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(Foto: Björn Othlinghaus)

Ein spannendes Paar – Klaus-Peter Wolf und Bettina Göschl im Interview

Auch ein Erfolg: Die Ostfriesland-Krimizeitung mit einer Auflage von 1,6 Millionen. (Foto: Björn Othlinghaus)

Klaus-Peter Wolfs Ostfriesen-Krimis sind ein überragender Erfolg.

Der aus Gelsenkirchen stammende und in Norden/Norddeich lebende Autor verkaufte bislang 11 Millionen Bücher, wobei ein Ende bei zwei neuen Kriminalromanen pro Jahr kaum abzusehen ist. Vor seiner Lesung im Rahmen des Festivals „Mord am Hellweg“ in der Phänomenta in Lüdenscheid am 6. Oktober 2018 sprach Björn mit dem Autoren und seiner Lebensgefährtin, der unter anderem aus dem Kinderkanal (KiKA) bekannten Kinderliedermacherin und Kinderbuchautorin Bettina Göschl, die seine Lesungen musikalisch begleitet. Zum Interview im Museumscafé des Lüdenscheider Geschichtsmuseums brachten die beiden ein Exemplar der von Klaus-Peter Wolf selbst herausgebrachten Zeitung „Ostfriesland-Krimis – Die Klaus-Peter Wolf-Zeitung“ mit.

Herr Wolff, was hat es mit dieser ganz besonderen Zeitung auf sich?

K. P. Wolf: Die Ostfriesland-Krimizeitung ist eine Idee des Journalisten Holger Bloem, der Chefredakteur des Ostfriesland-Magazins ist und auch in meinen Krimis immer wieder vorkommt. Sie erscheint seit 10 Jahren einmal im Jahr in einer Auflage von 1,6 Millionen Exemplaren mit schönen Fotos und tollen Geschichten darüber, was Bettina und ich so machen.

Klaus-Peter Wolf beim Interview. (Foto: Björn Othlinghaus)

Klaus-Peter Wolf beim Interview. (Foto: Björn Othlinghaus)

Bis 70.000 werden als Werbematerial an Buchhandlungen gegeben, den Rest legen wir Tageszeitungen bei. Natürlich steht immer der neue Kriminalroman, der zuletzt erschienen ist, im Mittelpunkt, und es gibt immer ein Interview mit uns im Café ten Cate in Norden, das sich ja ebenfalls in meinen Büchern wiederfindet.

Was war der Auslöser für Sie beide, 2003 nach Ostfriesland zu ziehen, dem Ruhrgebiet den Rücken zu kehren und sich auch in ihrer Literatur fast ausschließlich diesem Teil Deutschlands zu widmen? Was fasziniert Sie an Ostfriesland und speziell an dem Ort Norden-Norddeich?

Bettina Göschl: Wir hatten eine Sehnsucht, ans Meer zu ziehen, es war ein Traum von uns beiden. Ich bin immer viel in den Norden gereist und konnte mich dort gut erholen. Das gleiche gilt für Klaus-Peter. Außerdem hatten wir ein Erlebnis in Norddeich am Strand, als wir zwei Regenbögen gesehen haben, die sich überschnitten, ein herrliches Schauspiel. Da haben wir gesagt: Das ist ein Zeichen, dass wir beide hier hin gehören!

K. P. Wolf: Für Menschen, die im Ruhrgebiet leben, ist Ostfriesland oft eine Art Sehnsuchtsort. Viele Menschen, die ich kenne, sind nach Ostfriesland in Urlaub gefahren oder ganz hingezogen, und wir eben auch. Wenn ich zum Beispiel ein Filmdrehbuch überarbeiten musste, habe ich mich gerne dorthin zurückgezogen. Genauso war es, wenn ich in einer Lebenskrise steckte.

Die beiden Sommerfeldt-Romane „Totenstille im Watt“ und „Totentanz am Strand“ unterscheiden sich ja vom Konzept her stark von den anderen Romanen, in denen die Kommissarin Ann Kathrin Klaasen eine Rolle spielt. Eigentlich ist ja in beiden Büchern Dr. Sommerfeldt als Ich-Erzähler die Hauptfigur und nicht die Ermittlerin.

K.P. Wolf: Genau. Das dramaturgisch schwierige daran ist ja, dass der Serienkiller Sommerfeldt gleichzeitig ein Antagonist und die Hauptperson ist und praktisch zum Helden wird.

Sommerfeldt hat ja einige durchaus sympathische Züge, mit denen sich die Leser identifizieren können.

K.P. Wolf: Absolut. Als das erste Sommerfeldt-Buch „Totenstille im Watt“ erschienen ist, war die erste Leserreaktion, die ich bekommen habe, die Facebook-Nachricht einer jungen Frau, die schrieb, öffentlich einsehbar für alle: „Wie soll ich es meinen Eltern erklären, ich habe mich in einen Serienkiller verliebt!“

Bettina Göschl: Er hat einfach etwas empathisches, die Leute können sich einfühlen in den Charakter. Es gibt Persönlichkeitsanteile an ihm, mit denen sich die Leute identifizieren, aber das erschreckt sie auch, weil er ja ein Mörder ist.

Bin ich auf dem Holzweg oder gibt es bei den beiden Sommerfeldt-Büchern hinsichtlich des Konzeptes Parallelen zur Fernsehserie Colombo, die in „Totenstille im Watt“ ja auch an einer Stelle zitiert wird (zum Beispiel, dass der Mörder die Hauptrolle spielt und der Inspektor, in diesem Fall Ann Kathrin Klaasen, in den Hintergrund tritt)?

K.P. Wolf: Wo Sie das jetzt so sagen … Aber da bin ich beim Schreiben nicht drauf gekommen. Ich wollte aus der Sicht des Bösen, des Serienkillers, die Welt erzählen, und das sollte eine spannende Sicht sein, denn Sommerfeldt ist ja kein dumpfer Mörder, sondern durchaus ein belesener, kluger Mensch.

Der Autor der erfolgreichen Ostfriesen-Krimis präsentierte sich in Lüdenscheid als humorvoller und ausgeglichener Mensch. (Foto: Björn Othlinghaus)

Der Autor der erfolgreichen Ostfriesen-Krimis präsentierte sich in Lüdenscheid als humorvoller und ausgeglichener Mensch. (Foto: Björn Othlinghaus)

Der sucht Rechtfertigungen für sein Tun und holt diese aus der Literatur, aus der Mythologie. Und auf einmal merkt man, dass man ihm das glaubt und abkauft, und dann wehrt man sich wieder dagegen. Ich wollte eine ambivalente Figur schaffen, bei der Gut und Böse verwischen. Übrigens ist Sommerfeldt ein unglaublicher Erfolg. Wir sind jetzt bei Verkaufszahlen von 400.000 Exemplaren, nur für Band 1.

Täusche ich mich, oder steckt im Charakter Sommerfeldt auch ein Teil von Ihnen selbst? Zum Beispiel, dass Sie Ihr altes Leben im Ruhrgebiet hinter sich gelassen haben, als Sie nach Ostfriesland gegangen sind. Außerdem hat Sommerfeldt mit der Leitung des elterlichen Unternehmens Schiffbruch erlitten, und Ihnen ist ähnliches mit der Leitung eines Verlages passiert.

K.P.Wolf: Es steckt einiges von mir in Sommerfeldt. Ich habe selbst einen Konkurs erlebt und weiß, was dann passiert und wie sich die Menschen verhalten.

Man hat plötzlich deutlich weniger Freunde.

K.P. Wolf: Genau so ist das. Man fühlt sich für alles schuldig, und plötzlich nimmt einem die Bank obendrein die Kreditkarte weg. Ich weiß genau, wie sich so jemand fühlt. Ich hatte damals 2,7 Millionen DM Schulden, und ich war erst 26 Jahre alt. Da wusste ich überhaupt nicht, wie ich weitermachen sollte, denn damals musste ich mit 300.000 DM Zinsen rechnen, die jedes Jahr noch obendrauf kommen. Da konnte ich noch so viele Drehbücher für Fernsehserien schreiben, ich hatte keine Chance, da runterzukommen.

Sommerfeldt ist ja gar kein echter Arzt, rutscht aber irgendwie in die Rolle hinein. Könnte denn einer, der gar kein Arzt ist, einfach so als Arzt praktizieren, ohne aufzufallen?

K.P. Wolf: Als „Totenstille im Watt“ erschien, kamen zunächst genau solche Reaktionen. Doch das Buch war gerade sechs Wochen auf dem Markt, da flog auf, dass sich, ausgerechnet in Norden, ein Patient der Psychiatrie als Arzt ausgegeben hat und dort seit eineinhalb Jahren unbehelligt praktizierte.

Klaus-Peter Wolfs Lebensgefährtin Bettina Göschl ist Kinderliedermacherin und Kinderbuchautorin und gestaltet mit ihrer Musik die Lesungen mit. (Foto: Björn Othlinghaus)

Klaus-Peter Wolfs Lebensgefährtin Bettina Göschl ist Kinderliedermacherin und Kinderbuchautorin und gestaltet mit ihrer Musik die Lesungen mit. (Foto: Björn Othlinghaus)

So etwas in einem Krankenhaus zu machen, wo er doch ständig mit richtigen Ärzten, also Fachleuten, zu tun hat, hätte ich als völlig unrealistisch empfunden, es hat aber doch funktioniert. Ein Hausarzt wie Dr. Sommerfeldt wird dagegen praktisch nur von seinen Patienten kontrolliert. Und wenn er denen was gutes tut, ihnen mit Verständnis und großzügigen Krankschreibungen begegnet, ist er für sie Gott.

Für viele sind Sie heute vor allem der Mann, der die Ostfriesenkrimis schreibt. Dabei sind Sie ja tatsächlich sehr vielseitig, haben bereits Literaturpreise gewonnen, Kinder- und Jugendbücher geschrieben, Drehbücher verfasst, Theater gemacht.

Bettina Göschl: Er hat sogar in einem Kindermusical, „Piraten Jenny und Käpt’n Rotbart“, mitgespielt, das ich für den Kinderkanal KiKA geschrieben habe. In Bremerhaven haben wird das gedreht.

K.P. Wolf (lacht): Bettina war die wilde Sängerin, die versucht hat, den verblödeten König zu stürzen. Das war ich.

Hätten Sie denn auch mal Lust, in den Verfilmungen Ihrer Bücher eine größere Rolle zu spielen und nicht nur einen Cameo-Auftritt, wie es bei „Ostfriesenkiller“ der Fall war?

K.P. Wolf: Die schlagen sowas ja auch manchmal vor, aber ich schreibe noch nicht mal mehr die Drehbücher selbst, obwohl ich ja auch Drehbuchautor bin. Das schaffe ich einfach nicht mehr. Ich schreibe zwei Kriminalromane im Jahr, außerdem verfasse ich mit Bettina zusammen Kinderbücher und wir haben bis zu 200 Auftritte jährlich im Rahmen von Lesungen. Ursprünglich wurde mir beim ZDF vorgeschlagen, die Drehbücher zu den Romanen selbst zu schreiben. Auf irgendwas musste ich aber verzichten, weil es sonst einfach zu viel geworden wäre, und da es sich beim Drehbuchschreiben vor allem um pures Handwerk handelt, das auch jemand anderer ausführen kann, habe ich da dann abgewunken. Romane muss ich ja schon selbst schreiben, und auch bei Lesungen kann ich niemand anderen schicken. Die Filmfirma hat mich aber als Berater engagiert, so dass ich bei Fragen dem Team zur Verfügung stehe.

Kann man sagen, dass alle Filme nach Ihren Büchern auch nach Ihren Vorstellungen entstanden sind.

K.P. Wolf: Bisher auf jeden Fall. Der erste war ja „Ostfriesenkiller“, ein unglaublicher Erfolg mit 8 Millionen Zuschauern.

Bettina Göschl: Die zwei neuen Filme, „Ostfriesenblut“ und „Ostfriesensünde“, wurden innerhalb von 44 Drehtagen „back to back“, also gleichzeitig realisiert, was eine hohe Anforderung an das Team darstellte. Wir haben die Rohschnittfassungen gesehen, die sind wunderbar geworden und wir beide sind sehr zufrieden damit.

Wird Christiane Paul wieder die Rolle der Ann Katrin Klaasen übernehmen und wie gefällt sie Ihnen in der Rolle?

K.P. Wolf: Wir haben uns sehr gut mit ihr und auch mit allen anderen verstanden, sie hat das sehr gut gemacht. Natürlich ist sie auch in den nächsten beiden Filmen wieder dabei. Das gilt übrigens fast für die komplette Besetzung der Hauptrollen und auch für den Stab.

Hat das ZDF die Rechte all Ihrer Bücher zum Verfilmen im Paket erworben?

K.P. Wolf (lacht): Nee, das hätten die wohl gerne! Die müssen die Rechte jedes einzelnen Romans erwerben, denn ich möchte sicher gehen, dass tatsächlich auch nur meine Geschichten verfilmt werden. Die wollen natürlich gerne die Figurenrechte kaufen, damit sie irgendwann eigene Geschichten mit diesen Figuren verfilmen können und mit ihnen machen können, was sie wollen. Bei „Wilsberg“ haben die das zum Beispiel so gemacht.

Auch das Signieren erledigen die beiden Künstler auf den Lesungen gemeinsam. (Foto: Björn Othlinghaus)

Auch das Signieren erledigen die beiden Künstler auf den Lesungen gemeinsam. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die Verlage und Autoren haben in diesen Fällen blauäugig, um nicht zu sagen Geldgierig, alle diese Rechte verkauft, und haben dann keinen Einfluss mehr. Die Folge davon kann natürlich sein, dass irgendwann alle Leute einen Fernsehcharakter wie zum Beispiel Wilsberg kennen, aber kein Mensch kennt die Romane, die dann auch dementsprechend selten gekauft werden. Das wird es bei mir nicht geben. Die müssen auch zukünftig die Rechte an den Romanen kaufen und dürfen nur meine Geschichten verfilmen.

Kennen Sie das Problem von Schreibblockaden?

K.P. Wolf: Ich kenne viele Kollegen, die damit kämpfen, die auch zu mir kommen und mit mir darüber reden möchten. Ich selbst kenne das nicht, ich muss im Fluss bleiben. Ich muss meine Ideen immer loswerden, muss sie aufschreiben. Ich habe eine Idee, und die muss ich sofort zu Papier bringen, erst dann kann ich mich wieder auf Dinge wie zum Beispiel das ‚Auto fahren‘ vernünftig konzentrieren. So läuft das bei mir.

Sie legen ja mit zwei Kriminalromanen und mehren Kinder- und Jugendbüchern im Jahr ein ordentliches Pensum vor. Schreiben Sie da an mehreren Büchern gleichzeitig und machen Sie sich ein Konzept für einen Roman, zum Beispiel mit Karten oder ähnlichem?

K.P. Wolf: Nein, ich habe meist meine nächsten fünf bis sechs Romane komplett im Kopf. Jedes Buch schreibe ich in der korrekten Reihenfolge von Zeile eins bis zum Schluss durch, und zwar mit einem Füller in eine Kladde. Ich schreibe immer nur an einem Buch, schließe das ab und beginne dann mit dem nächsten. Und meine Lebensgefährtin Bettina weiß, wenn sie mich in Ruhe schreiben lässt, dann hat sie einen netten, ausgeglichenen Partner. Für mich war das Schreiben immer eine Leidenschaft, eine Notwendigkeit. Wenn man mich länger daran hindert, zu schreiben, komme ich ins Ungleichgewicht. In gewisser Weise erschließe ich mir auch die Realität durch das Schreiben. Deshalb gibt es in meinen Romanen auch immer so viele real existierende Orte und Personen. Wissen Sie, es gibt Leute, die sagen, wir kommen nach Norden-Norddeich und bewegen uns dort wie in einer literarischen Kulisse, so als hätte ich das alles aufgebaut. Dabei war es ja immer da, ich habe es nur erzählt.

Wenn Sie so viele Geschichten im Kopf mit sich herumtragen, kann es nicht passieren, dass Sie Dinge quasi durcheinanderkegeln, das heißt Handlungsteile oder Figuren in dem einen Roman verarbeiten, die eigentlich in den anderen gehören?

K.P. Wolf: Nein, das passiert nicht, denn wenn ich schreibe, begebe ich mich immer in die Perspektive einer Figur. Ich bin in dem Moment nicht Klaus-Peter Wolf, sondern Rupert, oder Weller. Und nur aus dieser Sicht erzähle ich. Der weiß über die Probleme meines Alltags nichts, der hat einen Mord aufzuklären, oder aber Beziehungsstress, den ich nicht habe. Bettina kriegt das mit und hat auch ein Lied darüber gemacht („Wenn mein Mann einen neuen Krimi schreibt“).

Auch das gemeinsame Singen mit seiner Lebensgefährtin bereitet Ostfriesland-Fachmann Klaus-Peter Wolf keine Probleme. (Foto: Björn Othlinghaus)

Auch das gemeinsame Singen mit seiner Lebensgefährtin bereitet Ostfriesland-Fachmann Klaus-Peter Wolf keine Probleme. (Foto: Björn Othlinghaus)

Selbst, wenn ich gerade nicht schreibe, kann es sein, dass ich mich auch im wirklichen Leben als eine andere Person gebe, denn im Kopf geht ja die Geschichte weiter. Ich habe alle meine Charaktere im Kopf, brauche nicht wie viele Kollegen Karteikarten oder ähnliches. Wenn man in der Figur, also quasi die Figur selbst ist, macht man da auch keine Fehler. Als auktorialer („allwissender“) Erzähler kann man in dieser Hinsicht natürlich leicht scheitern.

Sie beide schreiben ja auch Kinder- und Jugendbücher gemeinsam. Wie funktioniert denn da die Arbeitsteilung zwischen Ihnen?

Bettina Göschl: Wir sitzen dann beide zusammen und diskutieren über die Geschichte, aber natürlich tippt nur einer, und das bin meistens ich. Dann diskutieren wir wieder, und eventuell ändere ich nochmal was.

K.P. Wolf: Wir sitzen dabei immer in einem Raum und machen alles zusammen. Wir sind auch permanent im Gespräch. Vor allem die Arbeit für unsere Reihe „Nordseedetektive“ ist immer ein Spaß. Da arbeiten wir inzwischen an Band 7, denn die Reihe ist ein großer Erfolg und wird vor allem auch an Schulen gerne gelesen. Selbst Lesemuffel, die den ersten Band dann quasi zwangsweise lesen müssen, kaufen sich oft den Rest der Serie. Wir wollen sie an einer Stelle packen, wo es auch cool wird für sie, zu lesen.

Bettina Göschl: Die Kinder bemalen oder bedrucken sogar T-Shirts zu den Nordseedetektiven oder auch den Ostfriesenkrimis. Oder sie schreiben Referate in der Schule oder schicken uns Leserpost. Die freuen sich einfach auf den nächsten Band.

K.P. Wolf: Bei den Kinderbüchern ist es übrigens wichtig, dass sich viele Dinge in Lachen auflösen. Die müssen zwar spannend erzählt werden, aber die jungen Leserinnen und Leser sollen auch keine Angst bekommen. Mord ist deshalb als Verbrechen in den Kinderbüchern tabu. Spannungsliteratur für Kinder ist sehr schwer zu schreiben.

Bettina Göschl: Außerdem sind die Täter bei uns immer auch ein bisschen doof und wirken nicht so bedrohlich. Die Kinder sind ihnen vom Intellekt her meist weit überlegen.

Frau Göschl, würden Sie denn auch mal einen Erwachsenenkrimi schreiben, oder möglicherweise auch Sie beide gemeinsam?

Bettina Göschl: Nein, ich bin, was das Schreiben angeht, im Moment eher auf der Kinderschiene unterwegs. Ich schreibe inzwischen ja zumindest Lieder für Erwachsene. Das ist für mich im Moment neu, macht mir aber sehr viel Freude. Literarisch könnte ich mir vorstellen, mal was im Bereich Fantasy zu machen, aber dann eben auch für Kinder oder Jugendliche.

K.P. Wolf: Immerhin ist sie ja schon eine Figur in meinen Kriminalromanen – sie taucht ja immer mal wieder als eine Freundin von Ann Kathrin Klaasen auf.

Ich danke Ihnen herzlich für das Gespräch.

(Foto: Björn Othlinghaus)

Krimi-Festival „Mord am Hellweg“ mit „Ostfriesenkiller“ Klaus-Peter Wolf

Bei der Lesung ganz in seinem Element: Klaus-Peter Wolf. (Foto: Björn Othlinghaus)

Klaus-Peter Wolf, der Schöpfer der bekannten Ostfriesen-Krimis mit Kult-Kommissarin Ann Kathrin Klaasen, ist nicht nur ein leidenschaftlicher Geschichtenerzähler.

Es steckt auch ein begnadeter Entertainer in dem Mann, der in Gelsenkirchen geboren wurde und aufwuchs, sich jedoch inzwischen in der ostfriesischen Stadt Norden-Norddeich zuhause fühlt. Zweieinhalb Stunden beste Unterhaltung erlebten am Samstag, 6. Oktober 2018, die 250 Krimi-Fans im restlos ausverkauften Science Center der Phänomenta in Lüdenscheid, als der Autor gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, der unter anderem durch ihre Sendungen im Kinderkanal KiKA bekannten Kinderliedermacherin und Kinderbuchautorin Bettina Göschl, beim Krimifestival „Mord am Hellweg“ in Lüdenscheid zu Gast war.

Das eigentliche Lesen nimmt bei Klaus-Peter Wolf eher einen geringen Teil der Zeit ein. Viel länger wird erzählt, geplaudert, gelacht und Musik gemacht. (Foto: Björn Othlinghaus)

Das eigentliche Lesen nimmt bei Klaus-Peter Wolf eher einen geringen Teil der Zeit ein. Viel länger wird erzählt, geplaudert, gelacht und Musik gemacht. (Foto: Björn Othlinghaus)

Natürlich stellte Wolf, der in jedem Jahr zwei Kriminalromane veröffentlicht, an diesem Abend auch seine beiden aktuellen Werke, das zweite Buch um den von den Lesern längst heiß geliebten Psychopathen Dr. Bernhardt Sommerfeldt, „Totentanz am Strand“, und seinen neuen Ann Kathrin Klaasen-Krimi „Ostfriesenfluch“ vor. Doch oft waren seine ausführlichen Plaudereien mit Anekdoten aus dem Alltag eines Krimi-Autoren, die er mit viel Witz und Leidenschaft und darüber hinaus bestens gelaunt vortrug, fast noch unterhaltsamer als die Lesepassagen, die von Wolfs großer Rezitations- und Spielfreude geprägt waren. Man merkt, dass ihm seine Figuren ans Herz gewachsen sind und er sie für sein Publikum zum Leben erwecken möchte – einfach nur langweilig Vorlesen ist seine Sache nicht.

Das Science-Center der Phänomenta war ausverkauft. (Foto: Björn Othlinghaus)

Das Science-Center der Phänomenta war ausverkauft. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die musikalischen Teile mit Bettina Göschl, die auf ihren beiden Alben „Ostfriesen-Tango“ und „Ostfriesen-Blues“ ihrem Lebensgefährten, seinem Beruf und einigen seiner Roman-Figuren zahlreiche Lieder gewidmet hat, trugen sehr zum Unterhaltungswert der Veranstaltung bei. Klaus-Peter Wolf sang mit großer Leidenschaft auch gerne bei einem Duett mit, das ein Freund für das Paar geschrieben hatte. Der gelesene Part aus „Totentanz am Strand“, der noch im Ruhrgebiet spielte, wo Sommerfeldt auf der Flucht vor Ermittlerin Ann-Kathrin Klaasen abgetaucht war, machte deutlich, was die Faszination an der Figur des Psychopathen ausmacht, der beileibe nicht nur böse ist. Es handelt sich vielmehr um einen Menschen, der hoch gebildet, belesen und empathisch ist und sogar den Kontakt zu anderen Menschen vermisst, denen er seine Morde natürlich nicht beichten kann.

Hochbetrieb am Büchertisch. (Foto: Björn Othlinghaus)

Hochbetrieb am Büchertisch. (Foto: Björn Othlinghaus)

Dumm nur, dass er all jene, die seinem Gerechtigkeitssinn nicht entsprechen, gleich aus dem Weg räumt. Die Lesung aus dem Roman „Ostfriesen-Fluch“ nach der Pause widmete sich dagegen Rupert, einem Polizeikollegen Klaasens, der in jedes Fettnäpfchen tritt und eine weitere Kult-Figur aus dem Wolf-Universum ist, für die einige Leser sogar einen eigenen Fanclub gegründet haben. Bei der Szene handelt es sich um eine kleine Slapstick-Einlage, die wenig mit dem eigentlichen Fall zu tun hat, von dem natürlich auch nicht so viel verraten werden sollte. In der Zeit, in der die beiden nicht auf der Bühne standen, signierten sie Bücher und CD’s, und zwar vor und nach der Lesung ebenso wie in der Pause, um dem Ansturm der Fans Herr zu werden. Derweil verkaufte das Thalia-Team am Büchertisch so viele Romane, Kinder- und Jugendbücher, dass manche Fans bei einigen Titeln an diesem Abend leer ausgingen.

(Foto: Björn Othlinghaus)

Krimi-Festival „Mord am Hellweg“ – Veit Etzold mag die harte Tour

Der Thriller-Autor wusste viele amüsante und makabre Geschichten zu erzählen. (Foto: Björn Othlinghaus)

Thriller-Autor Veit Etzold, der am Freitag, 21. September 2018, die zweite Lesung im Rahmen des Krimi-Festivals „Mord am Hellweg“ im Kammermusiksaal der Musikschule Lüdenscheid bestritt, ist bekannt dafür, dass es in seinen Büchern nicht zimperlich zugeht.

Insgesamt sechs seiner bisher acht Romane drehen sich um die Berliner Ermittlerin Clara Vidalis. Die eigentlich recht toughe Polizistin hat mit dem Trauma der Ermordung ihrer Schwester zu kämpfen und befindet sich zunächst auf der Jagd nach deren Mörder, bekommt es dann jedoch mit dem „Namenlosen“ zu tun, bei dem es sich um ein noch weitaus grausameres Individuum handelt.

Die Lesung aus dem neuen Clara-Vidalis-Roman "Schmerzmacher" machte nur einen kleinen Teil der Veranstaltung aus. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die Lesung aus dem neuen Clara-Vidalis-Roman „Schmerzmacher“ machte nur einen kleinen Teil der Veranstaltung aus. (Foto: Björn Othlinghaus)

Etzold, der sich als überaus amüsanter und unterhaltsamer Erzähler entpuppte, präsentierte als klassische Lesung nur einige ausgewählte, relativ kurze Auszüge aus seinem neuen Clara-Vidalis-Thriller „Schmerzmacher“, der an diesem Abend exklusiv als deutschlandweite Vorpremiere erhältlich war. Stattdessen überzeugte das Multitalent, das neben seiner Tätigkeit als Bestsellerautor unter anderem als Hochschullehrer, Unternehmensberater, Vortragsredner sowie für Medienkonzerne, Banken und in der Managementausbildung tätig war und ist, als profunder Fachmann für Serienkiller, über die er für seine Thriller immer wieder recherchiert. Es gibt wohl sehr wenige, die so launig und unterhaltsam über die schlimmsten, aber auch skurrilsten Vertreter dieser menschlichen Gattung berichten können, dass sich der Zuhörer zeitweise besser amüsierte als bei einer Comedy-Veranstaltung. So erfuhren die Fans zum Beispiel über den im Jahre 1936 hingerichteten, masochistisch veranlagten Serienkiller Albert Fish, dass dieser sich für Jesus hielt und deshalb dessen Leiden erfahren wollte, indem er sich über 20 Metallnadeln ins Gesäß steckte.

Viele Fans des beliebten Autoren fanden den Weg in die Lüdenscheider Musikschule. (Foto: Björn Othlinghaus)

Viele Fans des beliebten Autoren fanden den Weg in die Lüdenscheider Musikschule. (Foto: Björn Othlinghaus)

„Auf dem elektrischen Stuhl erzeugte das ganze Metall dann einen Kurzschluss, und Fish überlebte“, erklärte Etzold. Erst beim zweiten, stärkeren Stromstoß, sei die Hinrichtung dann geglückt. Die Serienkiller in seinen Romanen, so der Autor, seien meist aus den Charakteren und Verhaltensweisen mehrerer echter Serienkiller zusammengesetzt. Dementsprechend wenig zimperlich gehen sie mit ihren Opfern um – so erfuhren die Zuhörer bereits aus dem von Etzold vorgelesenen Prolog aus „Der Schmerzmacher“, dass der „Namenlose“ gern die Amalgamplomben seiner Opfer unter Strom setzt, damit sie ihm ihr tiefstes Inneres offenbaren. Auch zahlreiche Anekdoten aus dem Obduktionssaal wusste Veit Etzold zu erzählen, da seine Ehefrau Saskia Etzold Rechtsmedizinerin an der Berliner Charité ist.

Nach der Lesung stand Veit Etzold zum Signieren und für Selfies zur Verfügung. (Foto: Björn Othlinghaus)

Nach der Lesung stand Veit Etzold zum Signieren und für Selfies zur Verfügung. (Foto: Björn Othlinghaus)

„Die muss aufpassen, was sie mir erzählt, denn die Gefahr besteht immer, dass es anschließend in meinen Büchern landet“, erklärt der Autor. Da fiel zum Beispiel einem Besucher des Obduktionssaals, der alles sehr genau sehen wollte, die Brille in die geöffnete Leiche. „Obwohl sie ihm das Teil gereinigt haben, wollte er es nicht wiederhaben“, erklärte der Autor schmunzelnd. Eine weitere gute Info-Quelle für seine Bücher ist für Veit Etzold der Bestsellerautor und Rechtsmediziner an der Charité, Michael Tsokos, mit dem Etzold befreundet ist und auch bereits schriftstellerisch zusammenarbeitete.

Den neuen Roman "Schmerzmacher" konnten die Fans noch vor der offiziellen Veröffentlichung am 1. Oktober 2018 erwerben und ihn vom Autor signieren lassen. (Foto: Björn Othlinghaus)

Den neuen Roman „Schmerzmacher“ konnten die Fans noch vor der offiziellen Veröffentlichung am 1. Oktober 2018 erwerben und ihn vom Autor signieren lassen. (Foto: Björn Othlinghaus)

Dass der Autor beinharter Serienkiller-Geschichten, die mit expliziten Gewaltdarstellungen nicht geizen, sein eigenes Blut nicht sehen kann und bei der Behandlung einer Verletzung an seiner Hand nicht das einzige Mal in Ohnmacht fiel, brachte viele seiner Fans zum Schmunzeln. Im Anschluss an einen amüsanten und kurzweiligen Abend ließ es sich der Autor nicht nehmen, Bücher zu signieren, ihnen seine druckfrischen Autogrammkarten beizulegen, Selfies mit den Fans zu schießen und mit ihnen ausgiebig über seine Bücher zu fachsimpeln. Der Roman „Schmerzmacher“ erscheint am 1. Oktober 2018 bundesweit bei Knaur Taschenbuch.

(Foto: Björn Othlinghaus)

Krimi-Festival „Mord am Hellweg“ – Auftakt mit Autoren-Duo Ule Hansen

Hinter der Pseudonym Ule Hansen verbergen sich die Autoren Astrid Ule und Eric T. Hansen. (Foto: Björn Othlinghaus)

Eigentlich hatten die Berliner Lektorin Astrid Ule und der US-amerikanische Journalist Eric T. Hansen gar nicht vor, Krimi-Autoren zu werden.

Nachdem sie sich kennenlernt und festgestellt hatten, dass sie zusammen ein gutes Autoren-Team bilden, schrieben sie zunächst Sachbücher. Später bekamen die beiden dann Lust, einen heiteren Frauenroman zu schreiben, doch bei ihrer Heldin, der Fallanalystin Emma Carow, die sich in Serienkiller perfekt hineinversetzen kann, aber Schwierigkeiten hat, das Wesen „normaler“ Männer zu ergründen und eine Beziehung aufzubauen, merkten die beiden irgendwann, dass der Humor fehl am Platze war.

Die Besucher im Sparkassentheater hörten interessiert zu. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die Besucher im Sparkassentheater hörten interessiert zu. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die Autoren Astrid Ule und Eric T. Hansen, die nun gemeinsam unter dem Pseudonym Ule Hansen bereits den zweiten erfolgreichen Thriller mit Emma Carow veröffentlicht haben, bestritten am Dienstag, 18. September 2018, im Sparkassentheater am Sauerfeld in Lüdenscheid die erste Lesung im Rahmen des Krimi-Festivals „Mord am Hellweg“. „Ich habe eigentlich immer gedacht, dass ich keine Krimis schreiben kann“, berichtete Eric T. Hansen, der für alle Teilnehmer der Lesung zunächst einmal eine Kostprobe seines bevorzugten Bourbon-Whiskeys Knob Creek spendierte – so sei das schließlich bei den Krimi-Schriftstellern, „die haben beim schreiben immer einen Whiskey und eine Pistole auf dem Tisch“, bemerkte Hansen augenzwinkernd. „Ich musste mir beim Joggen eingestehen, dass wir den Humor weglassen mussten, damit unsere Geschichte funktioniert“, fährt Hansen fort.

Astrid Ule übernahm den Lesepart, während ihr Eric T. Hansen eine Menge Anekdoten zu erzählen wusste. (Foto: Björn Othlinghaus)

Astrid Ule übernahm den Lesepart, während ihr Eric T. Hansen eine Menge Anekdoten zu erzählen wusste. (Foto: Björn Othlinghaus)

Das Ergebnis aus dieser Erkenntnis war zum einen der Thriller „Neuntöter“, in dem Emma Carow einen Psychopathen finden muss, der seine Opfer in Kokons aus Panzertape einwickelt und in einem riesigen Baugerüst aufgehängt, sowie der zweite Emma-Carow-Krimi „Blutbuche“, den das Autorenpaar am Dienstag im Rahmen des ersten Teils seiner Lesung vorstellte. Hierbei handelt es sich nicht um eine Fortsetzung im eigentlichen Sinne, obwohl natürlich die eine oder andere Information aus dem ersten Roman aufgegriffen wird. „Man braucht ‚Neuntöter‘ aber nicht zu kennen, um ‚Blutbuche‘ lesen und verstehen zu können“, versicherte Astrid Ule. Ausgangspunkt des Romans sind drei Briefe mit teils obszönem Inhalt, die nur scheinbar von den Opfern eines Serientäters stammen, die irgendwo in Polen gefangengehalten werden. Emma kommt zu dem Ergebnis, dass es sich bei dem Täter um einen Menschen handeln muss, der nur schwer oder gar keinen Kontakt zu Frauen aufnehmen kann und sich deshalb am weiblichen Geschlecht rächen will, dem er die Schuld dafür gibt.

Signieren des neuen Buches "Blutbuche" im Anschluss an die Lesung. (Foto: Björn Othlinghaus)

Signieren des neuen Buches „Blutbuche“ im Anschluss an die Lesung. (Foto: Björn Othlinghaus)

Während Eric T. Hansen sich vor allem als launiger Erzähler präsentierte und augenzwinkernd (vermeintliche) Hintergründe und Geschichten aus dem Autorenalltag der beiden zum Besten gab, beschränkte sich Astrid Ule weitgehend auf das Vorlesen. Als Appetitanreger für die Leseratten gab sie den schaurigen Inhalt der drei Briefe zum Besten und las nachfolgend eine pikante Passage über einen besonders skurrilen Verdächtigen aus der Bodyhacking-Szene, den „Schlangenmenschen“, der sich nützliche und weniger nützliche Hacks unter seine Haut implantieren lies, darunter blinkende LEDs sowie einen vibrierenden Penisring, der sich an Ort und Stelle ein- und ausschalten lässt. Eine gewisse Form des schrägen Humors haben sich die Autoren somit auch bei ihren Thrillern bewahrt.

Eric T. Hansen und Astrid Ule ergänzen sich als Krimi-Autoren prächtig. (Foto: Björn Othlinghaus)

Eric T. Hansen und Astrid Ule ergänzen sich als Krimi-Autoren prächtig. (Foto: Björn Othlinghaus)

Ihre Geschichte „Kunigunde beschwert sich nicht mehr über den Regen in Lüdenscheid“, die die beiden für die Anthologie zu „Mord am Hellweg“, „Henkers.Mal.Zeit“, verfasst hatten und die sie im zweiten Teil der Lesung präsentierten, vermischte dagegen auf humorvolle Weise verbriefte Lüdenscheider Mythen mit alternativen geschichtlichen Fakten, wie Eric T. Hansen erklärt. Während Henker Lünsch sich an die Aufklärung des Mordes an Kunigunde, der Gattin des Grafen Engelbert, macht, trägt er ganz nebenbei zur Erfindung eines alteingesessenen Lüdenscheider Gerichtes, dem „Krüstchen“, bei. Im Anschluss an die launige und unterhaltsame Lesung stand das Autorenduo zum Signieren der Bücher und für Gespräche mit dem Publikum zur Verfügung. Der Roman „Blutbuche“ von Ule Hansen ist im Heyne-Verlag erschienen.

 

 

 

 

 

(Foto: Björn Othlinghaus)

Überregionale Resonanz auf Oper Don Carlos – corridors of power

Alle Akteure von „Don Carlos“ freuten sich zurecht über ihre gelungene Aufführung. (Foto: Björn Othlinghaus)

Mit einem kulturellen Paukenschlag, der Premiere der Inszenierung der Oper „Don Carlos – corridors of power“, eröffnete die Kulturhausleiterin Rebecca Egeling die aktuelle Spielzeit in Lüdenscheid.

Neben der Begeisterung des Publikums und regionaler Publikationen blieb die hochklassige Produktion und das Engagement von Kulturhausleiterin Rebecca Egeling auch den überregionalen Medien nicht verborgen. So schrieb zum Beispiel das traditionsreiche Theater-Blatt „Die deutsche Bühne“ eine Rezension über die Inszenierung, die über folgenden Link zu erreichen ist:

http://www.die-deutsche-buehne.de/Kritiken/Musiktheater/nach+Giuseppe+Verdi/Don+Carlos+Corridors+of+Power/die+Inquisition+steppt

Interessant ist darüber hinaus auch der Hörfunk-Beitrag „Labor Lüdenscheid“ im Online-Kulturmagazin „O-Ton“. Das Angebot ist eigentlich verschlüsselt, aber mit Erlaubnis von Chefredakteur Michael Zerban dürfen wir an dieser Stelle den Beitrag hier bei www.worteffekte.de veröffentlichen (ihr findet eine Möglichkeit zum Abspielen weiter unten in diesem Text). Der Chefredakteur der Online-Publikation spricht darin mit Kulturhausleiterin Rebecca Egeling über ihre Arbeit, macht in diesem Zusammenhang aber auch die bundesweite Situation der Bespieltheater in Deutschland zum Thema, also jener Häuser ohne eigenes Ensemble, die sich überwiegend mit augenscheinlich publikumswirksamen Angeboten über Wasser halten müssen.

Möchte mehr als Comedy und Komödienstadl: Kulturhaus-Intendantin Rebecca Egeling. (Foto: Björn Othlinghaus)

Möchte mehr als Comedy und Komödienstadl: Kulturhaus-Intendantin Rebecca Egeling. (Foto: Björn Othlinghaus)

Dies traf in weiten Teilen in der Vergangenheit auch auf das Kulturhaus zu. Den Bemühungen der Kulturhausleiterin, Theater mit Anspruch in Lüdenscheid umzusetzen und zu beweisen, dass auch in diesem Sinne hochwertiges Theater das Bedürfnis nach Unterhaltung der Menschen befriedigen kann, wird in dem Beitrag ebenfalls Rechnung getragen. Abschließend kommt Michael Zerban in der Einschätzung der Situation in Lüdenscheid zu folgendem Fazit: „Mit der Bestellung einer Intendantin, die Visionen, Energie und jede Menge Ideen hat, haben die Lüdenscheider Kulturverantwortlichen mehr Mut bewiesen, als so manche größere Stadt. Dass mit Amtsantritt der Intendantin die Hasenfüße und Heckenschützen in Stellung gingen, entwickelt sich allmählich zu einer schlechten deutschen Angewohnheit. Jetzt ist es an den politisch Verantwortlichen, Rebecca Egeling bei der Einrichtung ihres ‚Labors Lüdenscheid‘ im Kulturhaus zu unterstützen, wie sie es versprochen haben.“ Nachfolgend der O-Ton-Hörfunk-Beitrag (Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von O-Ton-Chefredakteur Michael Zerban, vielen Dank dafür nochmal von meiner Seite):

 

Das Engagement und die fruchtbare Arbeit der Intendantin des Lüdenscheider Kulturhauses wird nicht nur regional, sondern auch in renommierten überregionalen Medien registriert und wahrgenommen. Dies ist ganz sicher ein hoffnungsvolles Signal, dass sich das Kulturhaus mit Rebecca Egeling auf dem richtigen Weg befindet.

(Foto: Björn Othlinghaus)

Inszenierung der Verdi-Oper Don Carlos beeindruckt in Lüdenscheid

Rodrigues Ende fällt blutig aus. (Foto: Björn Othlinghaus)

Wie lange ist es her, dass im Lüdenscheider Kulturhaus einmal eine große Opernproduktion zu sehen war, und das sogar in Form einer weltweiten Premiere?

Hat es so etwas überhaupt schon einmal gegeben, jenseits von Tour-Theater-Premieren von Boulevard-Stücken oder altmodischen, mit bunten Kostümen in pseudo-historischen Kulissen auf reine Unterhaltung getrimmten Operetten-Produktionen? Mag sein, dass dem so ist, erinnern kann zumindest ich mich nicht daran.

Tenor Raymond Sepe als Don Carlos. (Foto: Björn Othlinghaus)

Tenor Raymond Sepe als Don Carlos. (Foto: Björn Othlinghaus)

Schon aus diesem Grund war Bernd Schmitts freie Verdi-Adaption „Don Carlos – corridors of power“, bei der es sich um eine Kooperation des Landesjugendorchesters NRW mit dem von Mezzosopranistin Cornelia Lanz gegründeten Verein „Zukunft Kultur“ handelt, ein echtes Ereignis für die Lüdenscheider Kulturszene, auch und gerade weil sie dem Zuschauer, insbesondere in der ersten Hälfte der Inszenierung – bezogen auf die Interpretation einiger kühner Regieeinfälle – nicht nur eine harte Nuss zu knacken gab, deren Schale manch einer vielleicht sogar, trotz einer anschaulichen Einführung des Regisseurs im Vorfeld, während des gesamten Abends nur schwer überwinden konnte. Doch der hohe Anspruch, gepaart mit visueller Opulenz, hochklassigen Solisten und beträchtlichen Schauwerten machte die Produktion inmitten des bislang auf der Kulturhausbühne gezeigten zu etwas besonderem und auch für Menschen, die wenig oder gar keine Opernerfahrung haben, enorm spannend. Der Regisseur entschied sich nicht für eine der vielen existierenden Fassungen der Oper, sondern stellte sich in die Reihe jener Theater, die sich die Mühe machen, eine Mischfassung zu konzipieren. Unter anderem verzichtete Schmitt auf den ersten Akt sowie auf die gängigere italienische Sprachfassung zugunsten der französischen.

Prinzessin Eboli (Cornelia Lanz) gibt sich als Elisabeth aus, um Don Carlos (Raymond Sepe) nahe zu sein. (Foto: Björn Othlinghaus)

Prinzessin Eboli (Cornelia Lanz) gibt sich als Elisabeth aus, um Don Carlos (Raymond Sepe) nahe zu sein. (Foto: Björn Othlinghaus)

Der Zwiespalt der menschlichen Natur – einerseits das empathische, sich nach Zuneigung sehnende Wesen, andererseits der immer wieder durchscheinende Drang, Intrigen zu spinnen und Probleme mit Gewalt zu lösen – ist ein Thema sowohl des Schiller-Dramas als auch der auf der Grundlage dieses Werkes komponierten Verdi-Oper, die Regisseur Schmitts Inszenierung, gepaart mit Birgit Angeles opulenter Ausstattung, in die heutige, krisengeschüttelte Zeit überträgt. Das überdimensionale Rehkitz als Ausdruck des liebenswerten und unschuldigen, erzeugt durch erstklassige Projektionstechnik, die nicht nur jedes einzelne Haar des Fells erkennen, sondern das Tier blinzeln, weinen und atmen lässt, steht einem hölzernen, blutbesudelten Panzer gegenüber, dessen Kanone die Akteure nicht nur in wichtigen Szenen permanent verfolgt, sondern im weiteren Verlauf der Aufführung auch als Don Carlos‘ Verlies dient, in das ihn Prinzessin Ebolis Intrigen aus verschmähter Liebe führen und aus dem das Geschehen mit einer Live-Kamera wiederum auf das Reh projiziert wird, dessen dann weiße Projektionsfläche beizeiten auch für vorproduzierte, die Aussage der Handlung unterstützende Videoeinspieler als Leinwand dient.

Ein überdimensionales Rehkitz steht im Mittelpunkt des Bühnengeschehens. (Foto: Björn Othlinghaus)

Ein überdimensionales Rehkitz steht im Mittelpunkt des Bühnengeschehens. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die Charaktere der Inszenierung sind vielschichtig und glänzen ganz überwiegend gesanglich wie schauspielerisch, so dass es der oft spektakulären und durchaus reizvollen Visualisierung ihres Innenlebens gar nicht unbedingt bedurft hätte. König Philippe (Simon Stricker) ist ganz der in Leder gewandete, um seine Macht besorgte Macho, Mezzosopranistin Cornelia Lanz als Prinzessin Eboli, die die unerfüllte Liebe zu Don Carlos zu einer zerrissenen, intriganten und innerlich hässlichen Person werden lässt, wurde die untere Gesichtspartie mit einer Jokerhaften Maske schwarz gefärbt. Don Carlos (Tenor Raymond Sepe) kommt als tragischer, weltfremder, oft ein wenig grimmig wirkender Clown daher, im hellblauen Clownskostüm mit Rüschen, roten Bommeln und inmitten seines Gefängnispanzers lethargisch mit einem roten Luftballon spielend, während Königin Elisabeth (Kristin Ebner) im knallroten, opulenten Ballkleid besticht, das ihre leidenschaftliche, aber auch selbstbewusste Natur herausstellt.

Rodrigue (Vladislav Pavliuk) und Don Carlos (Raymond Sepe). (Foto: Björn Othlinghaus)

Rodrigue (Vladislav Pavliuk) und Don Carlos (Raymond Sepe). (Foto: Björn Othlinghaus)

Gerade auf rein visueller Ebene ist die Inszenierung eine wahre Pracht. Aufmerksamen Zuschauern entgeht darüber hinaus nicht, dass Rodrigue (Vladislav Pavliuk), Don Carlos Freund, manchmal mit grell geschminkten Lippen oder gar mit Stöckelschuhen auf den Plan tritt. Ist dies als ein Hinweis zu verstehen, dass Rodrigues Freundschaft zu Don Carlos, die dieser mehr als einmal misstrauisch in Zweifel zieht, möglicherweise aus Rodrigues Sicht nicht nur platonischer Natur ist und diesen homoerotischen Neigungen auch sein späterer, besonders blutig und gewaltsam dargestellter Tod, quasi als „Strafe“ einer intoleranten Gesellschaft, geschuldet ist? Handelt es sich um einen Hinweis auf die homophoben Tendenzen und die daraus entstehende Gewalt gegen Homosexuelle, die, längst überwunden geglaubt, heute verstärkt wieder in vielen Ländern, unter zahlreichen rechtsgerichteten Regierungen sowie in ebensolchen Parteien und Organisationen, offen zutage tritt?

Elisabeth (Kristin Ebner) und Don Carlos (Raymond Sepe). (Foto: Björn Othlinghaus)

Elisabeth (Kristin Ebner) und Don Carlos (Raymond Sepe). (Foto: Björn Othlinghaus)

All diese vielen Möglichkeiten und Ansatzpunkte zum Nachdenken und zur Interpretation machen die Adaption für denjenigen, der sich darauf einlässt, besonders spannend und unterhaltsam, auch wenn manche Entscheidungen des Regisseurs, zum Beispiel das berühmte Autodafé durch Don Carlos einfach absagen zu lassen, es jedoch durch ABBAs „Thank You For The Music“, gesungen vom Landesjugendorchester, zu ersetzen, durchaus überraschend ausfielen. Dabei werden einige Zuschauer sogar auf die Bühne geholt, was für die Auserwählten, aber auch für das übrige Publikum ein Gemeinschaftserlebnis und einem durchaus erhebenden Moment darstellte. Die Rolle des alles überwachenden Großinquisitors wurde schließlich, anders als im Original, auf 12 verschiedene Personen ausgedehnt. „Schließlich geht die Kontrolle des Individuums durch Staaten in der Regel nicht von nur einer Person, sondern vielen Entscheidungsträgern und Erfüllungsgehilfen im Hintergrund aus“, erklärt dazu Regisseur Schmitt. Dass sich die Großinquisitoren während der Aufführung jedoch immer wieder schlafen legen, ist eben eine jener Regieideen, die Fragen aufwirft, denn in aller Regel schläft die Überwachung der Bürger durch totalitäre Systeme doch eigentlich nie.

Das Ensemble wurde vom Publikum gefeiert. (Foto: Björn Othlinghaus)

Das Ensemble wurde vom Publikum gefeiert. (Foto: Björn Othlinghaus)

Dass das unter der musikalischen Leitung von Sebastian Tewinkel hervorragend aufspielende Landesjugendorchester NRW seitlich hinter den Kulissen platziert wurde (und ein Monitor zur Beobachtung desselben kurioser Weise im Rücken des Publikums stand) war sicherlich alles andere als optimal, ging die Initiative zur Opernproduktion doch in entscheidendem Maße von diesen talentierten jungen Musikerinnen und Musikern zwischen 14 und 19 Jahren aus. Doch der Orchestergraben des Kulturhauses wäre für die rund 70 Musiker schlicht zu klein gewesen, weshalb es keine Alternative zu dieser Notlösung gab. Auch war es aus technischen Gründen nicht möglich, die deutsche Übersetzung des auf Französisch gesungenen Textes, wie sonst oft üblich, mittig über der Bühne zu platzieren. Je nach Sitzplatz mussten sich die Zuschauer deshalb immer wieder zur Seite und damit vom Bühnengeschehen abwenden, um die Textübersetzung lesen zu können.

Regisseur Bernd Schmitt erläuterte zuvor die Inszenierung. (Foto: Björn Othlinghaus)

Regisseur Bernd Schmitt erläuterte zuvor die Inszenierung. (Foto: Björn Othlinghaus)

Regisseur Bernd Schmitt will viel mit seiner Inszenierung und fordert die Zuschauer mit geballter Symbolik und zahlreichen, manchmal widersprüchlichen Regieeinfällen und Bezügen zu Ereignissen der Gegenwart heraus, mitzudenken und sich nicht einfach nur vom Geschehen berieseln zu lassen. Dieser Umstand, die großen Stimmen und eindrücklichen Darstellerleistungen, das gut aufspielende Orchester und die atemberaubende visuelle Umsetzung machten „Don Carlos – corridors of power“ zu einem besonderen Ereignis in der Bergstadt. Wer die Premierenvorstellung in Lüdenscheid verpasst hat, muss etwas weiter fahren, um die Oper noch einmal auf der Bühne erleben zu können. Weitere Aufführungen finden am 25. und 26. September 2018 jeweils ab 20 Uhr im Rahmen des Flandernfestivals in der Floralienhalle im belgischen Gent sowie am 7. Oktober 2018 ab 18 Uhr im Theater Dühren statt.

 

(Foto: Björn Othlinghaus)

Triumph für Don-Carlos-Premiere – Kulturausschussmitglieder kamen nicht

Kulturhaus-Leiterin Rebecca Egeling (hier mit Tenor Raymond Sepe), freute sich über den Erfolg. (Foto: Björn Othlinghaus)

Es war ein Triumph auf ganzer Linie für die Leiterin des Lüdenscheider Kulturhauses, Rebecca Egeling, die die Premiere der vom Landesjugendorchester NRW initiierten Opernproduktion „Don Carlos – corridors of power“ nach Lüdenscheid gebracht hatte.

Nachdem am Freitag, 31. August 2018, im Theatersaal des Kulturhauses mit der Inszenierung der bekannten Verdi-Oper eine der wohl besten Produktionen, die das Kulturhaus im Laufe seines Bestehens erleben durfte, ausgiebig vom Publikum gefeiert worden war (eine Besprechung der Oper mit umfangreicher Fotogalerie folgt hier auf www.worteffekte.de noch in Kürze), setzte sich die einzigartige Stimmung und Atmosphäre dieses ersten Abends der dreitägigen Spielzeiteröffnung auf der Premierenfeier im oberen Foyer fort.

Mitglieder des Landesjugendorchesters NRW, das mit Don Carlos das größte Projekt seines Bestehens auf den Weg gebracht hatte. (Foto: Björn Othlinghaus)

Mitglieder des Landesjugendorchesters NRW, das mit Don Carlos das größte Projekt seines Bestehens auf den Weg gebracht hatte. (Foto: Björn Othlinghaus)

Bedauerlich, dass es gerade jene Mitglieder des Kulturausschusses und der Kommunalpolitik, die in den letzten Monaten mit deutlicher Kritik an der Kulturhausleitung kaum gespart hatten, nicht einrichten konnten, bei dieser für Lüdenscheid außergewöhnlichen und hochklassigen Veranstaltung zugegen zu sein und deshalb das vielleicht bislang wichtigste Kulturevent des Jahres in ihrer Stadt leider verpassten (falls nicht möglicherweise der eine oder andere in der Masse übersehen worden sein sollte, was nicht ganz auszuschließen ist). Dabei hätte der Wille, sich trotz aller Unstimmigkeiten ein eigenes Bild von der Inszenierung machen zu wollen, sicher ein charakterstarkes Zeichen setzen und Interesse an der Kultur in Lüdenscheid jenseits aller politisch motivierter Zwistigkeiten zum Ausdruck bringen können.

Aus dem Publikum hörte man nichts als Lob für die gelungene Veranstaltung. (Foto: Björn Othlinghaus)

Aus dem Publikum hörte man nichts als Lob für die gelungene Veranstaltung. (Foto: Björn Othlinghaus)

Einzig Bürgermeister Dieter Dzewas fand bei der Einführung in das Stück vor der eigentlichen Aufführung – neben der Intendantin sowie Dr. Jens Pyper vom Referat Musik des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW, der das Projekt im Namen der Landesregierung würdigte – als Vertreter der Stadt die Zeit, Grußworte zu sprechen und diese Spielzeiteröffnung „in anderer Form“ als Innovation in gebührendem Maße wertzuschätzen. Dzewas lobte den verbindenden Charakter, der nicht nur in der Don-Carlos-Inszenierung durch die Mitwirkung vieler Flüchtlinge sowie die vielen Jungen Menschen im Landesjugendorchester zum Ausdruck komme, sondern auch seit vielen Jahren eine große Stärke der Stadt Lüdenscheid sei. Darüber hinaus stellte der Bürgermeister klar, dass das Kulturhaus aus seiner Sicht für die Stadt mit seinem Angebot unverzichtbar sei.

Mezzosopranistin Cornelia Lanz, Darstellerin der Prinzessin Eboli. (Foto: Björn Othllinghaus)

Mezzosopranistin Cornelia Lanz, Darstellerin der Prinzessin Eboli. (Foto: Björn Othllinghaus)

Im Anschluss an das dreistündige Opern-Spektakel zeigte sich Intendantin Rebecca Egeling sichtlich gerührt und erfreut über den Jubel der Theaterbesucher und würdigte zunächst Stab und Besetzung der exzellenten Don-Carlos-Inszenierung – deren herausragende Solisten von internationalem Format, die Darsteller der Inquisitoren, die allesamt von Flüchtlingen mit großem tänzerischem und schauspielerischem Engagement gespielt worden waren, sowie nicht zuletzt die talentierten jungen Musikerinnen und Musiker des Landesjugendorchesters NRW. Zum anderen feierte die Intendantin aber auch ihr Team im Kulturhaus, wobei sie selbst Techniker, Hausmeister, Einlassdamen, Pförtnerinnen und die vielen anderen, deren Arbeit sonst kaum bemerkt und wertgeschätzt wird, ohne die im Theater aber dennoch nichts läuft, explizit erwähnte und ihnen für ihren Einsatz dankte.

Lüdenscheids Bürgermeister Dieter Dzewas sprach vor der Aufführung ein Grußwort. (Foto: Björn Othlinghaus)

Lüdenscheids Bürgermeister Dieter Dzewas sprach vor der Aufführung ein Grußwort. (Foto: Björn Othlinghaus)

Während es auf der kleinen Bühne im Foyer mit sämtlichen Mitwirkenden der Produktion eng wurde, übernahm Mezzosopranistin Cornelia Lanz, Darstellerin der Prinzessin Eboli, die Aufgabe, die Arbeit der Kulturhausleiterin zu loben und lies dabei ihr Engagement ebenso wie die gute Arbeitsatmosphäre in der Bergstadt im Rahmen der aufwändigen Produktion nicht unerwähnt. „Selten hat eine Stadt in ihrer Gesamtheit so gut zusammengearbeitet wie bei diesem tollen, integrativen Projekt“, erklärte Lanz. „Freuen Sie sich auf die neue Spielzeit und seien Sie gespannt auf die weitere Arbeit der Intendantin Rebecca Egeling!“ Im Anschluss an den offiziellen Teil mischten sich insbesondere die Schauspieler und Regisseur Bernd Schmitt unter das Publikum, wobei ganz besonders Tenor Raymond Sepe, Darsteller des Don Carlos, bestens gelaunt einige Geschichten aus seinem Leben und seiner Arbeit zu erzählen wusste. Darüber hinaus war auch für das leibliche Wohl der Gäste bestens gesorgt – Manal Allababidi und Ranima Hussein hatten leckere Gerichte für die Premierengäste zubereitet.

(Foto: Michael Zerban)

Don Carlos – Aufwändige Premiere der Verdi-Oper in Lüdenscheid

Mit „Don Carlos – corridors of power“ kommt eine Operninszenierung auf internationalem Niveau nach Lüdenscheid. (Proben-Foto: Michael Zerban)

Die Spielzeiteröffnung des Lüdenscheider Kulturhauses findet am Freitag, 31. August 2018, mit einem besonders hochklassigen Kultur-Event, der Premiere einer modernen Umsetzung der Verdi-Oper „Don Carlos“, statt.

Mit der ambitionierten, modernen Inszenierung, die unter anderem im Hinblick auf das Einbinden von kulturinteressierten Menschen sowie Flüchtlingen neue Wege beschreitet, möchte Kulturhaus-Leiterin und Intendantin Rebecca Egeling ein Zeichen setzen für frische, ambitionierte und innovative Bühnenprojekte im Kulturhaus für die neue Theatersaison. Bei „Don Carlos – corridors of power“ handelt es sich um ein Opernprojekt in Kooperation mit dem Landesjugendorchester Nordrhein-Westfalen und dem Verein Zukunft Kultur, das in der zeitgemäßen Inszenierung von Bernd Schmitt (Regie) und Birgit Angele (Bühnenbild und Kostüm) internationales Niveau erreichen soll und nach der Premiere in der Bergstadt durch mehrere renommierte Spielorte tourt.

Auch die Bühnenbauten stellen einen symbolhaften Bezug zur Gegenwart her. (Proben-Foto: Michael Zerban)

Auch die Bühnenbauten stellen einen symbolhaften Bezug zur Gegenwart her. (Proben-Foto: Michael Zerban)

Bernd Schmitt inszenierte bis heute rund 60 Opern, unter anderem am Staatstheater Kassel und am Landestheater Linz, Birgit Angele war als Bühnen- und Kostümbildnerin sowie als Regisseurin unter anderem an der Staatsoper Stuttgart, der Volksoper Wien und bei den Schwetzinger Festspielen tätig. Gefördert wird das Projekt durch das Ministerium für Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen, die Kunststiftung NRW, das Kultursekretariat Gütersloh, den Landschaftsverband Rheinland sowie Bayer Kultur. In die Produktion des Don Carlos, die in Lüdenscheid ihre Welt-Premiere feiern wird danach am 25. und 26. September 2018 in der Floralienhalle im Belgischen Gent beim renommierten Flandern-Festival sowie am 7. Oktober 2018 im Theater Düren zu sehen ist, wurden kulturinteressierte Bürgerinnen und Bürger der jeweiligen Aufführungsorte als Kulturpaten involviert, um einen hautnahen Einblick in die Produktion zu erlangen, in der auch geflüchtete Menschen mitwirken und die einen Brückenschlag zwischen den Kulturen leisten möchte.

Matthias Wagner und Asef Nemati - zwei Kulturpaten für "Don Carlos - corridors of power". (Foto: Björn Othlinghaus)

Matthias Wagner und Asef Nemati – zwei Kulturpaten für „Don Carlos – corridors of power“. (Foto: Björn Othlinghaus)

Ferner haben Kulturpaten die Möglichkeit, als Gastfamilie zu fungieren und einzelne Mitwirkende der Produktion im Aufführungszeitraum bei sich aufzunehmen. Der in Köln geborene und seit über 40 Jahren in Lüdenscheid lebende Lehrer Matthias Wagner ist einer der insgesamt zehn Kultur-Paten in Lüdenscheid. Asef Nemati, ein ausgebildeter Schauspieler, der vor rund vier Jahren aus dem Iran nach Lüdenscheid gekommen ist, sollte eigentlich bei der Produktion als Darsteller mitwirken, doch ein kürzlich unterschriebener Ausbildungsvertrag, der Nemati nicht mehr genug Zeit für ein Mitwirken lässt, führte dazu, dass er die Produktion lediglich als Gast und Pate begleitet. Beide besuchten gemeinsam am Dienstag, 14. August 2018, die Proben für Don Carlos in Nottuln bei Münster, die im dortigen Rupert-Neudeck-Gymnasium stattfanden, und verschafften sich vor Ort einen Einblick in die Umsetzung der aufwändigen Opernproduktion, in deren Mittelpunkt die jungen Musikerinnen und Musiker des Landesjugendorchesters NRW stehen.

Das Premierenpublikum erwartet eine aufwändige, moderne Inszenierung. (Foto: Michael Zerban)

Das Premierenpublikum erwartet eine aufwändige, moderne Inszenierung. (Foto: Michael Zerban)

„Auch ich habe früher Musicals mit meinen Schülern am Bergstadt-Gymnasium in Lüdenscheid inszeniert, aber die Perfektion, die ich in Nottuln gesehen habe, konnten wir natürlich nie erreichen“, schwärmt Matthias Wagner. Kulturhaus-Intendantin Rebecca Egeling lernte er im Alten Rathaus im Rahmen seines Projektes „Ge-Denk-Zellen“ kennen, welches Egeling sehr schätzte. „Sie fragte mich, ob ich als Kulturpate für ‚Don Carlos‘ fungieren möchte, und da ich ein sehr kulturinteressierter Mensch bin habe ich gerne zugesagt.“ Bei den Proben in Nottuln waren auch die Hauptrequisiten der Aufführung bereits aufgebaut, die die beiden Besucher besichtigen konnten. „In der Oper ‚Don Carlos‘ geht es ja um die Frage, was Macht mit uns macht“, erklärt Matthias Wagner. „Zum einen kann sie uns beflügeln, zum anderen aber auch das gesellschaftliche Leben zerstören und das Sterben und Flüchten vieler Menschen verursachen, wie es derzeit gerade der Fall ist.“ Somit stellen Bernd Schmitt und Birgit Angele nicht nur mit der Inszenierung an sich, sondern auch mit den Bühnenbauten einen naheliegenden Bezug zur heutigen Zeit her. „Einerseits wurde als Symbol der Macht ein Tiger-Panzer realistisch und dreidimensional nachgebaut“, erklärt Matthias Wagner. Als zweites Ausstattungsdetail fungiert ein zweidimensional dargestelltes Rehkitz, das als Projektionsfläche für Handlungsabläufe, unter anderem in Form von Videosequenzen, dient. „Beide Bauten konnten wir vor Ort bestaunen“, so Wagner.

Rebecca Egeling, Leiterin und Intendantin des Kulturhauses, wird vor der Opernpremiere an einer Podiumsdiskussion teilnehmen. (Foto: Björn Othlinghaus)

Rebecca Egeling, Leiterin und Intendantin des Kulturhauses, wird vor der Opernpremiere an einer Podiumsdiskussion teilnehmen. (Foto: Björn Othlinghaus)

Asef Nemati ist derweil angesichts der Probeneindrücke gleich doppelt traurig, dass er an der Produktion nicht aktiv mitwirken kann. „Nach meiner Schauspiel-Ausbildung im Iran ist Theater für mich mehr als ein Hobby, ich kann einfach nicht ohne Theater und Schauspiel leben“, erklärt Asef, der zudem sein musisches Talent nutzt und im Lüdenscheider Männerchor singt. Bei den Stadtrauminszenierungen war er ebenfalls als Schauspieler mit dabei. Matthias Wagner und Asef Nemati sind gleichermaßen gespannt auf die eigenwillige Operninszenierung, die in vielfacher Hinsicht neue Wege geht und für aufgeschlossene Kulturhaus-Besucher eine interessante, neue Erfahrung in der Lüdenscheider Kulturlandschaft darstellen könnte. Tickets für die Premiere von „Don Carlos – corridors of power“ sind noch an der Theaterkasse des Kulturhauses oder über www.kulturhaus-luedenscheid.de erhältlich. Zunächst findet am Freitag, 31. August 2018, ab 18 Uhr im Theatersaal eine Podiumsdiskussion mit Intendantin Rebecca Egeling, Regisseur Bernd Schmitt sowie Bürgermeister Dieter Dzewas statt, die Aufführung der Oper erfolgt ab 18.30 Uhr. Die Premierenfeier findet im Anschluss ab 21.15 Uhr statt.

(Foto: Björn Othlinghaus)

„Ein Anderer“ von Julia Schubeius – Film-Premiere mit 280 Gästen in Dortmund

Regisseurin und Drehbuchautorin Julia Schubeius mit den wichtigsten Darstellern ihres Films. (Foto: Björn Othlinghaus)

Rund vier Jahre hat es gedauert, bis die aus Lüdenscheid stammende Filmemacherin Julia Schubeius und ihr Team im Rahmen einer Hochschul-Premiere im Dortmunder „Camera Lichtspiel Kino“ ihren Film „Ein Anderer“ der Öffentlichkeit vorstellen konnten.

Insgesamt waren an die 200 Personen an der Produktion der Fachhochschule Dortmund beteiligt, mit der Filmstudentin Julia Schubeius ebenso wie ihre Mit-Kommilitonen und Kollegen Christoph Gehl (Kamera), Arno Augustin (Sounddesign), Patrick Fait (Schnitt) und Carina Witte (Produktionsleitung) ihre Abschlussarbeiten im Fach „Film und Sound“ vorlegen. Entsprechend gut gefüllt war das kleine „Camera Lichtspiel Kino“ in der Dortmunder Nordstadt, in dem am Freitag, 24. August 2018, der Sektempfang zum Film sowie die Hochschul-Premiere stattfanden – 280 Besucher konnten die Filmemacher an diesem Abend begrüßen.

Patrick Fait (Schnitt), Carina Witte (Produktionsleitung), Arno Augustin (Sound-Design) und Julia Schubeius (Regie, Drehbuch) - Christoph Gehl (Kamera) war bei der Premiere nicht anwesend - lieferten mit dem Film "Ein Anderer" ihre Abschlussarbeiten an der Fachhochschule Dortmund ab. (Foto: Björn Othlinghaus)

Patrick Fait (Schnitt), Carina Witte (Produktionsleitung), Arno Augustin (Sound-Design) und Julia Schubeius (Regie, Drehbuch) – Christoph Gehl (Kamera) war bei der Premiere nicht anwesend – lieferten mit dem Film „Ein Anderer“ ihre Abschlussarbeiten an der Fachhochschule Dortmund ab. (Foto: Björn Othlinghaus)

Unter ihnen befanden sich neben den meisten Beteiligten aus Stab und Besetzung auch zahlreiche Verwandte und Freunde der Filmemacher und natürlich auch nicht wenige Gäste aus Lüdenscheid. Anwesend waren neben den meisten Darstellern, allen voran die Schauspieler Merle Wasmuth und Ronny Miersch, bei denen es sich um bereits aus zahlreichen Fernseh-Serien und -filmen sowie renommierten Theaterproduktionen bekannte Schauspieler handelt, auch die Schwester von Julia Schubeius, Lisa Schubeius, die die Romanvorlage für das packende Psychodrama verfasste. Im fast bis auf den letzten Platz besetzten Kinosaal sahen viele der Beteiligten den Streifen erstmals in voller Länge.

In der Nordstadt-Galerie in Dortmund passte bei der Premierenfeier kein Blatt mehr zwischen die zahlreich erschienenen Gäste. (Foto: Björn Othlinghaus)

In der Nordstadt-Galerie in Dortmund passte bei der Premierenfeier kein Blatt mehr zwischen die zahlreich erschienenen Gäste. (Foto: Björn Othlinghaus)

Der überwiegend in Dortmund gedrehte Film erzählt die Geschichte der Journalistin Mila Gabriel (Merle Wasmuth), die nach einem psychiatrischen Therapieaufenthalt versucht, ihr Leben in geordnete Bahnen zu lenken. Mit wenig Erfolg nimmt sie die Recherchen zu einem nicht abgeschlossenen Artikel über eine ihr seltsam vertraute Frau wieder auf, während Erinnerungen an ihre von einem traumatischen Erlebnis geprägte Kindheit hochkochen. Kraft gibt ihr dabei ihr immer gut gelaunter Freund Jonathan (Ronny Miersch), der stets sein bestes gibt, um der in sich gekehrten jungen Frau ein wenig Lebensfreude zu vermitteln.

Auch die Jack-Russell-Terrier-Dame Spidey, die im Film eine wichtige Rolle spielt, durfte bei der Premierenfeier mit dabei sein. (Foto: Björn Othlinghaus)

Auch die Jack-Russell-Terrier-Dame Spidey, die im Film eine wichtige Rolle spielt, durfte bei der Premierenfeier mit dabei sein. (Foto: Björn Othlinghaus)

Als Mila Freundschaft mit einem offensichtlich herrenlosen Hund schließt und sich zudem verliebt, wendet sich ihr Leben – scheinbar – zum Guten. Der Trailer, den Julia Schubeius noch vor den eigentlichen Dreharbeiten des Films produzierte und präsentierte, ließ ein bedrückendes, deprimierendes Psychodrama vermuten, doch obwohl es sich durchaus nicht um leichte Kost handelt, schaffen es die Filmemacher, den Stoff immer wieder durch humorvolle Szenen aufzulockern, an denen Ronny Miersch als glaubwürdiger Sidekick für die Protagonistin einen nicht unwichtigen Anteil hat. Ebenfalls ein echter Gewinn: Filmhund Spidey, eine quirlige Jack-Russell-Terrier-Dame, die eine wichtige Rolle im Film spielt und die natürlich auch bei der Feier mit dabei sein durfte. Spidey ist ebenfalls längst keine Unbekannte mehr im Filmgeschäft und wirkte unter anderem in zahlreichen Werbespots mit.

Beim Sektempfang vor der Premierenvorführung begrüßten Julia Schubeius und ihre Kollegen vom Filmteam zahlreiche Gratulanten im Camera Lichtspiele Kino. (Foto: Björn Othlinghaus)

Beim Sektempfang vor der Premierenvorführung begrüßten Julia Schubeius und ihre Kollegen vom Filmteam zahlreiche Gratulanten im Camera Lichtspiele Kino. (Foto: Björn Othlinghaus)

Obwohl Film-erfahrene Zuschauer schon recht früh ahnen, auf welche Auflösung die Handlung von „Ein Anderer“ hinausläuft, schaffen es die Filmemacher, eine starke Dynamik durch den Wechsel zwischen ruhigen, in matte Weiß- und Grautöne getauchte Sequenzen, düster und dramatisch gefilmte Rückblenden sowie unbeschwerte Szenen zwischen Mila und Jonathan zu erzeugen, deren Zusammenspiel erahnen lässt, dass die Chemie zwischen den beiden Darstellern während des Drehs hundertprozentig gestimmt hat.

Hauptdarstellerin Merle Wasmuth. (Foto: Björn Othlinghaus)

Hauptdarstellerin Merle Wasmuth. (Foto: Björn Othlinghaus)

Der Film, der mit einem quasi nicht vorhandenen Budget von nur 40.000 Euro realisiert wurde, das teilweise aus einem Crowdfunding-Projekt stammte, besticht nicht zuletzt durch seine herausragenden Darstellerleistungen. Merle Wasmuth erklärte auf der im Anschluss an die Vorführung stattfindenden Premierenfeier in der Dortmunder Nordstadt-Galerie, dass es sich trotz zahlreicher vorangegangener Engagements im Film- und Fernseh-Bereich um ihre erste tragende Hauptrolle in einem Film gehandelt habe, was gerade bei der Komplexität des Charakters eine echte Herausforderung für sie gewesen sei. Ganz besonders sticht auch die Leistung von Luna Maxeiner hervor, die bislang als Nachwuchsdarstellerin in der Erfolgsserie „Club der roten Bänder“ zu sehen war und Mila als Kind in den traumatischen Rückblenden zwar ohne viel Text, jedoch ungemein intensiv und ausdrucksstark darstellt.

Julia Schubeius mit ihrer Schwester Lisa, die die Romanvorlage zum Film "Ein Anderer" beisteuerte. (Foto. Björn Othlinghaus)

Julia Schubeius mit ihrer Schwester Lisa, die die Romanvorlage zum Film „Ein Anderer“ beisteuerte. (Foto. Björn Othlinghaus)

Ganz generell überzeugen die Darsteller durchweg und wirken glaubwürdig bis in die Nebenrollen, ein Umstand, der für einen Debüt-Film mit so geringen Mitteln nicht unbedingt selbstverständlich ist. Im Rahmen der Premierenfeier in der Dortmunder Nordstadt-Galerie bedankten sich die Filmemacher bei allen Beteiligten und präsentierten zudem ein Making of des Films. Darüber hinaus hatten alle Premierenbesucher die Möglichkeit, eine Blu-ray mit dem Werk, den Roman zum Film von Lisa Schubeius sowie ein Poster zu erwerben – mit den Einnahmen aus den Verkäufen möchten die Macher ihr Werk auf Festivals bewerben. Im Handel ist „Ein Anderer“ derzeit wohl noch nicht erhältlich, aber es können noch Blu-rays und Bücher über die Facebook-Seite des Films www.facebook.com/einandererfilm erworben werden.

(Foto: Björn Othlinghaus)

Kult.Park-Festival 2018 – Furioser Gig mit Wingenfelder im Kulturhauspark

Wingenfelder lockten die sonst eher zurückhaltenden Sauerländer aus der Reserve. (Foto: Björn Othlinghaus)

Am Samstag, 11. August 2018, fand im Kulturhauspark in Lüdenscheid ein Konzert statt, das sich zum bisherigen Höhepunkt des diesjährigen Kult.Park-Festivals entwickelte.

Bei der Formation Wingenfelder stehen die Brüder Kai und Thorsten Wingenfelder im Mittelpunkt, Masterminds der vor allem in den 80er und 90er Jahren international erfolgreichen Formation Fury in the Slaughterhouse. Doch bevor der Hauptact die Bühne betrat, machte die Musikerin Siiri als Support-Act von sich reden.

Straßenmusikerin Siiri hatte bei den Wingenfelder-Brüdern einen Stein im Brett. (Foto: Björn Othlinghaus)

Straßenmusikerin Siiri hatte bei den Wingenfelder-Brüdern einen Stein im Brett. (Foto: Björn Othlinghaus)

Vor einigen Wochen hatte Veranstalter Oliver Straub die Straßenmusikerin mit ihren von Country und Rock inspirierten Stücken entdeckt und kurzerhand engagiert. Von ihrem Talent zeigten sich auch Kai und Thorsten Wingenfelder beeindruckt und lobten die junge Musikerin mehrfach an diesem Abend. Nachdem Fury in The Slaughterhouse im Jahr 2017 ihr 30-jähriges Bestehen mit dem erfolgreichsten Live-Jahr ihrer Karriere gefeiert hatten, wandten sich die Brüder wieder ihrer 2010 gegründeten Formation Wingenfelder zu, die im Gegensatz zu Fury ausschließlich Songs mit deutschen Texten im Repertoire hat. Mitgebracht hatten die Brüder, die an diesem Abend im Quartett mit ihren beiden Band-Musikern Fabian Schulz (Akustikgitarre, Keyboard) und Volker Rechin (Bass) aufspielten, ihr drittes Wingenfelder-Album „Sieben Himmel hoch“, das in der Deluxe-Version mit 21 Songs auf zwei CD’s aufwarten kann.

Die Wingenfelders und ihre musikalischen Mitstreiter waren bestens aufgelegt und schafften das, was bei dieser Festival-Ausgabe kaum einer Band vor ihnen im Kulturhauspark wirklich gelungen war: die Sauerländer Fans aus der Reserve zu locken und zu überreden, den ansonsten meist penibel eingehaltenen „Sicherheitsabstand“ zur Bühne zu überwinden, nach vorne zu kommen und mit jenen Musikern, die für viele untrennbar mit Erinnerungen an die Jugend- und Schulzeit verknüpft sind, einen großartigen Abend zu erleben.

Thorsten und Kai Wingenfelder waren in den 80er und 90er Jahren international erfolgreich mit Fury in the Slaughterhouse. (Foto: Björn Othlinghaus)

Thorsten und Kai Wingenfelder waren in den 80er und 90er Jahren international erfolgreich mit Fury in the Slaughterhouse. (Foto: Björn Othlinghaus)

Nach dem Opener „World weit weg“ vom neuen Album zeigten sich die Wingenfelders in Plauderstimmung und verrieten unter anderem, dass ihr Song „Irgendwo ist immer Sommer“ nach der Lösung einer Schreibblockade mit einer guten Flasche Rum entstanden und von ihnen erstmals im ZDF-Fernsehgarten aufgeführt worden sei. „Florian Silbereisen war damals total begeistert von dem Stück“, erklärte Kai Wingenfelder lachend. Neben den zahlreichen Songs des neuen Wingenfelder-Albums – darunter „Mitten im Leben“, „Sieben Himmel hoch“, „Hör blos nicht auf zu träumen“ und „Königin der Nacht“ (den Kai für seine Frau schrieb) dachten die Musiker daran, die vielen Fury-Fans im Kulturhauspark zufrieden zu stellen. Auch dabei konnte das Publikum einiges erfahren, zum Beispiel, dass es sich bei „Dead And Gone“, das an diesem Abend zu hören war, gar nicht um einen Originalsong von Fury handelt, sondern um ein altes Stück einer britischen Kapelle namens McGuinness Flint.

Kai Wingenfelder. (Foto: Björn Othlinghaus)

Kai Wingenfelder. (Foto: Björn Othlinghaus)

„Von denen hat uns mal einer geschrieben, dass sie unsere Version total scheiße finden“, erinnerten sich dazu die Wingenfelders. „Wir haben ihnen geantwortet, dass wir dann gerne mal den Pool ausprobieren würden, den sie sich durch unser Cover wohl haben zulegen können.“ Ferner hatten die Musiker noch großartige Akustikversionen von den Fury-Klassikern „Won’t Forget These Days“ und, als letztes Stück auf der Setliste vor der Zugabe „Klassenfahrt“ vom Wingenfelder-Album „Selbstauslöser“, „Time To Wonder“ in einer Acht-Minuten-Fassung im Gepäck. Nach dem Konzert, bei dem die Fans ausgelassen mitsangen, tanzten und einfach zwei Stunden lang eine tolle Zeit hatten, widmeten sich die Künstler noch ausgiebig den Autogramm- und Selfie-Wünschen der Zuschauer im gut besuchten Kulturhauspark und machten so den unvergesslichen Abend perfekt.