Neueste Artikel

(Foto: Björn Othlinghaus)

Christian und Erkan – Zwei Musiker und ihre Sicht auf die Corona-Krise

Christian und Erkan vom Duo Breddermann berichten über ihre Sicht auf die Corona-Krise. (Foto: Björn Othlinghaus)

Christian Breddermann und Erkan Besirlioglu sind zwei Musiker aus Lüdenscheid und Schalksmühle, die als das Duo Breddermann inzwischen auch über die Region hinaus bekannt sind.

Beide sind von den Folgen des Corona-Virus als selbständige Künstler besonders stark betroffen. Björn sprach mit den beiden Ende März 2020 über ihr Leben in der Krise und ihre Sichtweise darauf.

Christian und Erkan, wobei störe ich euch mit meinem Anruf gerade?

Christian Breddermann: Wir nutzen die Zeit und bringen unser Büro auf Vordermann.

Erkan Besirlioglu und Christian Breddermann im Homeoffice. (Selfie: Duo Breddermann)

Erkan Besirlioglu und Christian Breddermann im Homeoffice. (Selfie: Duo Breddermann)

Wie geht es euch und euren Familien zur Zeit gesundheitlich und mental?

Christian Breddermann: Gesund sind wir beide, aber Erkan muss ein wenig aufpassen, weil er in einem Haushalt mit seiner Mutter lebt, die Risikopatientin ist und eine Organtransplantation hatte. Wir nehmen die Situation beide sehr ernst, aber uns geht es gesundheitlich gut. Rein mental ist es für mich noch in Ordnung, aber dennoch hoffen wir beide, dass sich die Situation schnell beruhigt und wir schnell wieder in geregelte Bahnen kommen.

Als freiberufliche Musiker seid ihr besonders stark von der Krise betroffen. Wie wirkt sich Corona derzeit auf eure Arbeit und euer Leben aus?

Christian Breddermann: Die Leute sagen Aufträge ab und es mangelt uns im Endeffekt natürlich an Geld, aber ich fühle mich von der Politik nicht alleine gelassen, denn es gibt ja die Möglichkeit, jetzt Soforthilfen zu beantragen. Natürlich schreien jetzt viele, dass das Ganze schon letzte Woche hätte passieren müssen, aber man muss Politikern natürlich auch Vorlaufzeit zugestehen, um das vernünftig zu organisieren.

Neben dem Gesang ist Christian Breddermann im Duo für die Percussion zuständig. (Foto: Björn Othlinghaus)

Neben dem Gesang ist Christian Breddermann im Duo für die Percussion zuständig. (Foto: Björn Othlinghaus)

Angefangen hat die Misere bei uns mit der zügigen Absage von größeren öffentlichen Veranstaltungen, danach fielen dann vermehrt auch die kleineren Auftritte flach. Zum Schluss wurden nach und nach auch die Privatfeiern gecancelt, für die wir gebucht waren. Sicher hätten wir in einigen Fällen die Möglichkeit gehabt, mit Konventionalstrafen zu arbeiten, aber andererseits können wir es ja auch nachvollziehen und halten es für richtig, dass die Leute die Veranstaltungen absagen. Und natürlich wollen wir es uns mit den Leuten nicht verderben.

Erkan, du gibst Musikunterricht. Wie sieht es damit aus?

Erkan Besirlioglu: Natürlich würden Schüler, die den persönlichen Kontakt brauchen, eigentlich wegfallen, aber es waren bei mir alle bereit, auf Online-Unterricht umzusteigen. Dadurch kann ich jetzt in dem Bereich sogar besser arbeiten und auch vormittags Termine mit den Kids realisieren, die jetzt ja auch nicht zur Schule gehen. Deshalb bin ich nicht so traurig wie viele andere, aber dennoch denke ich, dass dieser Zustand nicht lange so bleiben kann.

Wenn das Duo Breddermann auf der Bühne steht, ist der Saal in aller Regel gut gefüllt. (Foto: Björn Othlinghaus)

Wenn das Duo Breddermann auf der Bühne steht, ist der Saal in aller Regel gut gefüllt. (Foto: Björn Othlinghaus)

Wir müssen einfach das Beste aus dieser Zeit machen, auf die wir uns ja in keiner Weise vorbereiten konnten.

Arbeitet ihr beiden jetzt eigentlich auch noch an Musik, vielleicht sogar an einem Klopapier-Song, was ja im Moment sehr angesagt ist, oder fällt das komplett flach?

Christian Breddermann: Wir gehen ja nicht so in die Comedy-Schiene, aber wir nutzen die Zeit tatsächlich produktiv. Wir treffen uns öfter mal, schreiben an eigenen Sachen und schauen auch, was man eventuell noch neues covern kann. Natürlich machen wir auch Pläne für die Zukunft und überlegen, wie es weitergehen kann nach Corona. Unsere Treffen haben auch Konzerte und Touren, die wir geplant haben und verschieben müssen, zum Thema.

Apropos Tour: Im Juli wolltet ihr eigentlich eure Borkum-Tour in Angriff nehmen. Steht dieses Vorhaben noch?

Christian Breddermann: Wir lassen unsere Termine generell erstmal bestehen, denn zunächst einmal gelten die Beschränkungen ja erstmal nur bis zum 19. April. Aus diesem Grund gibt es jetzt für uns erstmal keinen Anlass, an eine Tour ranzugehen, die im Juli/August stattfinden soll. Definitiv ausfallen wird allerdings unsere Sylt-Tour, die wir vor Ostern durchführen wollten.

Das Duo Breddermann. (Foto Björn Othlinghaus)

Das Duo Breddermann. (Foto Björn Othlinghaus)

Mit dem Duo „Ich und Du“, also mit Klaus Sonnabend, ist zudem im Juni/Juli eine Tour nach Südtirol, einem Hotspot der Corona-Pandemie, geplant gewesen. Wir haben das noch nicht verschoben oder gecancelt, aber natürlich steht es in den Sternen, wie es da weitergeht.

Christian, du hast im letzten Jahr deinen Beruf bei der Polizei aufgegeben, um Vollzeit als Musiker tätig sein zu können. Sind dir in letzter Zeit Zweifel an dieser Entscheidung gekommen?

Christian Breddermann: Bevor ich den Schritt in die Selbständigkeit wagte, habe ich mir natürlich einige Szenarien ausgemalt. Ich habe schon bestimmte mögliche Durststrecken intensiv durchdacht, aber dass fünf Monate, nachdem ich mich für ein Leben als Musiker entschieden habe, eine Pandemie ausbricht, gehörte nicht zu den möglichen Szenarien. Inzwischen gab es tatsächlich Kollegen, die mich gefragt haben, ob ich jetzt zurückkommen möchte.

Oft treten Breddermann auch mit Gastmusikern auf, hier mit Sängerin Marleen Türk. (Foto: Björn Othlinghaus)

Oft treten Breddermann auch mit Gastmusikern auf, hier mit Sängerin Marleen Türk. (Foto: Björn Othlinghaus)

Aber nein, das ist noch nicht geplant. Dafür müsste jetzt wirklich die nächsten zwei Jahre gar nichts mehr gehen.

Stehst du noch mit deinen ehemaligen Polizeikollegen in Kontakt und kannst ein wenig dazu sagen, wie sich die Krise für sie derzeit darstellt?

Christian Breddermann: Ich stehe noch mit einigen in Kontakt. Die nehmen die Sache sehr ernst und müssen schauen, wie sie sich selbst organisieren, um nach Möglichkeit nicht zum Überträger zu werden. Es gibt jetzt zahlreiche neue Aufgabengebiete, die anfallen. Ich kann mir tatsächlich angenehmeres vorstellen, als sich bei einem Versammlungsverbot als Polizeibeamter in eine Gruppe zu begeben, um für deren Auflösung zu sorgen. Da werden die Beamten oft zur Zielscheibe.

Vielen Dank euch beiden für das ausführliche Interview!

(Foto: Max Mesch, Studio Steve)

Crowdfunding mit HonigMut – Musik-Duo sammelt für neue EP „Gelebt“

Nando Andreas und Melina Fuhrmann alias HonigMut stehen für deutschsprachigen Pop vom Feinsten. (Foto: Max Mesch, Studio Steve)

Das Lüdenscheider Musikduo HonigMut, bestehend aus Sängerin Melina Fuhrmann sowie Gitarrist und Sänger Nando Andreas, ist seit seiner Gründung im August 2015 bis weit über die Grenzen seiner Heimatstadt hinaus bekannt.

Die eingängigen Popsongs der beiden in deutscher Sprache haben auf besondere und individuelle Weise die Liebe und das Leben zum Thema. Zwei Tage, bevor die Corona-Pandemie in nicht vorauszusehendem Ausmaß über die Nation hereinbrach und das Leben für alle zur Ausnahmesituation wurde, brachten die beiden Künstler auf Startnext unter www.startnext.com/honigmut2020 ihr zweites Crowdfunding-Projekt auf den Weg.

HonigMut bei einem Konzert in der Lüdenscheider Schützenhalle zugunsten der Lebenshilfe Wigginghausen im Jahr 2017. (Foto: Björn Othlinghaus)

HonigMut bei einem Konzert in der Lüdenscheider Schützenhalle zugunsten der Lebenshilfe Wigginghausen im Jahr 2017. (Foto: Björn Othlinghaus)

Finanziert werden soll damit die Produktion ihrer zweiten EP „Gelebt“, nachdem bereits das erste, ebenfalls durch Crowdfunding realisierte HonigMut-Album „Gefühlt“ vor drei Jahren zu einem veritablen Erfolg geworden war. Nun befürchten Melina und Nando, dass sich die derzeitige, für alle Menschen desaströse Lage auch negativ auf ihr Crowdfunding-Projekt auswirken könnte, obwohl die Kampagne, die am 11. März 2020 startete, bisher durchaus auf großen Zuspruch und Spendenbereitschaft stieß.

HonigMut bei einem Auftritt im Park der Humboldt-Villa in Lüdenscheid im Jahr 2018. (Foto: Björn Othlinghaus)

HonigMut bei einem Auftritt im Park der Humboldt-Villa in Lüdenscheid im Jahr 2018. (Foto: Björn Othlinghaus)

„Aufgrund der aktuellen Lage hat uns Startnext die Möglichkeit gegeben, die Laufzeit unseres Projektes zu verlängern“, erklärt Melina Fuhrmann. Somit haben die beiden nun größere Chancen, ihr Ziel von 10.000 Euro, die die Produktion, die Pressung, die Herstellung von Videos sowie das Marketing verschlingen wird, bis Juni dieses Jahres zu erreichen. Insgesamt wird das Duo auf seiner neuen EP mindestens sechs neue Songs veröffentlichen, wobei das Lied „Ich lebe jetzt“, das auf dem Werk enthalten sein wird, bereits als Singleauskopplung Ende 2018 gemeinsam mit einem Video erschienen ist. Die Künstler kann man, wie beim Crowdfunding üblich, auf ganz unterschiedliche Weise bei ihrem Projekt unterstützen. Zum einen ist es möglich, einen freien Betrag zu spenden, zum anderen können aber auch attraktive Dankeschöns zu unterschiedlichen Konditionen erworben werden.

Für jeden Geldbeutel ist hier das Richtige dabei, angefangen bei handsignierten Ausgaben der beiden EP’s „Gefühlt“ und „Gelebt“, hochwertigen Lyric-Prints oder einem HonigMut-Turnbeutel für je 20 Euro über T-Shirts zu je 25 Euro oder Hoodies für 45 Euro bis hin zum Wohnzimmerkonzert für 550 Euro oder gar dem großen Sponsoring-Paket für 1500 Euro, das unter anderem ein Wohnzimmer- oder Gartenkonzert sowie die beiden signierten EP’s und einen lebenslangen Gästelistenplatz auf allen HonigMut-Konzerten enthält.

HonigMut. (Foto: Max Mesch, Studio Steve)

HonigMut. (Foto: Max Mesch, Studio Steve)

Zusätzlich zu dem guten Gefühl, vielversprechende Künstler aus dem Märkischen Kreis zu unterstützen hat man also die Möglichkeit, sich auch selbst etwas Gutes zu tun. Ursprünglich hatten HonigMut für die Osterzeit einiges geplant, um ihr Crowdfunding-Projekt zu bewerben und auf sich aufmerksam zu machen, unter anderem eine Wohnzimmer-Konzert-Tour. Natürlich wird daraus aufgrund der Corona-Krise zunächst einmal nichts, aber nachholen wollen die beiden diese Tour auf jeden Fall. „Sobald der Nachholtermin feststeht, werden wir ihn sofort bekannt geben“, verspricht Melina Fuhrmann. Unterdessen haben alle Interessenten auch die Möglichkeit, Wohnzimmerkonzerte über die Crowdfunding-Plattform Startnext bei einer Unterstützung von 550 Euro als Dankeschön zu buchen. Trotz der Einschränkungen durch die Corona-Krise haben die beiden derzeit viele Ideen, die sie umsetzen möchten, um bei ihren Fans in schweren Zeiten im Gedächtnis zu bleiben und möglicherweise sogar neue Anhänger zu gewinnen. So entschieden sich HonigMut zum Beispiel, kleine, spontane Straßenkonzerte in Wohnsiedlungen zu geben, die die Menschen auf ihre Balkone und an ihre Fenster locken.


„Das ist so ein cooles Gefühl und Erlebnis für uns, den Menschen nun auf diese ungewöhnliche Weise unsere Musik näherbringen zu können“, freuen sich Melina und Nando, die inzwischen in Lüdenscheid unter anderem „Am Schäferland“ und „Am Willigloh“ mit ihren kleinen Open-Air-Auftritten auf viel Zuspruch bei den Menschen gestoßen sind. Die Corona-Pandemie und die dazugehörige Verbannung vieler Bürger in die eigenen vier Wände nehmen die beiden Musiker als Chance, kreativ zu sein. „In dieser aktuellen Situation bekommen wir immer wieder neue Ideen, die wir erweitern und umsetzen möchten“, meint Nando Andreas. Gerade in der derzeitigen Situation, in der die Kultur in nahezu vollem Umfang zum Stillstand kommt, darf man sich darauf freuen, was kreative Köpfe wie Melina und Nando von HonigMut in den nächsten Monaten auf den Weg bringen werden. Die Unterstützung von Künstlern fällt gerade jetzt auf besonders fruchtbaren Boden und kann dazu beitragen, dass nach der Corona-Krise die Kultur farbiger und kreativer als zuvor ihre Auferstehung feiert. Eine Beteiligung an Crowdfunding-Projekten wie dem von Melina und Nando leistet dazu einen willkommenen Beitrag.

(Foto: Björn Othlinghaus)

Interview mit dem Norder Krimiautor Klaus-Peter Wolf

So sehen Sieger aus: Klaus-Peter Wolf und Bettina Göschl im Jahr 2018 bei ihrer Mord-am-Hellweg-Lesung in Lüdenscheid. (Foto: Björn Othlinghaus)

Es gibt viele Regionalkrimiautoren, aber Klaus-Peter Wolf ist ein Phänomen! Insgesamt verkaufte der in Gelsenkirchen geborene und in Norden lebende Schriftsteller bis heute 13 Millionen Bücher und ist damit einer der erfolgreichsten Autoren Deutschlands.

Seiner Wahlheimat Norden-Norddeich bescherte er eine Touristenschwemme und Beliebtheit ungeahnten Ausmaßes, und jene real existierenden Personen, die es als Charaktere in seine Bücher geschafft haben, sind an der Küste inzwischen selbst zu Promis geworden. Anlässlich des Erscheinens seines neuen Romans „Ostfriesenhölle“ führte Björn ein ausführliches Interview mit dem Erfolgsautoren, dessen vierte Verfilmung eines seiner Ostfriesen-Krimis („Ostfriesengrab“) gerade erfolgreich im ZDF zu sehen war. Hierbei verrät der Autor unter anderem einiges über seinen neuen Roman, seine Sicht auf die Verfilmungen, ob auch Serienkiller Dr. Bernhard Sommerfeldt bald im Fernsehen zu sehen sein wird und welche Parallelen es zu seinem vor 10 Jahren erschienenen Virus-Thriller „Todesbrut“ und der aktuellen Corona-Problematik gibt.

Mit „Ostfriesenhölle“ belegte bereits zum 10. Mal in Folge ein Buch von dir aus dem Stand Platz eins der Spiegel online Bestsellerliste für Taschenbücher! Wie erklärst du dir den unglaublichen Erfolg deiner Ostfriesenkrimis?

Klaus-Peter Wolf: Mein Erfolg ist ganz klar von Leserinnen und Lesern gemacht worden. Die deutsche Literaturkritik hat daran leider keinen Anteil, sondern begeisterte Leser haben ihren Freunden und Freundinnen von den Büchern erzählt.

Erst, wenn alle Fans sämtliche mitgebrachten Utensilien signiert bekommen haben und alle Selfies gemacht sind, packen Klaus-Peter Wolf und Bettina Göschl die Kugelschreiber ein. (Foto: Björn Othlinghaus)

Erst, wenn alle Fans sämtliche mitgebrachten Utensilien signiert bekommen haben und alle Selfies gemacht sind, packen Klaus-Peter Wolf und Bettina Göschl die Kugelschreiber ein. (Foto: Björn Othlinghaus)

So ist mein Erfolg langsam gewachsen. Dann habe ich endlose Lesereisen zu meinem Publikum gemacht, manchmal in kleine Bibliotheken oder Buchhandlungen. Zu Beginn saßen dort sieben, manchmal zehn, wenn es toll lief, zwanzig Gäste. Inzwischen sind meine literarisch-musikalischen Krimiabende in Stadthallen, Theatern und Kirchen mit ein paar hundert Gästen pro Abend meist Wochen vorher ausverkauft. Manchmal kann ich das Glück kaum fassen.

Im Mittelpunkt von „Ostfriesenhölle“ stehen zwei YouTube-Stars. Obwohl du selbst sehr Internet-affin und vor allem auf Facebook und auf Instagram aktiv bist, machst du dich auf YouTube eher rar. Wie kommt das?

Klaus-Peter Wolf: Es gibt natürlich ein paar Sachen von mir auf Youtube, zum Beispiel Talkshowauftritte bei „3nach9“ oder so. Ich selbst bin meist nur in meine Geschichten versunken, recherchiere, schreibe oder bin auf langen Lesereisen.

Hast du für „Ostfriesenhölle“ auch in der YouTube-Szene recherchiert oder einen „Informanten“ gehabt, der dir Hintergrundinfos geben konnte?

Klaus-Peter Wolf: Na klar. Ich bekomme viel mehr Informationen, als ich verwenden kann, auch von Polizei, Justiz, praktisch aus allen Bereichen der Gesellschaft. Leserinnen und Leser schreiben mir, berichten von ihren Erfahrungen, laden mich ein. Mir steht sehr viel Wissen von Freunden meiner Kriminalromane zur Verfügung. Ständig bekomme ich auch Angebote: „Guck dir mal den Ort an, das wäre toll für eine Leiche.“ – „Wenn du wüsstest, was bei uns im Büro los ist, so entsteht Mobbing, so entstehen Mordgedanken. Willst du nicht mal vorbeikommen?“

In deinen Romanen spielen oft real existierende Personen mit. Suchst du dir diese Menschen immer selbst aus und fragst dann nach, ob sie damit einverstanden sind, dass sie im Roman auftauchen, oder kommen inzwischen auch Personen auf dich zu, die dich darum bitten, mitspielen zu dürfen? Und wenn ja, erhörst du solche Bitten manchmal?

Klaus-Peter Wolf: Ja, ganz zu Beginn, als ich ein großes Gesellschaftspanorama schreiben wollte, habe ich mir überlegt, so viele real existierende Personen wie möglich in den Roman aufzunehmen. Ich mag Literatur nicht mit solch leblosen Pappkameraden. Ich wollte richtige Menschen in meine Bücher holen und die gibt es ja. Zum Beispiel den Maurermeister Peter Grendel (ein Nachbar von mir), den Journalisten Holger Bloem, mit dem ich seit Jahrzehnten befreundet bin, den Konditormeister Jörg Tapper und seine Frau Monika Tapper, die gemeinsam das Café ten Cate betreiben, einen wichtigen Handlungsort meiner Bücher. Ich weiß, wie diese Menschen reden, wie sie denken, wie sie sich verhalten.

Plätze, die frei bleiben, gibt es bei Lesungen von Klaus-Peter Wolf selten. (Foto: Björn Othlinghaus)

Plätze, die frei bleiben, gibt es bei Lesungen von Klaus-Peter Wolf selten. (Foto: Björn Othlinghaus)

Ich projiziere dann dieses Wissen in fiktive Situationen. Ich fiktionalisiere sozusagen ihre Person in meinem Werk. Die Sängerin Bettina Göschl, im Roman eine Nachbarin von Ann Kathrin Klassen, ist ja meine Ehefrau, die kenne ich auch recht gut. Diese Menschen sind in Ostfriesland sehr berühmt geworden, oder kennst du viele Maurer, die Autogramme geben? Neulich sah ich noch, wie Jörg Tapper für Touristen Brötchentüten signieren musste. Das Café ist ja geradezu ein Wallfahrtsort für Fans geworden. Natürlich wollen viele jetzt auch in die Bücher hinein und täglich bekomme ich solche Angebote. Manchmal passt es, aber das hat immer mit dem Stoff und der Geschichte zu tun. Das Wichtigste ist immer die Geschichte, die ich erzählen will. Dann schaue ich, was ich vom Außen dazu verwenden kann.

Vor kurzem lief mit „Ostfriesengrab“ die vierte Verfilmung deiner Ostfriesenkrimis im Fernsehen, einmal mehr mit einer hohen Sehbeteiligung von 5,89 Millionen Zuschauern. Es handelte sich dabei um die erste Verfilmung mit Julia Jentsch als Kommissarin Ann Kathrin Klaasen. Nach meinem Empfinden entsprach sie noch direkter der Ann-Kathrin, wie ich sie mir vorstelle, als ihre Vorgängerin Christiane Paul. Wie siehst du das?

Klaus-Peter Wolf: Ich hatte von Anfang an fünf Schauspielerinnen auf meiner Liste, von denen ich mir vorstellen konnte, dass sie Ann Kathrin Klaasen spielen können. Meine Wunschkandidatinnen. Eine davon war Christiane Paul, die uns einen wunderbaren Start ermöglicht hat, eine andere war Julia Jentsch. Ich hatte sie in der Rolle der Sophie Scholl gesehen und war und bin begeistert von ihr. Da die Figur der Ann Kathrin Klaasen sehr facettenreich ist, sie Abgründe hat, lockt dies natürlich Schauspielerinnen auch, die Rolle dementsprechend zu gestalten. Julia Jentsch versucht gar nicht, sich bewusst abzugrenzen und etwas ganz anderes zu tun. Sie spielt nur die Seiten der Figur heraus, die für sie wichtig sind. Ich finde, sie macht das großartig.

Noch mehr als die vorangegangenen Verfilmungen unterschied sich „Ostfriesengrab“ vom Buch, was in einigen Besprechungen und auch von Zuschauern kritisiert wurde. Ist dir bei den Adaptionen deiner Bücher wohler, wenn sich die Filmemacher eng an der Romanhandlung orientieren, oder findest du es spannender, wenn sie ihren kreativen Spielraum voll ausnutzen?

Klaus-Peter Wolf: Ich inspiriere mit meinen Romanen andere Künstler. So sehe ich das. Nicht nur Drehbuchautoren, Schauspieler, Regisseure, sondern auch Szenenbildner, Ausstatter usw. Jeden Regisseur – wir arbeiten ja immer wieder mit neuen Regisseuren – führe ich vorher durch „mein Ostfriesland“, zeige ihm meine Orte, bringe ihn mit den real existierenden Personen zusammen. Ich will, dass sie „mein Ostfriesland“ begreifen, bevor sie ihre eigene Vision davon auf die Leinwand bringen.

Ohne rote Hosenträger geht der Norder Autor selten vor die Tür. (Foto: Wolfgang Weßling)

Ohne rote Hosenträger geht der Norder Autor selten vor die Tür. (Foto: Wolfgang Weßling)

Je näher sie sich an die Romane halten, umso besser gefällt es natürlich der wirklich großen Leserschaft. Manchmal weichen Filme vom Roman ab, das hat auch damit zu tun, dass Film ein ganz eigenes Kunstwerk ist. Nur um ein Beispiel zu bringen: Der Roman hat 400 Seiten, das Drehbuch 92. Da müssen ganze Handlungsstränge wegfallen oder Dinge verkürzt werden. Das geht gar nicht anders. Ich glaube auch, dass ein Roman, den man einfach Seite für Seite abfilmen würde, als Film eine Katstrophe wäre, ja, unzumutbar. Wer seinen eigenen Film im Kopf haben will, kann ja die Hörbücher hören, ich lese sie selbst ein. Es gibt ungekürzte Fassungen, bei „Ostfriesenhölle“ sind das zum Beispiel 16 Stunden auf zwei MP3s.

Mir gefallen die drei Romane um Dr. Bernhard Sommerfeldt sehr und ich war ehrlich gesagt ein bisschen traurig, dass die Reihe nach dem dritten Band endgültig abgeschlossen sein soll. Du hast aber immerhin erwähnt, dass Sommerfeldt in den Ostfriesenkrimis als Nebenfigur auftreten soll. Kannst du schon einen Hinweis geben, wann es ein Wiedersehen mit ihm geben wird?

Klaus-Peter Wolf: Ja, Dr. Sommerfeldt ist eine wunderbare Figur, die auch viele Fans fasziniert. Als ich die Trilogie beendet hatte, sind einige richtig wütend geworden und haben mir geschrieben: „Das kann doch nicht sein, es muss doch weitergehen!“ Nun, im Moment sitzt Sommerfeldt in Lingen im Knast. Aber ich kenne ihn gut. Er wird wieder freikommen, soviel kann ich versprechen. Einer wie der sitzt nie besonders lange. Im 15. Band der Ostfriesenkrimireihe – der Roman wird „Ostfriesenzorn“ heißen – spielt Sommerfeldt wieder so richtig mit. Allerdings ist seine Trilogie, sprich Bücher, die ganz aus seiner Perspektive geschrieben sind, beendet. Viele Fans schreiben ja so witzige Sachen wie: „Wann erscheint denn endlich Band 4 der Trilogie?“ Nun, ganz so wird es nicht werden. Aber ich arbeite gerade mit großer Freude an „Ostfriesenzorn“ und habe gestern noch einen Sommerfeldt-Auftritt erzählt.

Wie du vor einiger Zeit mal erwähnt hast, hat sich die Produktionsfirma „Schiwago Film“ bereits die Rechte für die Verfilmung der Sommerfeldt-Romane gesichert, ist aber noch auf der Suche nach Partnern. Gibt es in dieser Hinsicht inzwischen etwas Neues und können sich Fans vielleicht sogar schon konkret auf eine Verfilmung der Werke freuen?

Klaus-Peter Wolf: Ja, meine Freunde von der Schiwago-Filmproduktion, Martin Lehwald und Simon Grohe, sind ebenfalls von Sommerfeldt fasziniert und prüfen, welche Möglichkeiten es gibt, die Trilogie zu verfilmen. Das ist natürlich immer ein langwieriger Prozess. Es müssen Sender gefunden werden, die nicht nur Sendeplätze, sondern auch genügend Geld zur Verfügung stellen, Schauspieler usw. Hier sind wir mitten im spannenden Prozess.

Gäbe es für dich eine Traum-Besetzung für Sommerfeldt und wer könnte das sein? Die Fans haben ja mal bei Facebook ein paar Vorschläge gemacht.

Klaus-Peter Wolf: Da bin ich noch ganz offen. Ich finde es schön, dass die Fans das schon diskutieren, ich selber halte mich aber da raus. Ich würde ja einen Schauspieler beschädigen, wenn ich den jetzt nenne und der wird es danach nicht. Auch meine Liste der fünf Schauspielerinnen, die ich mir als Ann Kathrin Klaasen vorstellen konnte, habe ich immer unter Verschluss gehalten. Lediglich meine Frau und mein Filmproduzent kannten die Namen.

Du schreibst gemeinsam mit deiner Frau Bettina Göschl die Jugendbuchreihe „Nordseedetektive“. Könntet ihr euch vorstellen, auch mal ein ganz anderes Buchprojekt zusammen zu schreiben, einen Thriller, einen Krimi oder etwas völlig anderes?

Klaus-Peter Wolf: Es ist ein großer Spaß, mit Bettina zusammen zu schreiben. Solche Bücher sind ja ohnehin recht dialogisch. Bettina übernimmt dann zum Beispiel die Patenschaft für Emma und ich für Lukas und so werden die Dialoge immer spitzer. Die gemeinsame Arbeit ist ein großes Vergnügen, ja, wie ein Tanz. Ob wir auch zusammen auch etwas völlig anderes schreiben könnten, weiß ich nicht. Darüber haben wir noch gar nicht nachgedacht.

Einfach nur etwas vorlesen ist Wolfs Sache nicht. Gerne singt er auf Lesungen auch mal ein Lied zusammen mit seiner Frau Bettina Göschl. (Foto: Björn Othlinghaus)

Einfach nur etwas vorlesen ist Wolfs Sache nicht. Gerne singt er auf Lesungen auch mal ein Lied zusammen mit seiner Frau Bettina Göschl. (Foto: Björn Othlinghaus)

Im Moment nimmt uns gerade der 8. Band der „Nordseedetektive“ voll in Anspruch. Besonders freut mich übrigens, dass die Reihe auch ins Chinesische übersetzt wurde und sowohl in der Volksrepublik als auch in Taiwan erschienen ist. Dort wird die Reihe sehr gut angenommen. Es freut mich auch sehr, dass Bettinas Stimme jeweils im Vorspann der Ostfriesenkrimis auftaucht. Sie summt sozusagen die Titelmelodie.

Im Sommer erscheint bereits dein nächstes Buch „Rupert Undercover – Ostfriesische Mission“, bei dem deine beliebte Kult-Figur Rupert seinen ersten eigenen Fall bekommt. Wird die Geschichte da eher in Richtung Krimi gehen oder dominieren die komödiantischen Elemente?

Klaus-Peter Wolf: Viele Fans haben sich gewünscht, dass Rupert endlich ein eigenes Buch bekommen soll und jetzt ist es soweit. Rupert hat ja immer wieder versucht, beim BKA anzufangen, die haben ihn nie genommen (die hatten auch gute Gründe). Aber jetzt ist eine Situation entstanden, in der sie ihn dringend brauchen. Sie haben einen Gangsterboss verhaftet, der ein Riesen-Drogengeschäft in Europa durchziehen soll und der sieht Rupert zum Verwechseln ähnlich. Also schickt das BKA Rupert ins Rennen, installiert ihn ganz oben an der Spitze der Verbrecherorganisation, um den ganzen Laden von dort aus aufzurollen und in den Griff zu kriegen. Alle sind sich einig, dass es keinen Schlechteren für diese Mission gibt als Rupert, aber es gibt auch keinen anderen, der genauso aussieht … Natürlich sorgt Rupert für viel Freude, manchmal auch Schadenfreude, aber es ist ein hochspannender Roman. Ein richtiger „Wolf“ mit wirklich witzigen Elementen. Aber die gibt es ja auch in den Ostfriesenkrimis.

Vor 10 Jahren brachtest du den Roman „Todesbrut“ heraus, in dem es um ein tödliches Virus geht. Angesichts des Corona-Virus und zahlreicher Ereignisse dazu ist dieses Buch heute erschreckend aktuell.

Klaus-Peter Wolf: Ich war selber ganz erschrocken. Als ich „Todesbrut“ schrieb, habe ich natürlich lange vorher recherchiert, mit Fachleuten gesprochen, die Pläne der WHO analysiert und vor Ort mit vielen Behördenvertretern geredet, die hinterher die Pläne umsetzen müssen. Das erste, was mir auffiel, war, dass einige davon überhaupt keine Ahnung hatten, ja, nicht mal von ihrer Zuständigkeit wussten. Im Zweifelsfalle muss das örtliche Gesundheitsamt mit der Sache klarkommen, was natürlich eine vollkommene Überforderung ist. Politiker wälzen hier lediglich die Verantwortung auf untere Chargen ab. In meinem Roman bricht das Virus in Emden aus und eine Fähre, die von Emden nach Borkum losgefahren ist, lässt man in Borkum nicht an Land. Die Passagiere wollen aber auch nicht nach Emden zurück, weil sie nicht in ein „verseuchtes Gebiet“ hineinlaufen wollen. Emden wird dann von der Bundeswehr abgeriegelt. Diese Pläne existieren alle.

Mit seinem Thriller "Todesbrut" nahm Klaus-Peter Wolf bereits vor 10 Jahren Dinge vorweg, die heute im Zeichen der Ausbreitung des Corona-Virus' Realität geworden sind.

Mit seinem Thriller „Todesbrut“ nahm Klaus-Peter Wolf bereits vor 10 Jahren Dinge vorweg, die heute im Zeichen der Ausbreitung des Corona-Virus‘ Realität geworden sind.

Im Zweifelsfalle wird es so werden und die örtlichen Behörden müssen dann sehen, wie sie mit der Sache klarkommen. Nachdem ich das alles gelesen und meine Interviews geführt hatte, war mir klar: so geht das nicht. Hier werden lediglich Zuständigkeiten verschoben. Wenn ich das Herumgeeiere jetzt sehe, wird mir schlecht. Gerade die Politiker, die immer von „Europa“ reden und schon eine gemeinsame Währung eingeführt haben, sind jetzt nicht in der Lage, eine europäische Lösung herbeizuführen, sondern stattdessen sollen vor Ort die Gesundheitsämter entscheiden? Während wir dieses Interview führen, wurde die Buchmesse in Frankreich schon abgesagt. In Leipzig sieht es aber noch so aus, als würde es eine Buchmesse geben (Anmerkung: Auch die Leipziger Buchmesse wurde inzwischen abgesagt). Soll dort jetzt das örtliche Gesundheitsamt entscheiden, ob Verlage aus der ganze Welt kommen und ein paar hunderttausend Menschen? Im meinem Roman „Todesbrut“ erzähle ich davon, wie Menschen etwas Gutes wollen und damit etwas Schreckliches heraufbeschwören. Es geht bei mir gar nicht so sehr um das Virus, sondern es geht um menschliches Verhalten. Das ist es, was mich als Autor am meisten interessiert. Je größer eine Gefahr wird, umso monströser sind die Auswirkungen menschlichen Versagens.

Klaus-Peter, vielen Dank für dieses ausführliche und detaillierte Interview.

(Foto: Wolfgang Weßling)

Neuer Wolf-Krimi „Ostfriesenhölle“ – Zum 10. Mal in Folge Nummer Eins!

Klaus-Peter Wolf hat einen neuen Bestseller auf den Markt gebracht. (Foto: Wolfgang Weßling)

Für Bestsellerautor Klaus-Peter Wolf jagt ein Rekord den nächsten.

Der in Gelsenkirchen geborene und in der ostfriesischen Stadt Norden lebende Schriftsteller gehört nicht nur mit inzwischen 13 Millionen verkauften Exemplaren zu den meist gelesenen Autoren in deutscher Sprache, sondern sprang mit seinem jüngst erschienenen Kriminalroman „Ostfriesenhölle“ bereits zum 10. Mal in Folge mit einem seiner Werke von Null auf Platz 1 in die Spiegel online Bestsellerliste für Taschenbücher. Autoren, die Kriminalromane mit lokalem Bezug schreiben, gibt es viele, doch kaum einer verfügt über eine so große und treue Leserschaft wie Wolf oder ist in der Lage, real existierende Personen, die in seinen Romanen mitspielen, zu echten Promis auch über die Grenzen Ostfriesland hinaus zu machen. Handlungsorte von Wolfs Romanen wie das Norder Café ten Cate, das Restaurant Smutje, Gittis Grill oder das Polizeikommissariat in Norden werden zu Wallfahrtsorten für die Leserinnen und Leser, die sich nicht selten bei Erscheinen eines neuen Wolf-Romans ein oder zwei Tage Urlaub nehmen, um das Werk an einem Stück durchlesen zu können.

Klaus-Peter Wolf und seine Ehefrau Bettina Göschl: Ein starkes Team. (Foto: Björn Othlinghaus)

Klaus-Peter Wolf und seine Ehefrau Bettina Göschl: Ein starkes Team. (Foto: Björn Othlinghaus)

Auch der 14. Roman mit seiner Heldin, der Kommissarin Ann Kathrin Klaasen, verspricht Spannung pur. In „Ostfriesenhölle“ ermittelt die Kriminalbeamtin aus Norden in der YouTube-Szene: Bei einem Fahrradausflug auf Langeoog wird der junge Cosmo Schnell plötzlich ohnmächtig und stirbt kurz darauf in den Armen seiner Mutter. Sabine Schnell ist davon überzeugt, dass der beste Freund ihres Sohnes dafür verantwortlich ist. Beide waren YouTube-Stars, hingen ständig zusammen. Kurzerhand entführt sie den Jungen. Eine groß angelegte Suche startet, die Insel wird bis in die letzten Winkel durchsucht. Dann findet man eine Frauenleiche, und Ann Kathrin Klaasen steht vor der Frage: Sucht die Polizei eigentlich einen jugendlichen Täter oder einen verzweifelten jungen Mann?

Eine Spezialität von Autor Klaus-Peter Wolf sind seine ausgiebigen Lesetouren, bei denen pro Termin meist mehrere hundert Fans kommen und die dementsprechend meist schnell ausverkauft sind. Oft beginnen Wolf und seine Ehefrau, die Musikerin und Kinderbuchautorin Bettina Göschl, schon eine Stunde vor Beginn der Lesung mit dem Signieren von mitgebrachten oder vor Ort erstandenen Büchern, Hörbüchern und Autogrammkarten und sind darüber hinaus auch immer wieder gerne für ein Foto mit ihren Fans zu haben. Eine der Lesungen von Klaus-Peter Wolf findet am Donnerstag, 26. März 2020, in der Rohrmeisterei in Schwerte (Tel.: 0 23 04 / 2 01 30 01), Halle 3, Ruhrstraße 20, statt, los geht es um 19.30 Uhr. Tickets sind noch in der Rohrmeisterei sowie in der Ruhrtal Buchhandlung Schwerte (Tel.: 0 23 04 /1 80 40) erhältlich. Als separaten Beitrag findet Ihr hier auf www.worteffekte.de noch ein umfangreiches, exklusives Interview mit Autor Klaus-Peter Wolf! Schaut‘ mal rein!

(Foto: Björn Othlinghaus)

Un-Ruheständler laden zum Tanz – Projekt der Ballettschule Klüttermann

Viel Zuspruch erhielt das Tanzprojekt für Un-Ruheständler ab 60 Jahren. (Foto: Björn Othlinghaus)

„Mich interessiert nicht, wie Menschen sich bewegen, sondern was sie bewegt.“ Pina Bausch, Tänzerin und Choreografin.

Die „Un-Ruheständler“ nennt sich ein ungewöhnliches Tanzprojekt, das die Ballettschule Klüttermann in Lüdenscheid derzeit in Zusammenarbeit mit dem Kulturhaus entwickelt. Seit September 2019 kommt eine Gruppe älterer Menschen ab 60 Jahren einmal im Monat in der Ballettschule Klüttermann oder im Kulturhaus zusammen, um unter der Leitung von Manuela Klüttermann für ein Tanztheaterstück zu proben, das am 14. August 2020 zur Spielzeiteröffnung im Kulturhaus präsentiert werden soll. „Tanzgeschichte(n)“, so der Titel des Stückes, wird kein reines Tanzstück sein, sondern neben getanzten Passagen auch Dialoge enthalten, wobei alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf unterschiedliche Weise eben auch ihre eigenen Geschichten einbringen können, die sich um den Tanz drehen.

Auch ältere Menschen jenseits der 60 können und wollen sich kreativ tänzerisch ausdrücken. (Foto: Björn Othlinghaus)

Auch ältere Menschen jenseits der 60 können und wollen sich kreativ tänzerisch ausdrücken. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die Idee zu dieser Produktion hatten Manuela Klüttermann und die Leiterin und Intendantin des Kulturhauses, Rebecca Egeling, die ebenfalls ausgebildete Tänzerin ist, bei dem Besuch des ähnlich gearteten Tanzprojektes „SenTanDo“ im Opernhaus Dortmund. Insgesamt 35 ältere Menschen nehmen nun an dem Lüdenscheider Projekt teil, für das zwar keine Vorkenntnisse im Bereich Tanz erwartet wurden, jedoch eine gewisse Affinität zum Tanz von den Teilnehmern gewünscht war. „Die Aufführung wird aus drei Teilen bestehen, wobei ein Teil eben jenes Tanztheaterstück sein wird, an dem wir derzeit arbeiten“, erklärte Manuela Klüttermann am Samstag bei der Probe in der Ballettschule Klüttermann. Ferner werden am 14. August ein Profi-Tanzpaar sowie verschiedene Gruppen aus der Ballettschule mit zusätzlichen Darbietungen zu sehen sein. Die Tanzgeschichte(n) der Un-Ruheständler stehen jedoch im Mittelpunkt der Veranstaltung. Alle Mitwirkenden haben sich im August 2019 auf einen entsprechenden Zeitungsaufruf gemeldet. Dabei ist Charlotte Breyer mit ihren 83 Jahren die älteste Tänzerin im Ensemble. „Zu der Teilnahme hat mich meine Freundin Gaby Prehl überredet, die ich bereits seit 40 Jahren kenne“, erklärt Charlotte Breyer. Vorkenntnisse hat sie nicht, außer, dass sie als Jugendliche, wie damals bei den meisten jungen Menschen üblich, einen Tanzkursus besucht hat. „Das war natürlich Paartanz und eine ganz andere Form des Tanzes, als die, die wir nun als Gruppe praktizieren“, betont die Seniorin, die auch mit über 80 Jahren noch immer großen Spaß an der Bewegung hat.

Auch der Spaß kommt bei dem gemeinsamen Tanzprojekt nicht zu kurz. (Foto: Björn Othlinghaus)

Auch der Spaß kommt bei dem gemeinsamen Tanzprojekt nicht zu kurz. (Foto: Björn Othlinghaus)

Petra Dinkhoff war dagegen Lehrerin am Zeppelin-Gymnasium, hat Vorschul-Tanzerziehung gemacht und ist zudem Bewegungstherapeutin. „Ich habe mich sehr auf das Projekt gefreut, aber als ich bereits mit dabei war, musste ich mich einer Hüftoperation unterziehen“, bedauert Petra Dinkhoff, die sich derzeit nur mit Krücken und Rollator fortbewegen kann. „Dennoch möchte mich Manuela Klüttermann in das Projekt einbinden, an dem sich ja ausdrücklich auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen beteiligen sollen“, meint die pensionierte Lehrerin. Gundel Schulte, die Sportlehrerin am Geschwister-Scholl-Gymnasium gewesen ist, kam dagegen mit ihrem Freund Axel Schiermeyer zum Ü60-Tanzprojekt. „Obwohl wir beide gerne gemeinsam tanzen, ist diese Form des Tanzes natürlich für uns etwas ganz neues“, meint Gundel Schulte. Im Gegensatz zur Gymnastik, die sie natürlich im Rahmen ihres Berufes auch viel praktiziert habe, komme beim Tanztheater ja noch ganz entscheidend der Faktor Kreativität hinzu. „Ein solches Angebot fehlte in Lüdenscheid bislang“, meint Gundel Schulte. Das spannende Tanzprojekt, das für eine gehörige Portion Abwechslung im Kulturangebot der Stadt sorgt, wird vom Kultursekretariat NRW in Gütersloh maßgeblich unterstützt.

(Foto: Björn Othlinghaus)

Meinerzhagener Band Skylight bei der Metal Journey in Lüdenscheid

Skylight rockten im Vereinsheim von Underground Musik. (Foto: Björn Othlinghaus)

Metal-Fans kamen am Samstag, 15. Februar 2020, im Rahmen der 32. Ausgabe der Konzertreihe Metal Journey des Vereins Underground Musik im Vereinsheim an der Herscheider Landstraße 146 in Lüdenscheid voll auf ihre Kosten.

Zu Beginn stand an diesem Abend mit Monarchist eine Metal-Band aus Düsseldorf auf der Bühne, deren musikalische Einflüsse bei den Pionieren des Metal wie zum Beispiel Black Sabbath, Iron Maiden oder Metallica lag, die die Formation mit modernen Sounds kombinierte. Die Band, die erst im September 2019 ihr Bühnendebüt feierte, kam beim Publikum sehr gut an und stimmte bestens auf die darauf folgenden Lokalmatadoren, die Melodic-Metal-Formation Skylight aus Meinerzhagen, ein.

Sänger und Gitarrist Gerrit Eckert. (Foto: Björn Othlinghaus)

Sänger und Gitarrist Gerrit Eckert. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die 2006 gegründete Band setzt sich neben Frontmann Gerrit Eckert (Gesang, Gitarre) aus Thomas James Cross (Gitarre, Gesang), Carsten Voswinkel (Bass), Sebastian Seibert (Keyboard) und Hendryk Eckert (Schlagzeug) zusammen. Bei den ersten Songs ihres Gigs traten die Musiker teilweise mit effektvollen Neon-Masken auf, die an die „The Purge“-Filmreihe erinnerten, machten aber beileibe nicht nur optisch etwas her. Ihre sauber umgesetzten, eingängigen und kraftvollen Metal-Songs, zum Beispiel die aktuelle Single „The Fall“ oder ein kunstvoll aufgebautes und bisher lediglich mit dem Arbeitstitel „Orgelmusik“ betiteltes Werk mit leichten Prog-Anleihen, machten ausnahmslos Spaß. Ebenfalls zu gefallen wusste der hymnische Melodic-Metal-Song „Burning Sky“, ein älteres Stück der Band aus dem Jahr 2010.

Dass Sänger Gerrit Eckert nach eigenen Angaben mit einer Männergrippe zu kämpfen hatte, machte an diesem Abend gar nichts aus – schließlich gehört die Mutter des Sängers und Gitarristen zu seinen größten Fans und feierte nicht nur im Publikum mit, sondern versorgte ihren Sohn während des gesamten Gigs mit wohltuendem warmen Apfelsaft, der die Stimme ölte. Ähnlich spannend wie der Hauptteil des Konzertes mit ausschließlich eigenen Songs gestaltete sich der Zugabenteil, wo die Combo Cover-Songs zum Besten gab. Bei „Knocking On Heavens Door“ legte dabei Elias, der Großcousin von Sänger Gerrit Eckert und Schlagzeuger Hendryk Eckert, einen umjubelten Auftritt als Sänger hin.

Elias sorgte für Stimmung bei "Knocking On Heavens Door. (Foto: Björn Othlinghaus)

Elias sorgte für Stimmung bei „Knocking On Heavens Door. (Foto: Björn Othlinghaus)

Dabei heizte er auch immer wieder das Publikum an, mitzusingen und mitzufeiern, ganz so, wie das der Frontmann einer Band auch tun sollte. Dafür bekam er viel anerkennenden Applaus von den Fans. Zum Schluss rockten die Meinerzhagener noch einmal richtig ab mit „Livin‘ On A Prayer“ von Bon Jovi, wobei das Publikum den Melodic-Rockern, die an diesem Abend eine tolle Performance boten, diesen augenzwinkernd vorgetragenen Ausflug in härteste Mainstream-Gefilde nicht übel nahmen. Die nächste Metal Journey findet am Samstag, 25. April 2020, mit den beiden Bands Rivet Machine und Fullstack statt. Einlass ist um 19 Uhr, Tickets zum Preis von 5 Euro sind ausschließlich an der Abendkasse erhältlich. Nach den Live-Gigs ist der Eintritt wie immer frei.

(Foto: Björn Othlinghaus)

Kulturverantwortliche treffen sich zur 6. Ausgabe der Wunderkammern

Kulturverantwortliche der Stadt Lüdenscheid trafen sich zum Wunderkammer-Gespräch. (Foto: Björn Othlinghaus)

Am Donnerstag, 13. Februar 2020, fand in den Räumen des Geschichtsmuseums in Lüdenscheid die sechste von insgesamt zehn Veranstaltungen im Rahmen der Wunderkammern statt.

Dieses Projekt möchte über einen Zeitraum von mehreren Monaten auf unterschiedliche Weise Schlaglichter auf eine mögliche Zukunft der Bergstadt werfen. Das Thema lautete diesmal „Die Zukunft der Kultur in Lüdenscheid“, wobei Vertreter der meisten Kultureinrichtungen und Initiativen in Lüdenscheid – unter anderem des Geschichtsmuseums und der Galerie, der Stadtbücherei, der Städtischen Musikschule, des Jugendkulturbüros und der Phänomenta, aber auch anderer kultureller Institutionen wie dem Verein Kalle e.V., dem Lüdenscheider Kinderchor, der Music Store Musikschule, der Lüdenscheider Altstadtbühne und vielen mehr – dieses Gesprächsangebot nutzten. Die Leitung der Versammlung übernahm der Kulturdezernent und Kämmerer der Stadt Oberhausen, Apostolos Tsdastras.

Der Kulturdezernent und Kämmerer der Stadt Oberhausen, Apostolos Tsdastras. (Foto: Björn Othlinghaus)

Der Kulturdezernent und Kämmerer der Stadt Oberhausen, Apostolos Tsdastras. (Foto: Björn Othlinghaus)

Tsdastras moderierte die Veranstaltung nicht nur, sondern stellte auch seine Kulturarbeit in Oberhausen vor, eine Stadt, die ähnlich wie Lüdenscheid mit knappen finanziellen Mitteln insbesondere für kulturelle Belange zu kämpfen hat. Deshalb könne die Unterstützung im kulturellen Bereich, die von Seiten der Stadt komme, oft nur ideeller Natur sein, erklärte Tsdastras. „Aber mit Kreativität lässt sich auch mit geringen finanziellen Mitteln einiges erreichen, wenn man mit jenen Menschen spricht und kooperiert, die willig sind“, ist sich Tsdastras sicher. Die Vertreter der Kultureinrichtungen und Institutionen gingen jeweils auf die Belange ihrer Einrichtungen ein. Zum Beispiel gab Galerieleiterin Dr. Susanne Conzen zu bedenken, dass es das Angebot eines Museums zwingend erfordere, dass die Menschen nicht nur den Weg ins Haus finden, sondern auch zur Ruhe zu kommen, um Dinge zu betrachten und auf sich wirken zu lassen. „Das geht heute oft gegen die von Social Media und anderen Einflüssen getragene Lebenssituation vieler Menschen“, so die Galerieleiterin.

Bei regelmäßigen Diskussionsrunden im Rahmen der Wunderkammern sollen Ideen für die Stadt Lüdenscheid festgehalten und umgesetzt werden. (Foto: Björn Othlinghaus)

Bei regelmäßigen Diskussionsrunden im Rahmen der Wunderkammern sollen Ideen für die Stadt Lüdenscheid festgehalten und umgesetzt werden. (Foto: Björn Othlinghaus)

Hierzu erklärte der Kulturdezernent der Stadt Oberhausen, dass es auch früher nicht einfach war, bestimmte Gruppen von Menschen ins Museum zu locken. „Wir haben in dieser Hinsicht mit Kombinationsangeboten Erfolg“, entgegnete Tsdastras. So gehörten zum Beispiel Comicausstellungen zu den Publikumsmagneten in Oberhausen, deren jüngste Veranstaltung mit einem Manga-Wettbewerb kombiniert worden sei. „Das Interesse der jungen Menschen war groß, und es war ganz erstaunlich, welche fantastischen Arbeiten von den Jugendlichen eingereicht wurden“, erklärte Apostolos Tsdastras. Museumsleiter Dr. Eckhard Trox machte darauf aufmerksam, dass es sinnvoll sein könne, über eine zentrale Stelle zu verfügen, die sich um Fördergelder und Finanzierungsmöglichkeiten Gedanken mache. Im Hinblick auf die immer wieder zu hörende Anmerkung, dass ein besonderer Ansprechpartner, ein „Kümmerer“ für die Kultur in der Bergstadt sinnvoll sei, meldete sich Fabian Ferber, Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes, zu Wort. „Leider ist die bei uns in Lüdenscheid für die Kultur verantwortliche Person im Gegensatz zu den Vertretern nahezu aller Kultureinrichtungen und Initiativen der Stadt auch bei dieser Veranstaltung wieder nicht anwesend“, erklärte Ferber. Der Kulturbeigeordnete der Stadt Lüdenscheid kümmere sich nicht, wie es eigentlich seine Aufgabe sei, boykottiere lieber und setze Beschlossenes nicht um. „Das war bei seinem Vorgänger Wolff-Dieter Theissen ganz anders“, schloss Fabian Ferber sein Statement. Katja Fernholz-Bernecker, Leiterin der Lüdenscheider Musikschule, wies schließlich darauf hin, das man nicht nur das in den Blick nehmen solle, was noch im Argen liege, sondern sich auch über das freuen solle, was im Bezug auf die Kultur bereits vorhanden ist. „Generell sollte es in der Vermittlung nach außen keine Trennung zwischen der so genannten Hochkultur und der Populärkultur geben“, erklärte die Musikschul-Leiterin.

(Foto: Björn Othlinghaus)

9. AC/DC Dynamite Fanclub Party im Lüdenscheider Brauhaus

Einmal mehr kamen zum Treffen auch viele Gäste aus dem Ausland, unter anderem aus der Ukraine und Italien. (Foto: Björn Othlinghaus)

Bereits zum 9. Mal fanden Anhänger der australischen Rock-Formation AC/DC am 14. und 15. Februar 2020 in Lüdenscheid bei der jährlich stattfindenden AC/DC Dynamite Fanclub Party zwei Tage lang das Paradies auf Erden vor.

Frank Petersen, Vorsitzender des Dynamite AC/DC-Fanclubs, hatte am Freitag und Samstag für ein volles Programm gesorgt, das nach Eigenart, Stock und AJZ erstmals im Brauhaus stattfand. Um das Programm mit zwei herausragenden AC/DC-Tribute-Bands sowie einer AC/DC-Börse erleben zu können, waren die Fans teilweise von weither angereist.

Party satt im Lüdenscheider Brauhaus. (Foto: Björn Othlinghaus)

Party satt im Lüdenscheider Brauhaus. (Foto: Björn Othlinghaus)

„Allein aus der Ukraine kamen zehn Personen nach Lüdenscheid, ferner sind Fans aus Italien, Österreich, der Schweiz sowie Schottland und England zu uns gekommen“, freut sich Frank Petersen, der gar nicht genau nachvollziehen kann, wie viele Fans ins Brauhaus gekommen sind. Auf beide Tage gerechnet, so der Fanclub-Vorsitzende, seien es einige hundert. Den Auftakt machte am Freitag die Band Concrete Shoes, die bereits zum dritten Mal mit dabei war. Die Formation mit den Musikern Stefan Pardatscher (Gesang), Joram Bonomi (Rhythmusgitarre), Georg Pomarolli (Lead Guitar), Federico Plati (Bass) und Max Carli (Schlagzeug) verstand es an diesem Abend einmal mehr, für Stimmung im Saal zu sorgen und lieferte eine abwechslungsreiche Mischung aus älteren und neueren Songs der Australier.

Die Band Concrete Shoes lies es am Freitag krachen. (Foto: Björn Othlighaus)

Die Band Concrete Shoes lies es am Freitag krachen. (Foto: Björn Othlighaus)

Neben älteren Werken wie „Life Wire“ und „High Voltage“ konnten die Fans zu „Who Made Who“ aus dem Stephen-King-Film „Rhea M – Es begann ohne Warnung“, zu dem AC/DC den Soundtrack beisteuerten, oder „Stiff Upper Lip“, dem Titeltrack des im Jahr 2000 erschienenen 13. Studioalbum der Band, hemmungslos abfeiern. Zwischendurch lies sich Gitarrist Georg Pomarolli sogar auf den Schultern von Frontmann Stefan Pardatscher durchs Publikum tragen. Nachdem sich die AC/DC-Fans am Samstag von der Party tags zuvor erholt hatten, trafen sie sich am Nachmittag zur AC/DC Fanbörse im Brauhaus wieder. Hier konnten alle auf Schnäppchensuche gehen und wurden bei einer großen Auswahl an Merchandise-Artikeln garantiert fündig. Abends spielte dann die Stamm-Formation der Dynamite Fanclub Partys, die Band Big Balls, mit ihrem stimmgewaltigen Frontmann Thomas Klaus alias „Chicken“.

Die Band Big Balls, die am Samstag im Brauhaus zu sehen war, gehört längst zur Stammbesetzung der AC/DC- Fanclub-Party. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die Band Big Balls, die am Samstag im Brauhaus zu sehen war, gehört längst zur Stammbesetzung der AC/DC- Fanclub-Party. (Foto: Björn Othlinghaus)

Zu diesem Event kamen noch mehr Fans als am Freitag und verwandelten das Brauhaus in einen Hexenkessel. Big Balls präsentierten ebenfalls eine gut durchwachsene Mischung aus älteren und neueren Songs der Australier und brachten mit „Hells Bells“, „Whole Lotta Rosie“, „High Voltage“ und „TNT“ sowie im Zugabenteil auch mit „Thunderstruck“ ihr Publikum in Stimmung. Am späteren Abend wurden schließlich die Gewinner der großen AC/DC-Tombola bekannt gegeben, wobei attraktive Preise die Besitzer wechselten. Für eine hochwertige Sound- und Lichttechnik sorgte an beiden Abenden das Team der Lüdenscheider Veranstaltungsagentur „Sound of Centuries“.

(Foto: Björn Othlinghaus)

Live-Musik satt im Dahlmann-Saal rund um Weihnachten und Neujahr

Lidia Lingstedt, Frontfrau der Formation Lay Back Revival (im Hintergrund Robin Stone). (Foto: Björn Othlinghaus)

Kurz vor Weihnachten, zwischen Weihnachten und Silvester 2019 sowie am 4. Januar 2020 fanden im Saal der Lüdenscheider Event-Gaststätte Dahlmann einige Konzerte statt.

Nachfolgend ein kleiner Rückblick auf die vergangenen Veranstaltungen bei Dahlmann sowie eine Vorschau auf das, was Euch in den nächsten Tagen dort erwartet. Bereits zum zweiten Mal sorgte am Samstag, 21. Dezember 2019, der Christmas-Rock mit der Band Ohne Yoko im Saal der Gaststätte Dahlmann für ein gut besuchtes Haus. Rund 130 Musikfans ließen sich von der Lüdenscheider Formation und ihren beiden Frontfrauen Patrizia Camassa und Nicole Friese temperamentvoll unterhalten. Unterstützt wurden die beiden Sängerinnen wie immer von Marc Friese (Bass und Backing-Vocals), Heiko Lautwein (Gitarre), Stefan Klobes (Schlagzeug und Gesang) sowie Axel Eberl (Gitarre).

Patrizia Camassa und Nicole Friese läuteten mit der Formation Ohne Yoko die Konzertreihe bei Dahlmann rund um Weihnachten und Silvester ein. (Foto: Björn Othlinghaus)

Patrizia Camassa und Nicole Friese läuteten mit der Formation Ohne Yoko die Konzertreihe bei Dahlmann rund um Weihnachten und Silvester ein. (Foto: Björn Othlinghaus)

Vor dem eigentlichen Konzert konnten sich die Zuschauer auf einen Support-Act der Sonderklasse freuen. Sebastian Wagemeyer, Bürgermeisterkandidat der SPD in Lüdenscheid, Schulleiter des Zeppelin-Gymnasiums sowie versierter Musiker und Singer-Songwriter, begeisterte die Zuhörer mit seinem Gesang und der Akustik-Gitarre. Der große Pluspunkt der Band Ohne Yoko ist ganz sicher ihre Vielseitigkeit. Auch an diesem Abend packten die Musiker einen bunten Strauß an ganz unterschiedlichen Pop- und Rock-Songs aus, so dass für jeden Geschmack die richtige Musik dabei war. Da traf „You Shook Me All Night Long“ von AC/DC auf „Easy Lover“ von Phil Collins, „Simply The Best“ von Tina Turner auf „Sunday Bloody Sunday“ von U2 oder „Go Your Own Way“ von Fleetwood Mac auf „Get Lucky“ von Daft Punk.

Viele Fans feierten mit Ohne Yoko. (Foto: Björn Othlinghaus)

Viele Fans feierten mit Ohne Yoko. (Foto: Björn Othlinghaus)

Alle Songs interpretierten die Musiker mit der gleichen Leidenschaft und trotz der Wärme im Saal mit jeder Menge Power, denn vor allem die Frontfrauen schienen mit unendlicher Energie gesegnet zu sein, waren immer in Bewegung und rockten unermüdlich ab. Auf diese Weise kam selbst unverschämtester Baukasten-Pop wie „Hollywood Hills“ von Sunrise Avenue sympathisch rüber. Darüber hinaus konnte sich Jana, die beim Konzert ihren Geburtstag feierte, über ein ausführliches Ständchen freuen, an dem sich die meisten Zuhörer im Saal gerne lautstark beteiligten. Ein besonderer Höhepunkt des Abends war die Versteigerung eines Wohnzimmerkonzertes mit Ohne Yoko, das allerdings auch in einer anderen Location als dem Wohnzimmer stattfinden darf. Die gesamten Erlöse aus der Versteigerung kommen dabei in vollem Umfang dem Kinderschutzbund in Lüdenscheid zugute. Den Zuschlag bekam Martina Krütt, die die Band unbedingt für ihren Geburtstag haben wollte. Sie zahlte für den Auftritt im Rahmen der Feier, die voraussichtlich im Dahlmann-Saal stattfinden wird, 1350 Euro. Liebhaber von Hits der 60er, 70er und 80er Jahre kamen am 26. Dezember 2020, bei Dahlmann auf ihre Kosten.

Robin Stone von Lay Back Revival. (Foto: Björn Othlinghaus)

Robin Stone von Lay Back Revival. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die Formation Lay Back Revival, bestehend aus Sängerin Lidia Lingstedt, Robin Stone (Gesang, Gitarre), Andreas Kuhlmann (Bass), Steve H. Sevens (Gitarre) und Karol Adler (Schlagzeug) hat sich auf genau diese drei Jahrzehnte der Musikgeschichte spezialisiert und begeisterte mit zahlreichen Hits, aber auch diversen heute weniger gespielten Titeln jener Zeit. Rund 60 Musikfans waren in den Dahlmann-Saal gekommen und zeigten sich begeistert von der Authentizität, mit der die Combo die Musiker jener Jahre zum Leben erweckte. Beim einleitenden „Feliz Navidad“ legten die Musiker noch ein weihnachtliches Stück vor, ließen aber ansonsten musikalische Reminiszenzen an die Festtage weitgehend außen vor. Da Robin Stone insbesondere auf Titel von Rod Stewart sowie Smokie und Chris Norman spezialisiert ist, wurde in dieser Richtung natürlich auch einiges geboten, darunter Smokie-Hits wie „Lay Back In The Arms Of Someone“ oder „If You Think You Know How To Love Me“ oder Rod-Stewart-Klassiker wie „Downtown Train“ oder „The First Cut Is The Deepest“. Sängerin Lidia Lingstedt interpretierte dagegen unter anderem den Ben E. King-Song „Stand By Me“ sowie „Rose Garden“, einen Country-Song von Lynn Anderson aus dem Jahr 1970.

Steve H. Sevens, Gitarrist von Lay Back Revival. (Foto: Björn Othlinghaus)

Steve H. Sevens, Gitarrist von Lay Back Revival. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die zahlreichen Musikfans ließen sich nicht lange bitten und tanzten und sangen spätestens zur Lay-Back-Revival-Version von „Walking On Sunshine“ engagiert mit. Handfesten Hardrock hatten am Freitag, 27. Dezember 2019, unter dem Motto „Goodbye 2019“ einmal mehr die Finest Fathers im Dahlmann-Saal zu bieten. Rund 100 Besucher wollten die Formation an diesem Abend sehen, und erhielten genau jene musikalische Breitseite, die sie von den Plettenbergern erwarteten. Die im Jahr 2012 gegründete Formation besteht aus Frontmann Jörg Wilmink (Gesang, Bass), Reinbert Hammecke (Gitarre), Bernhard Schlütter (Gitarre) und Martin Schlütter (Schlagzeug). Das sympathische an der Band aus dem Lennetal ist der Umstand, dass die Musiker die gespielten Songs rockig, authentisch, ungeschliffen und ohne Schnick-Schnack rüberbringen und die Leidenschaft der Künstler für die Musik, die sie interpretieren, in jeder Minute spürbar ist. An keiner Stelle kommt das Gefühl auf, einer Pflichtveranstaltung beizuwohnen, immer wieder steht der Spaß und die Leidenschaft deutlich im Vordergrund.

Reinbert Hammeke und Jörg Wilmink von den Finest Fathers. (Foto: Björn Othlinghaus)

Reinbert Hammeke und Jörg Wilmink von den Finest Fathers. (Foto: Björn Othlinghaus)

Das Repertoire der Band hat sich kaum verändert: bei „Radar Love“ der niederländischen Formation Golden Earring bekommt Martin Schlütter die Gelegenheit, ein donnerndes Schlagzeug-Solo abzubrennen, „Sharp Dressed Man“ von ZZ-Top macht im gewohnt treibenden Sound der Texaner ordentlich Laune und „Working Class Heroe“ von Green Day bohrt sich wuchtig und fetzig in die Gehörgänge der Musikfans. Kraftvoll und leidenschaftlich singt Jörg Wilmink den Accept-Klassiker „Long Live Rock’n Roll“, den die Musiker ganz sicher als ein Statement verstanden wissen wollten, und dank der fetten Reibeisenstimme des Frontmannes und seinem kernigen Bassspiel kam auch „Ace Of Spades“ von Motörhead als fetzige Hommage an den vor genau vier Jahren am 28. Dezember 2015 verstorbenen Motörhead-Frontmann Lemmy Killmister rüber, der ebenfalls zu seinem mächtigen Gesang den Bass anschlug. Früher, so Jörg Wilmink, sei er mit viel Alkohol im Blut zu „Highway Star“ ausgerastet – klar, dass der Deep-Purple-Song auf der wie immer sehr langen Setliste der Finest Fathers nicht fehlen durfte. Und auch „Heroes“ von David Bowie sorgte an diesem gelungenen Konzertabend für Gänsehaut. Mit einer Party, die sowohl im Saal als auch in der Kneipe mit unterschiedlichen Musikangeboten aufwartete, wurde am Samstag, 4. Januar 2020, bei Dahlmann das neue Jahr begrüßt.

Dominik Hass und Benjamin Pritschow von den Bergstadtbrüdern. (Foto: Björn Othlinghaus)

Dominik Hass und Benjamin Pritschow von den Bergstadtbrüdern. (Foto: Björn Othlinghaus)

In der Kneipe kamen die Fans von Schlagern und Partyhits auf ihre Kosten. An den Turntables wechselten sich „Die Bergstadtbrüder“ ab, die hier für Stimmung und gute Laune unter den Gästen sorgten. Im Saal spielte dagegen die Hagener Cover-Formation Second Hand auf, die mit ihrer Mischung aus Rock- und Popmusik der 80er und 90er Jahre sowie aktuellen Hits einmal mehr überzeugen konnte. Die Combo um Frontmann Carsten Kleinwegener ist den Dahlmann-Stammgästen unter anderem durch ihren Auftritt bei den diesjährigen Open-Air-Events im Rahmen des 110-jährigen Jubiläums der Gaststätte Dahlmann im August bekannt. Unterstützt wurde der Sänger einmal mehr durch die Musiker Max Paroth (Keyboard), Chris Glombica (Gitarre) und Florian Bido (Schlagzeug). „Heute sind wir noch etwas rockiger unterwegs als üblich“, versprach Kleinwegener vorab, und startete mit „Rockin In A Free World“ von Neil Young und „Runaway“ von Bon Jovi. Dabei rockte Gitarrist Chris Glombica den Abend über in der Tat tapfer, obwohl er nach einer Rückenoperation gerade erst aus dem Krankenhaus entlassen worden war.

Second Hand. (Foto: Björn Othlinghaus)

Second Hand. (Foto: Björn Othlinghaus)

Doch trotz allem führten die gespritzten Schmerzmittel nicht dazu, dass der Musiker von der Bühne fiel, wie Carsten Kleinwegener mehrfach mit einem Augenzwinkern befürchtete. Stattdessen überzeugte Glombica auf ganzer Linie und legte unter anderem bei „Another Brick In The Wall“ ein atmosphärisches David-Gilmour-Gitarrensolo hin, an dem der Meister sicher seine Freude gehabt hätte. Neu ins Programm aufgenommen hatten die Hagener unter anderem den ZZ-Top-Klassiker „Sharp Dressed Man“, und auch Pop-Klassiker wie „Enjoy The Silence“ von Depeche Mode oder Hymnen wie „Don’t You (Forget About Me)“ von den Simple Minds wussten die Zuhörer zu begeistern. Sie immer bei Second Hand kamen darüber hinaus auch die Deutschrock-Fans nicht zu kurz, zum Beispiel bei „1001 Nacht“ von Klaus Lage oder bei „Mit 18“ von Westernhagen. Obwohl die Party in den ersten zwei Stunden noch eher mäßig besucht war, kam laut Veranstalter Jürgen Wigginghaus später noch viel Publikum hinzu, so dass insgesamt in Kneipe und Saal rund 130 Besucher gezählt werden konnten. Am Freitag, 10. Januar 2020, und am Samstag, 11 Januar 2020, feiert Christiana „Nanni“ Lange ihr 40-jähriges Jubiläum als Dahlmann-Wirtin. An beiden Tagen ist der Eintritt frei. Am Freitag spielt ab 20 Uhr der Musiker Robin Stone „unplugged and seated“ im Dahlmann-Saal. Dazu gibt es an beiden Tagen ermäßigte Getränkepreise.

Gute Stimmung im Dahlmann-Saal. (Foto: Björn Othlinghaus)

Gute Stimmung im Dahlmann-Saal. (Foto: Björn Othlinghaus)

Am Samstag legt nicht nur DJ René die besten Dahlmann-Hits auf, es wird auch ein Top-Secret Live-Act zu sehen und zu hören sein. Dieser wird Rock- und Pophits aus vier Jahrzehnten zum Besten geben. Ferner wird es eine Verlosung von 2 x 2 VIP-Tickets geben, mit denen der Gewinner freien Eintritt bei allen Dahlmann-Events im Jahr 2020 hat. Los geht es am Samstag um 21 Uhr (Einlass 20 Uhr). Am Samstag, 18. Januar 2020, sind dann die „Heimathelden“ wieder im Dahlmann-Saal zu sehen. Auftreten werden an diesem Abend ausschließlich heimische Künstler, und zwar die Formationen Ampersand, The Chrisdana Twins, Ohne Yoko, Breddermann, Noel Thieme & Band sowie DJ Marc Kiss. Tickets sind noch zum Preis von 14,50 Euro (zzgl. Gebühr) bei Dahlmann, im LN-Ticketshop, im Klein Oho im Sterncenter Lüdenscheid sowie über die Heimathelden-Facebookseite zu bekommen. Weitere Infos: www.gaststaette-dahlmann.de.

(Foto: Kathrin Klein)

Stehende Ovationen für Westfalen Winds im Kulturhaus Lüdenscheid

Die westfälische Bläserphilharmonie Westfalen Winds gab ein furioses Konzert im Lüdenscheider Kulturhaus. (Foto: Kathrin Klein)

Text: Robin Gerke

Eine feierliche Fanfare in den Trompeten, gefolgt von wuchtigen Tutti-Akkorden, ein Ritardando und dann: ein fünfminütiges Feuerwerk aus spitzen Stakkati, ausgedehnten Melodiebögen und explosiven Kontrasten.

Die Bläserphilharmonie Westfalen Winds entfachte am Sonntag, 3. November 2019, im Kulturhaus Lüdenscheid mit großer Opernmusik ein Konzerterlebnis der besonderen Art. Welcher Anlass es auch sein mag, kaum ein Werk der Musikgeschichte eignet sich besser als ergreifender Auftakt als die Festive Overture Op. 96 von Dimitrij Schostakowitsch. Dem donnernden Applaus des Lüdenscheider Publikums nach verfehlte sie auch in der Interpretation der Bläserphilharmonie Westfalen Winds unter Johannes Stert keineswegs ihre Wirkung.
Nach einer kurzen Anmoderation des charismatischen Dirigenten erwarteten die Konzertgänger, die ihren Weg am 3. November ins Kulturhaus gefunden hatten, mit Spannung die Nuances des französischen Komponisten Desiré Dondeyne.

Johannes Stert leitet das Orchester. (Foto: Kathrin Klein)

Johannes Stert leitet das Orchester. (Foto: Kathrin Klein)

Weiche Klänge und facettenreiche Harmonien bildeten einen Gegenpol zum rasanten Galopp des vorangehenden Werkes. Nach der Pause stand mit Verdis Otello in der Bearbeitung durch Johannes Stert das Hauptwerk des Abends bevor. Eine kurze Einführung in die Handlung und schon ging es los mit der Ankunft des siegreichen Feldherrn, dessen Galeere im schweren Sturm den heimatlichen Hafen anläuft. Das Arrangement der großen romantischen Oper kommt ganz ohne Gesang, ohne Worte aus. Stattdessen erzählen die Instrumente die Geschichte von zerbrechender Liebe, Mord und viel zu später Einsicht. Verdis Musik ist voll handlungstragender Motivik, sodass das Publikum durch das äußerst virtuose und technisch versierte Orchester den Verlauf des Eifersuchtsdramas um Otello und Desdemona problemlos nachvollziehen konnte. Jede Euphorie, jeder Anflug von Misstrauen, jedes stille Gebet wurde so hörbar und erfüllten als lebendige, musikalische Bilder den Konzertsaal. Desdemona, wie sie vergeblich um ihr Leben fleht, die Zofe, die panisch an die verschlossene Tür klopft, und schließlich ein zerbrochener Otello, der seinen Fehler im dramatischen Ende erkennt und seiner Gattin in die ewige Dunkelheit folgt. Auch nach feuriger Zugabe in Gestalt des Wedding Dance aus der Feder von Jacques Press dürften es die überwältigenden Eindrücke aus Otello gewesen sein, die das begeisterte Publikum erst nach minutenlangem Applaus und stehenden Ovationen mit nach Hause genommen haben. Vielleicht zusammen mit dem Wunsch, dass die Zusammenarbeit von Westfalen Winds und Johannes Stert viele weitere solcher Früchte tragen wird. Spätestens sicherlich am 19. Januar 2020 beim Neujahrskonzert der Stadt Wetter und am 29. März 2020 in der Stadthalle Meinerzhagen.

Kurzvita Westfalen Winds

Die westfälische Bläserphilharmonie Westfalen Winds ist ein junges, vielfach ausgezeichnetes Konzertorchester der Höchststufe aus dem Sauerland. Es setzt sich aus ca. 70 professionellen und semi-professionellen Musikern der nordrhein-westfälischen Orchesterlandschaft zusammen, um ein einzigartiges Orchesterkonzept und einen unverwechselbaren Klang auf Höchstniveau zu formen.

Die Musikerinnen und Musiker von Westfalen Winds verfolgen einen hohen künstlerischen Anspruch. (Foto: Kathrin Klein)

Die Musikerinnen und Musiker von Westfalen Winds verfolgen einen hohen künstlerischen Anspruch. (Foto: Kathrin Klein)

Seinen hohen künstlerischen Anspruch sieht der Klangkörper in der Entwicklung und Förderung der sinfonischen Bläsermusik, insbesondere durch erfolgreiche nationale und internationale Wettbewerbe (unter anderem Gewinner des „Deutschen Bundesmusikfest“ in Friedrichshafen, Prädikat: „Hervorragend“) oder Konzertreisen, wie jüngst 2017 nach Spanien oder 2015 nach Japan. Interpretationen von Originalkompositionen, Initiierungen neuer Kompositionen und Gastspiele hochkarätiger Solisten und Dirigenten formen das Projektorchester zu einem der führenden sinfonischen Konzertorchester in NRW und den angrenzenden Bundesländern. Erfolgreiche Uraufführungen fanden in Kooperation mit gefeierten Komponisten wie Manfred Honetschläger, Prof. Frank Zabel oder Thiemo Kraas statt, und eine Vielzahl an international bedeutenden Solisten und Dirigenten, wie Stefan Dohr (Solohornist Berliner Philharmoniker), Falk Maertens (Solotrompeter Deutsches Symphonie-Orchester Berlin), Christian Lindberg (Posaunensolist des Jahres 1991 der BBC, Komponist und Chefdirigent des Nordischen Kammerorchesters sowie des Swedish Wind Ensemble) und das Posaunenquartett der Berliner Philharmoniker (Prof. Olaf Ott, Prof. Christhard Gössling, Thomas Leyendecker und Jesper Busk Sørensen), konnten bereits als Gäste bei Westfalen Winds begrüßt werden.

Westfalen Winds überzeugten im Kulturhaus. (Foto: Kathrin Klein)

Westfalen Winds überzeugten im Kulturhaus. (Foto: Kathrin Klein)

Seit 2019 liegt die künstlerische Leitung von Westfalen Winds bei Johannes Stert. Stert folgte von 2008 bis 2013 zahlreichen Einladungen an große Opernhäuser weltweit, u. a. ans Teatro Nacional de Sao Carlos Lissabon, der Royal Danish Opera in Copenhagen, der Korean National Opera Seoul, dem Staatstheater Oldenburg oder der Oper in Magdeburg. Als erster Kapellmeister der Kölner Oper erwarb sich Johannes Stert von 1995 bis 2005 ein umfassendes Repertoire. Durch Sinfoniekonzerte mit dem Gürzenich-Orchester Köln und dem WDR Funkhausorchester, zahlreichen Premieren des klassischen Opernrepertoires und seinen Interpretationen sämtlicher Mozart-Opern erlangte Stert großes internationales Renommee. Ebenso dirigierte Stert eine Vielzahl an Uraufführungen und diverse Festivals, darunter das Festival „dei due Mondi“ in Spoleto, Italien, die „Kölner Triennale“ oder die „Wiener Festwochen“. Konzerte und Projekte führten ihn dabei auch stets mit gefeierten Komponisten zeitgenössischer Musik zusammen, darunter Hans Werner Henze (Montepulciano), Detlev Glanert (Hamburger Staatsoper), Manfred Trojahn (Kölner Oper) oder Karl Heinz Stockhausen (Zyklus „Licht“, Amsterdam). Als Dirigent von Westfalen Winds folgte Johannes Stert 2019 auf den Trompeter des Philharmonischen Orchesters Essen und dem Sinfonieorchester der Stadt Wuppertal a. D., Ulrich Schmidt. Initiator und Gründungsdirigent war von 1996 bis 2006 der ehemalige Musikschulleiter Lüdenscheids Franz Schulte-Huermann.