Dagewesen, Musik, Nachgefragt
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Weltklasse-Organist Felix Hell erneut in Lüdenscheid – Interview und Konzert-Bericht

(Foto: Björn Othlinghaus)
Felix Hell vor der Walcker-Orgel in der Lüdenscheider Christuskirche. (Foto: Björn Othlinghaus).

Der international renommierte Organist Felix Hell konzertierte am Sonntag, 3. September 2017, zum fünften Mal in der Lüdenscheider Christuskirche.

Im Rahmen seiner mehrtägigen Proben erzählte uns der in den USA lebende Organist, warum er so gerne die Bergstadt besucht, was die Walcker-Orgel in der Christuskirche so einzigartig macht und nach welchen Kriterien er ein Konzertprogramm konzipiert.

Sie spielen nach eigenen Aussagen immer wieder gerne an der Walcker-Orgel in der Christuskirche. Was macht für Sie den Reiz dieses Instruments aus?

Felix Hell: Ich habe auf meinen weltweiten Konzertreisen schon auf vielen Instrumenten gespielt, aber es gibt nur ganz wenige Orgeln, die dem Zuhörer eine Art Zeitreise erlauben. Das ist bei dem Instrument in der Christuskirche der Fall – man hat tatsächlich beim spielen und beim zuhören das Gefühl, musikalisch in jene Zeit zurückzureisen, in der das Instrument gebaut wurde. Man kann darauf authentisch die Musik des 19. Jahrhunderts wiedergeben.

Trifft das auf viele andere Orgeln nicht zu?

Felix Hell: Es ist immer weniger der Fall. Leider werden alte Instrumente oft unvorteilhaft restauriert. Grundsätzlich gibt es bei der Instandsetzung einer Orgel zwei verschiedene Ziele. Das eine ist die Rekonstruktion des originalen Klanges, das andere die Modernisierung eines alten Instrumentes, das heißt die klangliche Verwandlung einer alten Orgel in eine neue.

Wie haben Sie die Restaurierung der Walcker-Orgel erlebt?

Organist Felix Hell in der Christuskirche in Lüdenscheid. (Foto: Björn Othlinghaus)

Organist Felix Hell in der Christuskirche in Lüdenscheid. (Foto: Björn Othlinghaus)

Felix Hell: Mein erstes Konzert in Lüdenscheid habe ich noch vor der Restaurierung gegeben, das zweite danach. Da ich teilweise bei beiden Veranstaltungen dieselben Literatur gespielt habe, hatte ich sozusagen den direkten Vergleich. Das Instrument hat durch die Restaurierung einen Quantensprung gemacht und erheblich an Qualität gewonnen.

An wie vielen Instrumenten spielen sie im Schnitt jährlich?

Felix Hell: Derzeit gebe ich etwa 40 Konzerte im Jahr weltweit, es sind aber auch schon einmal über 90 gewesen. Dabei sind 40 Konzerte für das, was ich umsetzen möchte, eine volle Auslastung für ein Jahr, denn allein die Konfiguration eines Instruments und die Proben daran nehmen jedes Mal mindestens 15 Stunden in Anspruch. Mehr Konzerte möchte ich nicht mehr spielen, und ich bin jetzt in einer Position, in der ich mir diesen Luxus leisten kann.

Ich kann mir vorstellen, dass es gerade bei Orgelkonzerten eine Diskrepanz gibt zwischen dem, was die Menschen hören wollen, und dem, was der Künstler gern spielen möchte.

Felix Hell: Ein Orgel-Programm ist immer ein Kompromiss, bei der die Balance zwischen dem Geschmack des Künstlers und dem des Publikums gehalten werden muss. Ich bemühe mich bei der Planung, nicht zu egoistisch zu sein, aber ein Konzert sollte für jeden aufregend und von hoher Qualität sein, eben auch für den, der das Instrument spielt. Ein weiterer Aspekt muss die Frage sein, für welche Literatur die jeweilige Orgel überhaupt geeignet ist. Deshalb sind meine Programme in hohem Maß auch vom Instrument abhängig. Oft wurden Orgel-Stücke extra für ein bestimmtes Instrument verfasst. So schrieb César Franck zum Beispiel seine Werke überwiegend für die Orgel in der Kirche Ste-Clotilde in Paris, wo er eine Organistenstelle hatte.

Welche Musik steht im Mittelpunkt Ihres Konzertes in Lüdenscheid?

Felix Hell: Diesmal dreht sich alles um das 500. Jubiläum der Reformation. Ich spiele Werke von Bach, Mendelssohn und Reger, aber auch moderne Literatur von Enjott Schneider. Außerdem ist es mir ein Anliegen, zu betonen, dass ich mich riesig freue, wieder in Lüdenscheid zu spielen und die Menschen hier wiederzusehen. Ich freue mich auf den Austausch und die Gespräche in der Pause und nach dem Konzert. Das ist mir sehr wichtig und ich hoffe, dass niemand Berührungsängste hat, mich anzusprechen, seine Eindrücke zu schildern und über die Musik zu diskutieren.

Vielen Dank für das Gespräch.

Weltklasse-Organist Felix Hell weckt erneut Potential der Lüdenscheider Walcker-Orgel

Zum fünften Mal war am Sonntag, 3. September 2017, der Star-Organist Felix Hell in der Lüdenscheider Christuskirche zu Gast und konzertierte vor gut besetzten Zuschauerrängen auf der historischen Walcker-Orgel. Sein erstes Konzert absolvierte er in Lüdenscheid bereits vor deren Restaurierung und hat sich seither nach eigenen Angaben in das Instrument verliebt. Das Programm, das der in den USA lebende Künstler präsentierte und speziell auf Instrument und Ort abgestimmt hatte, bestand aus Werken ganz unterschiedlicher musikalischer Epochen. Wie schon bei den letzten Konzerten in Lüdenscheid wurde Hell während des Konzertes gefilmt, so dass die Zuhörer seine virtuose Technik einschließlich der Beinarbeit auf der Leinwand mitverfolgen konnten.

Das Ausnahme-Talent an der Orgel war bereits mehrfach in Lüdenscheid zu Gast. (Foto: Björn Othlinghaus)

Das Ausnahme-Talent an der Orgel war bereits mehrfach in Lüdenscheid zu Gast. (Foto: Björn Othlinghaus)

Für die technische Umsetzung dieses filmischen Live-Mitschnitts zeichnete Matthias Scheel verantwortlich. Im Mittelpunkt des Programms stand eine Auswahl an Werken von Johann Sebastian Bach. Andächtig, besinnlich und meditativ begann der Konzertabend mit dem „Präludium und der Fuge D-Dur“ sowie der Komposition „O Lamm Gottes unschuldig“, einem weiteren Bach-Werk, das insbesondere durch den fließenden, filigranen Beginn sowie den andächtigen, mit Präzision und Einfühlungsvermögen vom Künstler interpretierten zweiten Teil bestach.

Der in den USA lebende Musiker spielt immer wieder gern auf der historischen Walcker-Orgel. (Foto: Björn Othlinghaus)

Der in den USA lebende Musiker spielt immer wieder gern auf der historischen Walcker-Orgel. (Foto: Björn Othlinghaus)

Dramatisch und mit großer Klangfülle präsentierte sich die nachfolgende, viersätzige „Sonate Nr. 1 in f-Moll“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy, die durch den Wechsel zwischen ruhigen und aufwühlenden Passagen ihre Spannung entfaltete, die dann schließlich im finalen „Allegro assai vivace“ einen voluminös-kraftvollen Abschluss fand. Nach der Pause hatten die Zuhörer dann die Möglichkeit, mit der Toccata des bekannten zeitgenössischen Komponisten Enjott Schneider aus dem Film „Schlafes Bruder“ ein ganz besonderes Orgelwerk zu hören. Felix Hell fügte es auf Wunsch der Christuskirchengemeinde eigens in sein Programm ein. Im Anschluss an einen andächtigen Beginn gewinnt das virtuose Werk schnell an Dramatik.

Felix Hell beim Konzert in Lüdenscheid. (Foto: Björn Othlinghaus)

Felix Hell beim Konzert in Lüdenscheid. (Foto: Björn Othlinghaus)

Ausgeführt von einem Weltklasse-Organisten wie Felix Hell zeigte das zwar kurze, aber komplexe Werk auf beeindruckende Weise, welche überragende Klangfülle die Walcker-Orgel zu produzieren in der Lage ist. Ganz sicher stellte dieses beeindruckende und meisterhaft am Instrument umgesetzte Werk einen der Höhepunkte des Konzertabends dar. Im Anschluss folgte dann mit „Vor deinem Thron tret ich hiermit“ eine weitere Bach-Komposition – einmal mehr ein meditatives, besinnliches Werk – sowie abschließend eine Fantasie über den Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ von Max Reger. Im Anschluss an das Konzert nahm sich Felix Hell die Zeit, mit den Zuhörern ins Gespräch zu kommen und über die gespielten Werke zu diskutieren.

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Kategorie: Dagewesen, Musik, Nachgefragt

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In einer Ramsch-Kiste mit Taschenbüchern wurde ich, gerade mal 10 Jahre alt, fündig. Das – wie ich im Nachhinein feststellte – inkompetenteste Film-Nachschlagewerk dieser Erde, „Das Lexikon des Science-Fiction-Films“ von Roland M. Hahn, weckte mein Interesse für bewegte Bilder. Ich „zerlas“ es völlig (und auch seine nicht weniger missratenen Nachfolger über die Genres „Fantasy“ und „Horror“). Echtes Interesse für die Pop- und Rockmusik kam dagegen erst Jahre später – mit der ersten eigenen kleinen Hifi-Anlage und der CD „The Road to Hell“ von Chris Rea.

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