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(Foto: Warner)

Der Goldene Handschuh – Schocker auf der Berlinale

Fritz Honka (Jonas Dassler) mutiert zur Bestie. (Foto: Warner)

Eigentlich ist Star-Regisseur Fatih Akin nicht für Skandale bekannt, und doch erregte er mit seinem ersten Horror-Film „Der Goldene Handschuh“ mächtig Aufsehen auf der diesjährigen Berlinale.

Der Film nach dem Erfolgsroman von Heinz Strunk erzählt die Geschichte von Serienmörder Fritz Honka, der in den 70er Jahren in diversen Spelunken auf der Hamburger Reeperbahn, überwiegend in der Kneipe „Zum Goldenen Handschuh“, verkehrte. Insgesamt vier Frauen, alle aus dem Prostituiertenmilieu, fielen dem Mörder zum Opfer, der die Leichen zum Teil zerstückelte und die Teile in seiner Wohnung aufbewahrte. Nur durch einen Brand, bei dem die Leichenteile entdeckt wurden, konnte Honka dingfest gemacht werden. Bereits die Romanvorlage sorgte für Aufsehen und war sicher kein leicht zu lesendes Buch, ebenso wie Akins Verfilmung ganz sicher kein Popkornkino und durchaus starker Toback ist – vermutlich ein Grund, weshalb es gar nicht so einfach war, ein Kino zu finden, das den Film zeigt und ich aus dem Sauerland bis ins UCI-Kino in Bochum fahren musste, um ihn sehen zu können (das war allerdings schon in der zweiten Aufführungswoche, so dass es sein kann, dass er in einigen Theatern zwar gelaufen ist, jedoch schnell wieder abgesetzt wurde).

Eine Offizierin der Heilsarmee möchte die Prostituierten im Goldenen Handschuh auf den rechten Weg bringen. (Foto: Gordon Timpen)

Eine Offizierin der Heilsarmee möchte die Prostituierten im Goldenen Handschuh auf den rechten Weg bringen. (Foto: Gordon Timpen)

Dabei stellt das Werk für denjenigen, der sich darauf einlässt, ein durchaus eindrückliches Erlebnis dar, das den Dreck und Gestank dieser Vorhölle, die sich aus der muffig-verrauchten Kneipe, der hoffnungslos versifften Wohnung Honkas und einem heillos skurrilen Panoptikum von Alkoholwracks, die längst am alleruntersten Ende der Gesellschaft angelangt sind, zusammensetzt, geradezu körperlich fühlbar macht. Auf technischer Ebene ist der Film brillant: Die Innenräume des „Goldenen Handschuh“, der noch heute auf der Reeperbahn existiert, wurden ebenso wie Honkas Wohnung bis ins Detail nachgebaut – der Vergleich zu den Original-Fotos der Handlungs- und Tatorte zeigen die erstklassige Arbeit von Szenenbildner Tamo Kunz, der in Zusammenarbeit mit Kameramann Rainer Klausmann eine geradezu oskarreife Leistung vollbrachte. Die schummrige Ausleuchtung der rauchigen Kneipe und die grobkörnigen Bilder der verlorenen Seelen, die sich in ihr tummeln, hinterlassen einen bleibenden Eindruck.

Im Goldenen Handschuh werden tiefsinnige Gespräche geführt. (Foto: Warner)

Im Goldenen Handschuh werden tiefsinnige Gespräche geführt. (Foto: Warner)

In der Milieuzeichnung und dem Kabinett an skurrilen Charakteren, unter anderem dargestellt von dem bekannten deutschen Regisseur Hark Bohm als knautschiger Dornkaat-Max oder dem großartigen Dirk Böhling, der als Soldaten-Norbert tatsächlich für ein paar bittere Schmunzler im trostlosen Geschehen sorgt, liegt die zweifelsfreie Stärke des Films, obwohl man Regisseur Fatih Akin sicherlich vorwerfen kann, es manchmal ein wenig zu übertreiben mit der Schrulligkeit. Dadurch gibt er beizeiten seine Figuren einem gewissen Voyeurismus preis, der auch schon mal die Grenze zur Lächerlichkeit überschreiten kann. Mit dem erst 23-jährigen Hauptdarsteller Jonas Dassler, der es als Serienmörder Fritz Honka trotz der ihn völlig entstellenden Maske auf furiose Weise hinbekommt, sich als Schauspieler ausreichend Raum für die Darstellung dieses unglücklichen Individuums zu verschaffen, ist Fatih Akin ein absoluter Glücksgriff gelungen, obwohl sicher die meisten den sympathischen Schauspieler völlig ohne Maske niemals in dieser Rolle gesehen hätten. Dassler ist es auch, der die fragwürdige Entscheidung Akins, die unglückliche Kindheit und Jugend Honkas nahezu völlig auszuklammern, auswetzt und den Serienmörder in einigen Szenen trotz seiner Untaten als menschliches Wesen wirken lässt.

Regisseur Fatih Akin bei den Dreharbeiten. (Foto: Warner)

Regisseur Fatih Akin bei den Dreharbeiten. (Foto: Warner)

Den Vorwurf mancher Kritiker, dass der Film aufgrund der fehlenden tragischen Vorgeschichte die Hauptfigur vollends als eindimensionales Monster präsentiert, kann man deshalb so nicht stehen lassen. Dem ernsthaften Versuch Honkas, durch einen kalten Entzug vom Alkohol runterzukommen und einen Job als Wachmann anzunehmen, wird ausführlich Raum gegeben, und zumindest einige Momente, in denen er einen Anflug von Mitgefühl für jene Frauen, die er später vergewaltigt und teilweise bestialisch ermordet, aufbringt, sind ebenfalls vorhanden. Dassler schafft es, auch diese ruhigeren Szenen glaubwürdig rüberzubringen. Ebenfalls nicht zu halten ist der oft gehörte Vorwurf, dass Akin alle Greueltaten Honkas bis ins Detail ausschlachtet, die Kamera bei den Morden immer „draufhält“. Vielmehr sind zum Beispiel die Zerstückelungen niemals im Bild zu sehen – ähnlich wie bei Tobe Hoopers Horror-Klassiker „Texas Chainsaw Massacre“ überlässt es Akin fast immer dem Zuschauer, die Greuel im Kopf entstehen zulassen. Lediglich eine Strangulationsszene wird recht detailreich gezeigt, was jedoch dramaturgisch begründet ist. Das Opfer, eine ehemalige KZ-Insassin, kämpft hier verzweifelt und qualvoll lange um ihr Leben, wobei der Regisseur sein Ansinnen durchsetzt, Gewalt als genauso schmutzig und abstoßend darzustellen, wie sie ist, und nicht, wie in vielen Hollywoodfilmen üblich geworden, zur Gaudi verkommen lässt. Trotz dem einen oder anderen zumindest fragwürdigen Aspekt der Verfilmung von Heinz Strunks Erfolgsroman sollte es in Deutschland viel mehr solcher unbequemer und politisch unkorrekter Filme geben.

Zumindest wenn sie sich auf einem ähnlich hohen handwerklichen und schauspielerischen Niveau bewegen wie „Der Goldene Handschuh“.

Bewertung 4 von 5 Sternen

Der Goldene Handschuh
Deutschland 2019

Kinostart bereits angelaufen

FSK ab 18 Jahre

Darsteller Jonas Dassler, Margarethe Tiesel, Katja Studt, Hark Bohm u.a.

Regie Fatih Akin
Drehbuch Fatih Akin nach dem Roman „Der Goldene Handschu“ von Heinz Strunk
Länge ca. 110 Min

(Foto: Björn Othlinghaus)

Robin Stone und Bethany Barber als Rod Stewart und Cher auf der Bühne

Die beiden Musiker und ihre Band lieferten eine perfekte Show. (Foto: Björn Othlinghaus)

Liebhaber der Musik von Rod Stewart und Cher kamen am Samstag, 2. März 2019, im Saal der Lüdenscheider Event-Gaststätte Dahlmann auf ihre Kosten.

Bereits vor einigen Jahren gaben sich Robin Stone und die gebürtige US-Amerikanerin Bethany Barber auf der Dahlmann-Bühne die Ehre und schlüpften erfolgreich in die Rollen der beiden Superstars. Die beiden Musiker bestechen vor allem durch ihre absolut authentischen Stimmen, die sich kaum von denen der Original-Interpreten unterscheiden.

Bethany Barber trat mit stetig wechselnden Perücken und Kostümen auf. (Foto: Björn Othlinghaus)

Bethany Barber trat mit stetig wechselnden Perücken und Kostümen auf. (Foto: Björn Othlinghaus)

Unterstützt wurden die beiden einmal mehr von einer erstklassigen Band, die das Bühnengeschehen im Rahmen von drei umfangreichen Sets in einen reichhaltigen Sound kleidete. Darüber hinaus boten die Interpreten mit einer aufwändigen Bühnenshow auch etwas fürs Auge – während Bethany Barber laufend Perücken und Bühnenkleidung wechselte, waren die zahlreichen Bühnenanzüge von Robin Stone ebenfalls ein echter Hingucker. Die Show bot für Fans von Rod Stewart und Cher über mehr als drei Stunden großartige Unterhaltung auf allen Ebenen. Set eins und zwei bestritten die beiden Künstler zunächst separat. Den Opener machte Robin Stone mit den großen Hits von Rod Stewart, darunter „Maggie Mae“ und „Hot Legs“. Stewarts größten Hit, „Sailing“, sparte sich Stone dagegen für die Zugabe auf, ebenso wie Bethany Barber Chers größten Hit „Believe“ als Nachschlag servierte.

Reinhard Schnelle alias Robin Stone gibt stimmlich wie optisch einen perfekten Rod Stewart ab. (Foto: Björn Othlinghaus)

Reinhard Schnelle alias Robin Stone gibt stimmlich wie optisch einen perfekten Rod Stewart ab. (Foto: Björn Othlinghaus)

Im Rahmen ihres Solo-Sets lieferte die Sängerin gern gehörte Evergreens des Superstars, der über 200 Millionen Platten verkaufte, darunter der „Shoop Shoop Song“ aus dem Film „Meerjungfrauen küssen besser“, in dem Cher auch ihr Talent als Schauspielerin unter Beweis stellte. Im dritten Set servierten die beiden Sänger indes nicht nur Songs von Rod Stewart und Cher, sondern interpretierten auch Werke anderer Künstler. So gedachte Bethany Barber der beiden verstorbenen Idole David Bowie und Freddie Mercury, ersterem mit einer großartigen Fassung von „Heroes“, letzterem mit „Under Pressure“. Auch „Walking In Memphis“ von Marc Cohn stand auf ihrer Setliste.

An der Strom-Gitarre überzeugte Steve H. Stevens. (Foto: Björn Othlinghaus)

An der Strom-Gitarre überzeugte Steve H. Stevens. (Foto: Björn Othlinghaus)

Robin Stone widmete sich dagegen einem ebenfalls viel zu früh verstorbenen Künstler, nämlich Pop-Musiker Robert Palmer mit seinem Song „Addicted To Love“. Weitere Höhepunkte stellten schließlich die erstklassig dargebotenen Gesangsduette im dritten Konzertteil dar. Unter anderem begeisterten Stone und Barber mit „I Got You Babe“, ein früher Hit von Sonny and Cher aus den 60er Jahren, sowie „Proud Mary“ von Creedence Clearwater Revival. Auch die Musiker der Band glänzten oft an diesem Abend, zum Beispiel Gitarrist Steve Stevens mit einem eindrücklichen Gitarrensolo bei Robin Stones Zugabe „Sailing“. Am Samstag, 30. März 2019, können sich die Fans von Robin Stone auf einen weiteren Auftritt des Sängers freuen, denn dann steht er als Frontmann der Band CC Smokie auf der Dahlmann-Bühne, die die Hits der Band Smokie covern. Los geht es um 21 Uhr, Tickets kosten im VVK 12 Euro zzgl. Gebühren (AK 15 Euro) und sind unter anderem im LN-Ticketshop und bei Dahlmann erhältlich. Weitere Infos: www.gaststaette-dahlmann.de.

(Foto: Björn Othlinghaus)

Sebastian Wagemeyer tritt beim Breakfastclub auf

Sebastian Wagemeyer. (Foto: Björn Othlinghaus)

Für all jene, die ein reichhaltiges Frühstück in Kombination mit guter Live-Musik schätzen, ist der Breakfastclub, den der Verein Kultstädte in Zusammenarbeit mit dem Stock in Lüdenscheid monatlich veranstaltet, längst ein beliebtes Event geworden.

Auch am Sonntag, 10. Februar 2019, kamen wieder zahlreiche Gäste in den Stock, wo diesmal die Musikerin Carmen Klughardt zu sehen und zu hören war. Die Sängerin, die sich selbst am Klavier begleitete, hatte an diesem Vormittag nicht nur Coverstücke, sondern auch diverse hörenswerte Eigenkompositionen für ihren Auftritt mitgebracht.

Carmen Klughardt überzeugte beim letzten Breakfastclub im Stock. (Foto: Björn Othlinghaus)

Carmen Klughardt überzeugte beim letzten Breakfastclub im Stock. (Foto: Björn Othlinghaus)

Mit originell interpretierten Coversongs wie zum Beispiel „Back To Black“ von Amy Winehouse oder „Lay My Body Down“ von Rag`n`Bone Man überzeugte sie mit facettenreicher Stimme ebenso wie bei ihren Eigenkompositionen, darunter die Titel „Don’t Leave“, „Call On Your Name“ oder „Another Stranger“. Hierbei handelte es sich durchweg um eingängige und professionell komponierte Werke, die sich hinter den Werken der berühmten Kollegen in keiner Weise zu verstecken brauchten. Dementsprechend war der jungen Musikerin der anerkennende Applaus ihres Publikums an diesem Vormittag sicher. Die nächste Breakfastclub-Veranstaltung findet am Sonntag, 10. März 2019, ab 10 Uhr im Stock statt. Zu Gast ist dann der Lüdenscheider Musiker Sebastian Wagemeyer. Interessenten sollten sich unbedingt unter kontakt@kultstaedte.de oder Tel. 0 23 51 / 6 72 20 40 einen Platz reservieren.Weitere Infos unter www.kultstaedte.de.

(Foto: Björn Othlinghaus)

Kommentar: Kulturzwang für Kinder und Jugendliche in Lüdenscheid?

Eine Aufführung von Mozarts „Zauberflöte“ für Kinder im Kulturhaus. (Foto: Björn Othlinghaus)

Der Aufschrei in den sozialen Netzwerken ist groß!

Sollen in Lüdenscheid tatsächlich einmal im Jahr Schülerinnen und Schüler zum Besuch einer Veranstaltung im Kulturhaus gezwungen werden, und diese dann auch noch aus eigener Tasche bezahlen? Empörte Kommentare machen auf Facebook die Runde. Werden Kids in Veranstaltungen, die ihnen Unterhaltung und Bildung gleichermaßen oder gar eine Abwechslung zum tristen Alltag vor dem Computer bieten, quasi von Lehrern und Kulturhausleitung gegen ihren Willen hineingezwängt? Müssen Eltern die Privatinsolvenz fürchten, damit Jugendliche einmal jährlich eine Kulturveranstaltung genießen können, die eventuell ihren Horizont erweitert und ihnen ein nicht alltägliches Erlebnis bescheren könnte? Fragen über Fragen, die sich offensichtlich viele angesichts des nun geschlossenen Kooperationsvertrages zwischen einigen Lüdenscheider Schulen und dem Kulturhaus stellen. Worum geht es dabei eigentlich genau?

Das Hip-Hop-Festival im Kulturhaus war ein voller Erfolg. (Foto: Björn Othlinghaus)

Das Hip-Hop-Festival im Kulturhaus war ein voller Erfolg. (Foto: Björn Othlinghaus)

Kinder und Jugendliche der kooperierenden Schulen sollen einmal im Jahr gemeinsam ein Stück im Kulturhaus besuchen. Und ja, sie sollen einen Eintrittspreis für die Karte aufbringen, der für jeden Grundschüler 4 Euro und für jeden Schüler einer weiterführenden Schule 5 Euro beträgt. Eine schlaue Person hat einmal gesagt: „Was nix kostet, das ist auch nix!“, und ich finde, damit hatte sie recht. Kultur, egal ob es um Musik, Film, Theater oder was auch immer geht, ist heute mehr und mehr zu einem Wegwerfprodukt geworden, das man im Netz herunterlädt, ein paar Tage oder möglicherweise auch nur einige Minuten oder gar Sekunden konsumiert und dann entsorgt. Zahlen möchte man dafür, wenn überhaupt, so wenig wie möglich – die Arbeit, die Künstler in die Produktion dieser kulturellen Ware gesteckt haben, interessiert kaum noch jemanden. Eine traurige Entwicklung, der man etwas entgegensetzten sollte. Wenn ich mich an meine Schulzeit erinnere, gab es eine Menge gemeinsame Veranstaltungen, deren Kosten von den Eltern ganz oder teilweise getragen werden mussten. Es wurden Klassenfahrten, Tagesausflüge in andere Städte, Museumsbesuche, Musicalaufführungen, mehrtägige Aufenthalte im SGV-Heim Wiehardt und vieles, vieles mehr durchgeführt.

Oper auf internationalem Niveau: Don Carlos im Lüdenscheider Kulturhaus. (Foto: Björn Othlinghaus)

Oper auf internationalem Niveau: Don Carlos im Lüdenscheider Kulturhaus. (Foto: Björn Othlinghaus)

Gerne erinnere ich mich noch heute an eine Aufführung von „Starlight Express“ in Bochum, das allererste Mal, dass ich und sicher auch viele andere Kinder in meiner Klasse eine Musical-Aufführung erleben durften. Obwohl die Karten für eine große Schülergruppe preiswerter waren, war dies ganz bestimmt kein billiges Vergnügen. Von vielen gemeinsamen Klassenfahrten, die ebenfalls oft kulturelle Bestandteile aufwiesen, zehre ich noch heute. Für diese Aktionen und Fahrten brachten die Eltern ein vielfaches an Geld auf, als jener Betrag, um den es beim Kooperationsvertrag mit den Schulen und dem Kulturhaus geht, um ihren Kindern gemeinschaftliche Erlebnisse, eben auch in kultureller Hinsicht, zu bieten, und sie taten das meist ohne jedes Murren und Knurren. Bei Familien, die sich den finanziellen Beitrag nicht leisten konnten, fand sich damals und findet sich auch heute immer ein Weg, das Geld aufzubringen. Besucht man heute eine Kinovorstellung, kann man dafür, wenn man 3D-Zuschlag, 3D-Brille, Getränke und Knabbereien mit einrechnet, ganz locker zwischen 15 und 20 Euro und mehr pro Kopf ausgeben, und bekommt dafür einen Film präsentiert, den in vielen Kinocentern noch nicht mal mehr ein Vorführer starten muss, weil alle Vorstellungen gesammelt programmiert werden und das komplette Programm vollkommen automatisch abläuft. Wie ungleich größer ist doch der Aufwand für ein Theaterstück, bei dem Schauspieler, Regisseur, Bühnenbauer, Beleuchter und viele anderen Menschen mehr bei jeder einzelnen Aufführung ihr Bestes geben, um dem Publikum das maximale Erlebnis bieten zu können.

Kinder und Jugendliche sollen für Veranstaltungen im Kulturhaus begeistert werden. (Foto: Björn Othlinghaus)

Kinder und Jugendliche sollen für Veranstaltungen im Kulturhaus begeistert werden. (Foto: Björn Othlinghaus)

Ich glaube, dass ein gemeinsamer Theaterbesuch pro Schule im Jahr dazu beitragen kann, dass junge Menschen das Theater mit all seinen Facetten überhaupt erst einmal kennenlernen, um dann den Aufwand sowie die mentale wie körperliche Anstrengung zu erkennen und wertzuschätzen, die hinter einer Theater- oder Ballettaufführung, einem Konzert oder einem Kleinkunst- oder Comedyabend stecken. Zudem bin ich mir sicher, dass hinter den Kooperationsverträgen nicht wirklich ein Zwang für die Schülerinnen und Schüler steckt und kann mir nicht vorstellen, dass Kinder und Jugendliche, die nicht mit ins Theater wollen, in Handschellen dorthin verfrachtet werden und die 4 bzw. 5 Euro anschließend durch den Gerichtsvollzieher eingezogen werden. Letztlich wird auch diese Suppe sicher nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht wird. Die Kooperationsverträge sind ein guter Baustein auf dem Weg, Kindern und Jugendlichen das Theater im Allgemeinen und das Kulturhaus im Besonderen wieder näher zu bringen und deshalb, zumindest aus meiner Sicht, eine gute Sache!

(Foto: Björn Othlinghaus)

Quiet Earth – Nagelneuer Prog-Rock aus Dortmund

Prog-Rock vom Feinsten mit Quiet Earth. (Foto: Björn Othlinghaus)

Mit ihrem Prog-Rock-Album „Dragons & Butterflies“ hat die Dortmunder Formation Quiet Earth ein spätes Album-Debüt abgeliefert.

Ursprünglich hatte sich die Band um den Gitarristen Roland Bischof und den Bassisten Andreas Kuhlmann bereits in den frühen 80er Jahren gegründet und frönte ihrer Leidenschaft für Bands wie Genesis, Yes, Pink Floyd und anderen Größen des Prog-Genres, doch wie sooft hielt die Gemeinschaft nur wenige Jahre, und das Leben kam den Musikern in vielfältiger Form zwischen die Musikkarriere. Beide Bandgründer waren weiter als Musiker tätig, Kuhlmann unter anderem im Bereich der Filmmusik, bis sich vor rund zehn Jahren die Formation neu formierte.

Robin Stone war als Support-Act zu sehen und zu hören. (Foto: Björn Othlinghaus)

Robin Stone war als Support-Act zu sehen und zu hören. (Foto: Björn Othlinghaus)

Am Freitag, 15. Februar 2019, war die Band Quiet Earth – neben Andreas Kuhlmann und Roland Bischof sind heute Martin Bischof (Keboard, Bass Synth), Hubert Hering (Schlagzeug, Percussion), Roland Paroth (Sänger, Gitarre) und Arnfried Rosenkranz (Keyboard, Gitarre) dabei – im Saal der Gaststätte Dahlmann zu sehen und zu hören. Auf die Bühne brachten sie im Wesentlichen ihr komplettes erstes eigenes Album „Dragons & Butterflies“, das insgesamt sieben ausladende Kompositionen enthält, die, wie von Prog-Rock-Formationen gewöhnt, opulent produziert wurden und sich inhaltlich um ausufernde Fantasy-Szenarien drehen. Feuer, Rauch und viel Atmosphäre breitet sich in der Vorstellung jener Zuhörer aus, die sich auf die oft ruhigen und meditativen, aber auch gemäßigt rockigen, komplexen Klanggemälde einlassen.

Roland Paroth, Sänger bei Quiet Earth. (Foto: Björn Othlinghaus)

Roland Paroth, Sänger bei Quiet Earth. (Foto: Björn Othlinghaus)

Das Debüt ist den Dortmundern hervorragend gelungen, wobei die Vorbilder wie Pink Floyd zwar klar herauszuhören sind, mit dem Fantasy-Setting aber dennoch eine eigene Komponente in das Werk eingebracht wird. Mit dem Support-Act kamen schließlich auch jene Besucher, die gerne die bekannten Werke aus der Hochphase des Prog-Rock hören, auf ihre Kosten. Sänger und Gitarrist Robin Stone, der längst ein gern gesehener Gast auf der Dahlmann-Bühne ist, tat sich mit Arnfried Rosenkranz an der Akustik-Gitarre und Andreas Kuhlmann (Cello) zusammen, um die Zuhörer mit Rock-Klassikern der 70er und 80er Jahre zu begeistern, darunter Perlen wie „Solsbury Hill“ von Peter Gabriel, „Wish You Were Here“ von Pink Floyd, „Sound of Silence“ von Simon & Garfunkel oder „Nights In White Satin“ von The Moody Blues. Natürlich handelte es sich dabei nicht nur um Progressive-Klassiker, aber stilistisch passten die Stücke hervorragend zusammen und auch technisch überzeugten die drei Musiker auf ganzer Linie, so dass der Abend im Ganzen zu einem echten Musikgenuss wurde, bei dem das Publikum zum Zuhören, diesmal jedoch nicht zum Abfeiern oder Party machen, eingeladen wurde. Weitere Infos: www.gaststaette-dahlmann.de.

(Foto: Björn Othlinghaus)

AC/DC Dynamite Fanclub Party 2019 füllt das Lüdenscheider AJZ

Fans mit Leib und Seele. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die Anhänger der australischen Rock-Formation AC/DC sind eine treue und zuverlässige Gemeinschaft.

Wenn Frank Petersen, der Vorsitzende des AC/DC Dynamite Fanclubs, zur alljährlichen Fanclubparty einlädt, machen sich nicht nur deutsche Fans, sondern Anhänger aus ganz Europa auf den Weg nach Lüdenscheid. Auch am Freitag, 22. Februar 2019 und Samstag, 23. Februar 2019, trafen zahlreiche Besucher aus dem Ausland am Alternativen Jugendzentrum (AJZ) an der Altenaer Straße ein, zumal der erste Live-Act, die ukrainische AC/DC Tribute Band D/C Train, am Freitag extra aus der Heimat angereist war.

Gute Stimmung beim Konzert von D/C Train im AJZ in Lüdenscheid. (Foto: Björn Othlinghaus)

Gute Stimmung beim Konzert von D/C Train im AJZ in Lüdenscheid. (Foto: Björn Othlinghaus)

Ganze 24 Stunden waren die Musiker und ihre mitgereisten Fans unterwegs gewesen. Außergewöhnlich war dabei, dass die Combo sowohl ihren eigenen Sänger Yevhen Bortnychuk dabei hatte, dessen Stimme der des 1980 verstorbenen AC/DC-Sängers Bon Scott ähnelt, sowie Sänger Nummer zwei Roman Sorokin alias The Jack Frost, der sich auf die Brian-Johnson-Nummern spezialisiert hat. Ferner standen am Freitag Oleksandr Thalych (Bass), Oleksandr Azieiev (Lead-Gitarre), Artur Anopolskyi (Rhytmus-Gitarre) und Volodymiyr Zelenianskyi (Schlagzeug) auf der Bühne und heizten den zahlreich erschienenen Gästen ein.

Viele Fans waren mit der Band D/C Train aus der Ukraine angereist. (Foto: Björn Othlinghaus)

Viele Fans waren mit der Band D/C Train aus der Ukraine angereist. (Foto: Björn Othlinghaus)

Zunächst wurden die Bon-Scott-Klassiker abgefeiert, wobei die Besucher bei bestens gealterten AC/DC-Ohrwürmern wie „Sin City“, „Dog Eat Dog“, „Riff Raff“ oder „Dirty Deeds, Done Dirt Cheap“ gerne rockten und feierten. Dabei gab Gitarrist Oleksandr Azieiev einen überzeugenden Angus Young ab, natürlich inklusive Schuluniform, Little-Richard-Stechschritt und dem obligatorischen Strip in der Programmmitte, bei dem Original-AC-DC-Gitarrist Angus stets alle Hüllen bis auf die AC/DC-Unterhose, Schuhe und Gitarre fallen lässt. Nach der ausgelassenen Party am Freitag ging es am Samstagnachmittag zunächst entspannt mit der AC/DC-Börse im AJZ weiter.

Viele Raritäten gab es bei der AC/DC-Börse am Samstag. (Foto: Björn Othlinghaus)

Viele Raritäten gab es bei der AC/DC-Börse am Samstag. (Foto: Björn Othlinghaus)

Hier hatten die Fans die Möglichkeit, Merchandising-Artikel und Raritäten zu erwerben oder sonstige Schnäppchen in Verbindung mit ihrer Lieblingsband zu ergattern. Derweil war Organisator Frank Petersen bereits am Vormittag im Stress, als ihm Thomas Klaus alias „Chicken“, Frontmann der Band Big Balls, mitteilte, dass am Abend der Drummer der Combo garantiert wegen Krankheit ausfällt und auch der Einsatz des Lead-Gitarristen zumindest auf der Kippe stehe. Die Musiker von D/C Train erklärten sich jedoch sofort bereit, die Lücken zu füllen, so dass Big Balls am Samstag dennoch vor gewohnt prall gefülltem Haus auftreten konnten. Abgerundet wurde das Veranstaltungsangebot wieder durch eine Tombola mit attraktiven Preisen, die natürlich alle einen Bezug zu AC/DC hatten.

(Foto: Antonio Porcar)

Ungewöhnliche Debüt-EP der Singer-Songwriterin Junodori

Junodoris Musik bildet eine stimmungsvolle Kombination aus Pop und Jazz. (Foto: Antonio Porcar)

Die Pianistin und Sängerin Judith Nordbrock tourt bereits seit vielen Jahren international unter ihrem Projektnamen Junodori.

Ihre Songs, die die gelernte Toningenieurin als Singer-Songwriterin schreibt, bilden eine reizvolle Melange aus Pop und Jazz, deren Bandbreite emotionale Balladen und Chansons ebenso wie Funk mit einschließt. Bei der EP „I Won’t Wait“, deren insgesamt sechs Tracks Judith Nordbrock mit einer großen Besetzung an renommierten Musikern in den Tinitus-Studios Los Angeles einspielte, handelt es sich um die erste Studio-Produktion der in Bonn geborenen Musikerin. Ermutigt, eigene Songs zu schreiben, wurde sie von einem befreundeten Musikproduzenten. Ein Jahr lang nahm sich die Perfektionistin daraufhin eine Auszeit von ihrer Anstellung als Filmmischmeisterin und widmete sich in dieser Zeit dem Songwriting, der Stimmbildung und der Jazz-Improvisation.

Junodori. (Foto: Antonio Porcar)

Junodori. (Foto: Antonio Porcar)

Ergebnis dieser intensiven Arbeit ist ihre ebenso stimmungsvolle wie mit aufwändigen Arrangements von ihr selbst produzierte Debüt-EP. Aufgenommen wurde das Werk überwiegend von Francois Blaignan, der auch durch seine Arbeit als Sound-Designer bei internationalen Filmproduktionen wie beispielsweise „Der schmale Grad“ von Terrence Malick bekannt ist. Junodoris Songs lassen sich nicht in Schubladen einordnen, denn die Künstlerin möchte viele Menschen mit ihrer Musik erreichen. Die sollen sich keine Gedanken über deren Einordnung machen, sondern sich vielmehr von ihr davontragen und emotional berühren lassen. „Zuhören ist das Essentielle“, betont die Künstlerin. Viele international erfolgreiche Musiker wirkten an der Produktion mit, darunter Michael Hunter (Trompeter bei Lenny Kravitz), Thomas Inderka (Lead-Trompeter der Bigband der Bundeswehr) sowie Carl Lemar Carter (Drummer bei dem US-amerikanischen Soul-Musiker Raphael Saadiq). Der erste Track von „I Won’t Wait“, „Communication“, startet mit einem funkigen Intro, das ein wenig wie eine Reminiszenz an das Intro von Isaak Hayes‘ wohl berühmtestem Werk, „Shaft“, wirkt, bei Einsetzen des Gesangs in lässigen Soul übergeht und durch Bläsersätze sowie ein ausdrucksvolles Gitarrensolo und einen rhythmischen Schlagzeug-Part komplettiert wird. Darüber hinaus setzt das Stück den musikalischen Startpunkt für das bevorzugte Thema von Judith Nordbrock, die mannigfaltigen Arten der Kommunikation zwischen Menschen.

Junodori. (Foto: Antonio Porcar)

Junodori. (Foto: Antonio Porcar)

Das federleichte „Summer In The City“, das mit fröhlichen, an den Dixieland angelehnten Trompeten-Klängen junge Leute beim Flirten begleitet, sorgt für gute Laune und für Vorfreude auf den Sommer. „You Drive Me Mad“ kommt im Refrain als lockerer Swing mit entspannten Piano-Klängen daher. Die aufwändige Produktionsweise der EP sticht insbesondere bei der Ballade „No Mistakes On The Dancefloor“ hervor. Das Streicherarrangement wurde aus mehr als 50 realen Streicherspuren und weiteren acht Midi-Streicherspuren zusammengesetzt – heraus kam ein reichhaltiger und opulenter Vintage-Sound, den die Künstlerin jedoch keinesfalls als Abkehr von der aktuellen Digitaltechnik verstanden wissen will. Vielmehr nutzt sie diese Technik, um den unvergleichlichen Klang der sechs Songs auf ihrer EP zu erschaffen, der nicht selten an den klassischen Jazz der 50er Jahre mit Künstlern wie Ella Fitzgerald oder Louis Armstrong, aber oft auch an den Big-Band- und Orchestersound oder an die Filmmusiken jener Zeit erinnert. Der Titelsong „I Won’t Wait“ atmet wiederum intensiv den Funk der 70er Jahre, ähnlich wie der Opener.

„Du weißt nicht, was du tun sollst, aber du fühlst, wenn es richtig ist“ – mit dem Bonustrack „Up To You“ transportiert Junodori eine Haltung: „Es liegt an dir, was du aus den Dingen machst. Deshalb lass dich nicht beirren und folge deinem Weg.“ Die EP „I Won’t Wait“ wird am 08. März 2019 von recordjet veröffentlicht und ist auf allen gängigen Download-Plattformen erhältlich. Weitere Infos auf www.junodori.com und www.facebook.com/junodori/.

JUNODORI, EP „I Won’t Wait“
VÖ: 08.03.2019
Label: Recordjet

Junodori Tourdaten „I won’t wait“-Tour 2019

09.03.19 Nürtingen, Alte Seegrasspinnerei, Nürtinger Jazztage/Release-Konzert
15.03.19 Wickede, KaDeWi, Jubiläumskonzert
22.03.19 Ingelheim, Henry’s
24.03.19 Bad Homburg, Jugendkulturtreff e-Werk
06.04.19 Stuttgart, Maritim Hotel
07.04.19 Weßling/Oberpfaffenhofen, il Plonner
08.04.19 Hechendorf am Pilsensee
03.05.19 Lüdenscheid, Jazz Club Lüdenscheid e.V.
10.05.19 Köln, Café Inside
15.05.19 Lübeck, Tonfink
16.05.19 Rüben/Putbus, Rasender Roland
17.05.19 Rostock, Dein Musikwohnzimmer e.V.
18.05.19 Ebstorf, Bahnhof Ebstorf
01.06.19 Basel, CH
21.06.19 Dinslaken, Die Wein-Bar in der Neutor-Galerie
22.06.19 Bramsche, Alte Webschule
30.06.19 Chemnitz-Rabenstein, Spiegelsaal im Schloss Rabenstein
19.09.19 Haselünne, Zum Alten Bock
04.10.19 Köln, Tee des Cologne
08.11.19 Engelskirchen, Gewölbekeller
14.11.19 Leverkusen, Whisky Bar & Irish Pub „Notenschlüssel“
20.12.19 Köln, Café Inside

(Foto: Björn Othlinghaus)

Lambert – Meisterkonzert mal ganz anders

Die sardische Stiermaske ist Lamberts Markenzeichen. (Foto: Björn Othlinghaus)

Am Vortag noch in der Berliner Volksbühne, jetzt im Lüdenscheider Kulturhaus!

Der Pianist Lambert steht wie kein anderer deutscher Musiker für das Crossover von klassischer Klaviermusik, Pop und Jazzelementen. Sein Markenzeichen ist die sardische Stiermaske, die er bei all seinen Auftritten trägt. Lambert hält seinen tatsächlichen Namen ebenso geheim wie die meisten Stationen seiner Vita. Anfang der 80er Jahre in Hamburg geboren, zog es ihn nach Berlin, wo er bis heute als Pianist, Komponist und Produzent lebt und arbeitet. Lambert ist ausgebildeter Jazzpianist und trat zunächst durch so genannte Re-Works, also bekannte Pop-Songs, die er auf dem Klavier neu interpretierte, in Erscheinung. Spätere Veröffentlichungen enthielten dagegen überwiegend Eigenkompositionen. Sein aktuelles Album „We Share Phenomena“ mit dem Musiker Brookln Dekker veröffentlichte er erstmals beim Major-Label BMG. In Lüdenscheid war der Musiker am Sonntag, 20. Januar 2019, im Rahmen der „Meisterkonzerte“ im Theatersaal zu hören und fiel damit aus dem gewohnten Rahmen der Reihe, die normalerweise reine Klassikkonzerte beinhaltet.

Das Konzert mit Lambert stellte ein besonderes musikalisches Erlebnis für Lüdenscheid dar. (Foto: Björn Othlinghaus)

Das Konzert mit Lambert stellte ein besonderes musikalisches Erlebnis für Lüdenscheid dar. (Foto: Björn Othlinghaus)

Der Leiterin und Intendantin des Kulturhauses, Rebecca Egeling, ging es darum, mit dem Engagement des Künstlers einmal mit den gewohnten Konventionen der klassischen Musik zu brechen und auszuloten, ob eine solches Crossover auch in der Bergstadt ein Publikum finden kann. Deshalb stellte sie den Künstler im Rahmen einer vorangehenden Einführung kurz vor und erläuterte den Besuchern ihre Intentionen. Die Resonanz auf das Konzert bewegte sich zahlenmäßig mit schätzungsweise zwischen 100 und 150 Personen im üblichen Rahmen der Meisterkonzerte. Lambert, der seinen tatsächlichen Namen und seine Identität bewusst geheim hält, tritt in unterschiedlicher Besetzung auf. Während er in Lüdenscheid als Solo-Pianist zu hören war, benutzt er mancherorts elektronische Instrumente oder arbeitet mit dem Musiker Brookln Dekker zusammen, mit dem er auch sein aktuelles Album „We Share Phenomena“ produzierte. Obwohl Lambert mit seiner Maske – wie viele andere Musiker derzeit auch – einen spektakulären optischen Akzent setzt, liegt es ihm fern, sich auf der wohl bewusst mit je einem funzeligen gelben und roten Scheinwerfer luschig ausgeleuchteten Bühne selbst zu inszenieren. Seine Musik soll für sich allein stehen. Bereits das einleitende „Porcelain“ lädt dazu ein, die Augen zu schließen, das triste Bühnensetting mit Sparlicht auszublenden und sich von den sanft fließenden Klängen, in die manchmal bar-jazzige Einflüsse eingesponnen werden, treiben zu lassen.Lamberts Musik in eine Schublade zu pressen, fällt schwer, fast jeder stellt andere Vergleiche an. Während sich eine Zuschauerin an den französischen Komponisten Erik Satie erinnert fühlt, sehen manche Kritiker Parallelen zu Ludovico Einaudi, andere zu Debussy oder Chopin. Doch gerade bei den augenzwinkernden Kommentaren, die sich der Musiker zwischen seinen Stücken gönnt, wird deutlich, dass er nicht kathegorisiert werden will, sondern seine Fans emotional erreichen möchte. „Bei einem Lambert-Konzert darf man auch Gefühle haben“, betont er zum Beispiel.

Lieber als die negativen wie zum Beispiel Hass seien ihm die positiven, sprich Freude und Jauchzen, wobei man ein verschmitzes Lächeln hinter der Maske vermuten kann. Dann lässt sich der Hörer wieder in eine zauberhafte Klangwelt entführen wie beim eingängigen „Talk!“, das den Hörer auf einem chilligen Teppich aus sanften Klavierklängen mental davonschweben lässt. Beizeiten behandelt der Musiker in seinen Instrumentalwerken auch ungewöhnliche Themen. So widmet er zum Beispiel „Jean Luc“ dem furchtlosen Captain des Raumschiffes Enterprise, Jean-Luc Picard, oder setzt in „Mars“ seinen Wunsch, eben dort hinzufliegen, jedoch ganz allein und ohne sich von anderen vollquatschen zu lassen, in akustische Welten um. Auf diese Klangwelten kann man sich voll und ganz einlassen und einen genussvollen Abend erleben, doch nach 90 Minuten Wohlklang wurde auch die eine oder andere Stimme laut, die dies auf lange Strecke als ein wenig gleichförmig empfand. Unterm Strich handelte es sich bei diesem hörenswerten Meisterkonzert dennoch um einen gelungenen Bruch mit den Konventionen der Klaviermusik und um ein Treffen mit einem außergewöhnlichen Künstler, der sich im Anschluss an das Konzert noch einmal ganz ohne Maske zum signieren im Foyer zeigte.

(Foto: Björn Othlinghaus)

Kunst gegen Bares Lüdenscheid 3.0 – Wer bekommt das dickste Schwein?

Bei „Kunst gegen Bares“ werden die Künstler direkt durch ihr Publikum entlohnt. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die Veranstaltungsreihe „Kunst gegen Bares Lüdenscheid“ ging am Freitag, 1. Februar 2018, in den Räumen der Wissenschaftsausstellung Phänomenta in Lüdenscheid in die dritte Runde.

Erneut konnten sich die beiden Veranstalter, die Musiker Nando Andreas und Melina Fuhrmann (HonigMut), über ein volles Haus freuen. „Wir werden inzwischen schon direkt von vielen Künstlern angesprochen, ob sie bei uns mitmachen dürfen, und sind für die nächsten Veranstaltungen schon gut gebucht“, freute sich Melina Fuhrmann. Besonders erfolgreich war diesmal alles, was lustig ist – so bot zum Beispiel der Gewinner des Abends, Simon Slomma, eine hochkomische Mischung aus Comedy und Musikeinlagen.

Die beiden Musiker Nando Andreas und Melina Fuhrmann sind die Veranstalter von "Kunst gegen Bares" in Lüdenscheid. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die beiden Musiker Nando Andreas und Melina Fuhrmann sind die Veranstalter von „Kunst gegen Bares“ in Lüdenscheid. (Foto: Björn Othlinghaus)

Das Konzept der in ganz Deutschland und Teilen Europas erfolgreichen Reihe lohnt sich sowohl für das Publikum, das einen bunten Unterhaltungsmix geboten bekommt, als auch für die Künstler. Auftreten kann jeder, der etwas künstlerisches zu bieten hat, egal, ob es sich um Musik, Comedy, Poetry-Slam, Zauberei, Artistik oder eine ganz andere kreative Sparte handelt. Im Anschluss an alle Darbietungen haben die Zuschauer die Möglichkeit, jenen Künstlern, die ihnen besonders gut gefallen haben, Geld zukommen zu lassen, wobei jeder Teilnehmer ein eigenes Sparschwein erhält. Wer sich nicht entscheiden kann und alle Darbietungen gut fand, füttert das rote Solidaritätsschwein, dessen Inhalt zwischen allen Teilnehmern aufgeteilt wird. Die Künstler brauchen somit nur das Publikum auf ihre Seite ziehen, und ihre Arbeit zahlt sich direkt in barer Münze aus.

Magier Timothy Thomson zauberte das ultimative Weinpaket - mit einer Flasche Bier als Zugabe. (Foto: Björn Othlinghaus)

Magier Timothy Thomson zauberte das ultimative Weinpaket – mit einer Flasche Bier als Zugabe. (Foto: Björn Othlinghaus)

Den Anfang machte an diesem Abend der Poetry-Slammer Jann Wattjes – der im ostfriesischen Esens geborene und nach eigenen Angaben von konservativen Seehunden aufgezogene Wortakrobat las zum einen aus seinem Buch „Lauchentscheidungen“, brachte zum anderen aber auch eine umwerfende, angeblich auf seiner Zugfahrt nach Lüdenscheid geschriebene Geschichte einer ausgeflippt ausufernden „Affengeilen Polonaise“ zu Gehör. Der trockene norddeutsche Humor gefiel den Lüdenscheidern und bescherte Wattjes das am drittbesten gefüllte Schwein. Magier Timothy Thomson war der Lokalmatador an diesem Abend und bescherte dem Publikum eine unterhaltsame Zaubershow. Als Moderator eines Magic-Teleshoping-Senders inszenierte der Lüdenscheider eine unerklärliche Vermehrung von Weinflaschen zu einem unwiderstehlichen Genießer-Weinpaket. Melancholische, poetische Songs mit deutschen Texten sind die Spezialität des Singer-Songwriters enkelson, der im Anschluss zu sehen und zu hören war.

Singer-Songwriter enkelson. (Foto: Björn Othlinghaus)

Singer-Songwriter enkelson. (Foto: Björn Othlinghaus)

Inhaltlich sind das Leben und die Liebe die Hauptthemen des Düsseldorfers, zum Beispiel bei seinem Song „Holzweg“, in dem es um die Erkenntnis geht, beziehungstechnisch den falschen Weg eingeschlagen zu haben. Musikalisch ging es auch nach der Pause weiter mit der Kölner Singer-Songwriterin Cathérine de la Roche. In ihrem Lied „Frei wie du“ ging es zum Beispiel darum, sich gegenseitig in einer Beziehung genügend Freiräume zu lassen. Auch eines ihrer Kinderlieder, „Dschungelfieber“, präsentierte die Musikerin, wobei sie ihr Publikum zum Mitsingen animierte. Im Finale der gut dreistündigen Veranstaltung boten zwei originelle Comedians jede Menge Spaß. Mazi, Standup-Comedian mit iranischen Wurzeln und Preisträger des Night Wash Talent Award 2018, beschäftigte sich mit dem Thema Multi-Kulti sowie seinem Problem, ständig für einen Inder gehalten zu werden, und konnte sich am Ende über das am zweitbesten gefüllte Schwein des Abends freuen. Der letzte Künstler räumte dann jedoch den Jackpot ab und belegte den ersten Platz.

Das Publikum kam auch bei der dritten Veranstaltung von "Kunst gegen Bares" in großer Zahl. (Foto: Björn Othlinghaus)

Das Publikum kam auch bei der dritten Veranstaltung von „Kunst gegen Bares“ in großer Zahl. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die Spezialität des in Remagen geborenen und in Bonn lebenden Musikers und Entertainers Simon Slomma ist eine schräge Mischung aus Musik und Comedy. Da sein 10-köpfiger Gospelchor, bei dem es sich um einen Menschen mit 10 Köpfen handele, heute nicht anwesend sein könne, da er Schnupfen habe, müsse das Publikum ran, so Slomma. Gerne machten auch hier die gut aufgelegten Zuschauer tatkräftig mit. Zudem zeigten sich diese am Ende extrem spendabel, denn insgesamt kamen 740 Euro an Spenden für die Musiker zusammen, der Inhalt des Solidaritätsschweins nicht mitgerechnet. Fans von Kunst gegen Bares können sich bereits den Freitag, 5. April, im Kalender vermerkten, denn dann startet um 20 Uhr Kunst gegen Bares 4.0 in der Phänomenta.

(Foto: Björn Othlinghaus)

Workshop und Konzert mit Equa Two am Freitag, 15. Februar 2019

Sönne Siebenschuh (Gute Stube, sitzend), Christian Gras (Gute Stube), Hauke Löber alias Equa Two (sitzend) und Iris Kannenberg (Mitglied im Eventteam der überkonfessionellen Einrichtung, Öffentlichkeitsarbeit und Social Media). (Foto: Björn Othlinghaus)

Wäre es nicht cool, einmal einen eigenen Song zu schreiben? Oder ein selbst geschriebenes Gedicht in einen Song umzuwandeln?

Einen Text zu einer Melodie zu verfassen, die einem bereits im Kopf herumspukt? Oder bei einem professionellen Musiker nachzufragen, ob der längst geschriebene Song denn nun wirklich gut ist und was daran vielleicht noch verbessert werden könnte? All diese Möglichkeiten bietet Jugendlichen und jungen Erwachsenen ab 13 Jahren ein Workshop, der am Freitag, 15. Februar, ab 16 Uhr in der Guten Stube, Werdohler Straße 11, stattfindet. Hinter dem Angebot, das am Dienstag vor Ort angekündigt und präsentiert wurde, steht der Musiker Equa Two, wobei sich hinter diesem Künstlernamen wiederum der Lüdenscheider Hauke Löber verbirgt. Außerdem werden beim Workshop Matt Hochstein (Schlagzeug)
und Hannes Hüttemann (Gitarre), ebenfalls Profi-Musiker, mit von der
Partie sein. Hauke, Matt und Hannes ist es wichtig, den Workshop, der
etwa zwei Stunden dauern wird, locker, entspannt und ohne jeden Zwang
durchzuführen und sich danach zu richten, was die Teilnehmer
bezüglich Musik und Songwriting interessiert.

Einige der Organisatoren von Workshop und Konzert. (Foto: Björn Othlinghaus)

Einige der Organisatoren von Workshop und Konzert. (Foto: Björn Othlinghaus)

„Einzige Voraussetzung für die Teilnahme ist, dass man offen für Musik ist und Spaß daran hat“, meint Hauke. Musikalische Vorkenntnisse braucht kein Teilnehmer, aber natürlich kann jeder, der bereits Erfahrungen als Musiker gesammelt hat, diese auch zum Wohle aller in
den Workshop einbringen. Obwohl Hauke, Matt und Hannes auch eigene Instrumente beim Workshop zur Verfügung stellen, sind die Teilnehmer eingeladen, das eigene Instrument mitzubringen, wenn denn eines vorhanden ist und dieses ohne Probleme transportiert werden kann. „Dabei würden wir uns ganz besonders über außergewöhnliche Instrumente freuen, da wir zum Beispiel eine Gitarre selbst
dabeihaben werden“, erklärt Hauke. Obwohl der Musikact Equa Two,
der im Anschluss an den Workshop auch noch ab 20.30 Uhr ein
abendfüllendes Konzert in der Guten Stube geben wird, bei dem wenn
möglich und gewünscht auch Workshopergebnisse mit einfließen
können, überwiegend die Genres Hip Hop, Pop und Reggae abdeckt,
richtet sich der Workshop ganz nach den musikalischen Interessen der
Teilnehmer. „Wir sind für alle Musikrichtungen offen“,
versichert Hauke. Über möglichst viele Teilnehmer beim Workshop und
beim Konzert freuen sich unter anderem auch Sönne Siebenschuh und
Christian Gras von der Guten Stube sowie Iris Kannenberg als Mitglied
im Eventteam der überkonfessionellen Einrichtung. Anmeldungen (über
www.gutestube-luedenscheid.de oder www.facebook.de/gutestubeluedenscheid)
sind erwünscht, aber nicht unbedingt notwendig – Interessenten
können gerne auch unangemeldet beim Workshop vorbeischauen. Der
Unkostenbeitrag, der direkt vor Ort gezahlt wird, beträgt 10 Euro,
wobei Knabbereien und Getränke im Preis enthalten sind. Der Eintritt
zum Konzert ab 20.30 Uhr ist frei. Weitere Infos (auch allgemein zur
Guten Stube) unter www.gutestube-luedenscheid.de.