkliche Momente, vermischen Martin Lorenz (Bariton), Sebastian Hengst (Countertenor), Sean Haefeli (Bass) und Thorsten Engels (Tenor) die unzähligen Möglichkeiten, die sich einem flexiblen Ensemble in Bezug auf die moderne Vokalmusik bieten, zu einer gut zweieinhalbstündigen, prallen Wundertüte, in der es für Freunde des Genres stets etwas neues zu entdecken gibt.

Die Sänger verbreiteten gute Laune und kamen beim Publikum bestens an. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die Sänger verbreiteten gute Laune und kamen beim Publikum bestens an. (Foto: Björn Othlinghaus)

Auf der in den ersten Sekunden komplett abgedunkelten Bühne starten die vier Sänger mit dem Popsong „Diamonds In The Sky“ von Rihanna und schmeicheln ihren Zuhörern dabei mit einem satten Sound, der angesichts des Umstandes, dass alles ohne Instrumentenunterstützung erzeugt wird, in Erstaunen versetzt. Gleich im Anschluss proben die vier Sänger den Kontrast mit einer irrwitzigen Häufung von Adaptionen des Bach-Werkes „Freude schöner Götterfunken“, unter denen sogar eine „Don’t-Worry-Be-Happy“-Variante im authentischen Bobby-McFerrin-Rhythmus ein Schmunzeln auf die Gesichter zauberte. All das wurde von den überragenden Sängern mit scheinbarer Leichtigkeit, aber immer auf einem beeindruckenden Niveau vorgebracht.

Das Programm der vier sympathischen Sänger bot auch zahlreiche besinnliche Momente. (Foto: Björn Othlinghaus)

Das Programm der vier sympathischen Sänger bot auch zahlreiche besinnliche Momente. (Foto: Björn Othlinghaus)

Was die im Jahr 2012 gegründete Truppe tatsächlich drauf hat, trat derweil vor allem bei den ernsten Stücken zutage, zum Beispiel bei Sebastian Hengsts gesangsstarker Interpretation von Sia’s „Chandelier“, sicher ein Höhepunkt des Programms. Bei den abwechselnden Moderationen betrieben die Sänger nicht nur den üblichen Smalltalk, sondern sprachen auch Probleme der Zeit an, zum Beispiel die Umweltverschmutzung durch Plastikmüll. Ferner durchzogen immer wieder irrwitzige Medleys zu bestimmten Themenbereichen das Programm, bei denen das Quartett spielerisch die verschiedenen Songfragmente durcheinanderkegelte. Beim Farbenmedley traf etwa der Knef-Klassiker „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ auf den Elektronik-Hit „Blue“ von Eiffel 65 und kurz darauf auf den nicht ganz politisch korrekten Gassenhauer „Ich lass‘ mir meinen Körper schwarz bepinseln“ aus den 30ern. Als Nachschlag gab’s beim krassen Crossover dann auch noch „Purple Rain“ von Prince und „Back To Black“ von Amy Winehouse.

Bei einer der Zugaben nahm das Quintett am Bühnenrand Platz. (Foto: Björn Othlinghaus)

Bei einer der Zugaben nahm das Quintett am Bühnenrand Platz. (Foto: Björn Othlinghaus)

Noch extremer kombinierte die sympathische Truppe beim Zahlenmedley, bei dem sie über die „Route 66“ bei den „10 nackten Friseusen“ und „Pipi Langstrumpf“ landete oder das Fernseh-Melodien- und Werbemedley, bei dem das Quartett nach der Melodie von „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ dem Zott-Sahnejoghurt, und dem Becks-Bier huldigte sowie den Bratmaxe-Song anstimmte. Mit dem Lied aus der Merci-Schokoladen-Werbung dankten die vier stellvertretend für das tolle Halveraner Publikum einer Dame, indem es sie Bühne verließen und ihr den Song direkt „auf Tuchfühlung“ im Licht des Scheinwerferspots vortrugen. Als Sahnehäubchen auf den gelungenen Abend servierten die Sänger schließlich, lässig auf dem Bühnenrand hockend das Schlaflied „Guten Abend, gut‘ Nacht“, fein gewürzt mit den zart schmelzenden Klängen einer vokal erzeugten Trompete.

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Kategorie: Dagewesen, Musik

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In einer Ramsch-Kiste mit Taschenbüchern wurde ich, gerade mal 10 Jahre alt, fündig. Das – wie ich im Nachhinein feststellte – inkompetenteste Film-Nachschlagewerk dieser Erde, „Das Lexikon des Science-Fiction-Films“ von Roland M. Hahn, weckte mein Interesse für bewegte Bilder. Ich „zerlas“ es völlig (und auch seine nicht weniger missratenen Nachfolger über die Genres „Fantasy“ und „Horror“). Echtes Interesse für die Pop- und Rockmusik kam dagegen erst Jahre später – mit der ersten eigenen kleinen Hifi-Anlage und der CD „The Road to Hell“ von Chris Rea.

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