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Auf „Rock or Bust“ zeigen AC/DC leichte Ermüdungserscheinungen

(Foto: James Michin)
AC/DC melden sich mit einer neuen Scheibe zurück. (Foto: James Michin)

Die letzte Scheibe der Australischen Rock-Granaten von AC/DC, „Black Ice“, war ein echtes Highlight. Kaum ein Aussetzer unter den Songs, das Teil rockte einfach, wie man das von den alten Recken aus Down Under schon immer gewohnt war. Aber damals war die Welt auch noch in Ordnung, dem inzwischen an Demenz leidenden Malcom Young ging es gut und Drummer Phil Rudd betätigte sich noch nicht als Krimineller und Schläger aus Leidenschaft.

Nun nehmen die Probleme der Combo Überhand, was sich offensichtlich auch auf die neue Scheibe „Rock or Bust“ auswirkte. Mit der ersten Single-Auskopplung „Play Ball“ können die AC/DC-Jünger, zu denen sich auch der Autor dieser Zeilen rechnet, noch gut leben, denn dieser eingängige Kracher vereinigt alle Qualitäten, die die Rock-Dinosaurier groß gemacht haben.

Gitarrist Angus Young mit seinem charakteristischen, vom Musiker Little Richard inspirierten Stechschritt. (Foto: C. Tayler Crothers)

Gitarrist Angus Young mit seinem charakteristischen, vom Musiker Little Richard inspirierten Stechschritt. (Foto: C. Tayler Crothers)

Da verzeiht man auch das zusammengeschustert wirkende Video zum Song, auf dem trotz 80er-Jahre-Videooptik durch schlechten Green-Screen-Einsatz aber immerhin noch einige scharfe Bräute zu bestaunen sind. Durchaus vorhandene Höhepunkte wie das kernige „Baptism By Fire“, das mit einer ordentlichen Portion Blues versetzte, fett rockende „Miss Adventure“ oder das bissige „Dogs Of War“ können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es einige laue bis schwache Tracks auf die Scheibe geschafft haben.

Dem „Rock’n Roll Thunder“ fehlt der Donner

„Rock The Blues Away“ zum Beispiel ist eine allzu gefällige und glattgebügelte Mitgröhl-Nummer, die so mainstreamig und melodielastig rüberkommt, dass der geneigte Hörer schon gespannt auf ein Status-Quo-Cover wartet. Dem „Rock ’n Roll Thunder“ fehlt dagegen der Donner oder besser gesagt der tempomäßige Tritt in den Allerwertesten, um vernünftig zu funktionieren.


„Sweet Candy“ könnte allerdings einer jener Tracks sein, die erst beim dritten Hören oder möglicherweise live auf der Bühne richtig abgehen – derartige Songs, die ein mehrmaliges Hören erfordern, um mit ihnen warm zu werden, brächten AC/DC nicht zum ersten Mal. Kurz gesagt machen einige Tracks auf „Rock Or Bust“ den Eindruck, als fahre die Maschine mit halber Kraft, als sei quasi eine zusätzliche Ladung TNT fällig, um die „War Machine“ zu ölen und wieder ordentlich ans Laufen zu bringen.

Kein wirklich schlechtes Album

Unterm Strich ist aus der neuen AC/DC-Scheibe aber keineswegs ein schlechtes Album geworden, denn die Zahl der Kracher, die insbesondere auf der Bühne wieder hervorragend funktionieren werden, rechtfertigen den Kauf.

CD-Cover "Rock or Bust" (Foto: Sony Music)

CD-Cover „Rock or Bust“ (Foto: Sony Music)

Angesichts der großen Probleme, mit denen sich die Musiker derzeit herumschlagen müssen, sollten die Schwächen der Scheibe für verständnisvolle Fans gut zu verschmerzen sein. Vorausgesetzt, die Jungs spielen wieder in der Dortmunder Westfalenhalle und wollen für ein Ticket nicht zwischen 100 und 300 Euro kassieren (wie es bei einigen Top-Acts inzwischen üblich zu sein scheint) werde ich auf jeden Fall meiner Lieblings-Rockband auch bei der Tour im kommenden Jahr die Treue halten.

Anspieltipps: „Play Ball“, „Sweet Candy“
Bewertung: 3 von 5 Punkten

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Kategorie: Angehört, Musik

von

In einer Ramsch-Kiste mit Taschenbüchern wurde ich, gerade mal 10 Jahre alt, fündig. Das – wie ich im Nachhinein feststellte – inkompetenteste Film-Nachschlagewerk dieser Erde, „Das Lexikon des Science-Fiction-Films“ von Roland M. Hahn, weckte mein Interesse für bewegte Bilder. Ich „zerlas“ es völlig (und auch seine nicht weniger missratenen Nachfolger über die Genres „Fantasy“ und „Horror“). Echtes Interesse für die Pop- und Rockmusik kam dagegen erst Jahre später – mit der ersten eigenen kleinen Hifi-Anlage und der CD „The Road to Hell“ von Chris Rea.

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