Angehört, Musik
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“Caustic Love“ von Paolo Nutini – Blues und Soul vom Feinsten

Fast fünf Jahre hat sich Paolo Nutini Zeit gelassen, nach seinem letzten Album „Sunny Side Up“ neue Musik auf den Markt zu bringen. Auf „Caustic Love“ zeigt sich der junge Sänger mit der volumenreichen Stimme, die im besten Sinne durchaus auch einem 90-jährigen, zahnlosen Blues-Veteranen gehören könnte, von einer ganz anderen Seite als auf dem Vorgänger-Album. Dort war neben dem romantisch-melodiösen Hit „Candy“ vor allem unbeschwerter Oldschool-Jazz zu hören, der musikalisch bisweilen doch etwas zu federleicht und wenig tiefgründig daherkam. Mit anderen Worten: Die Songs waren oft nicht dazu angetan, die außergewöhnliche Stimme des schottischen Sängers italienischer Herkunft adäquat zur Geltung zu bringen.

Paolo Nutini 1 - Warner Music Group

Mit „Caustic Love“ produzierte Paolo Nutini sein bisher bestes Album. Foto: Warner Music Group

Das hat sich bei „Caustic Love“, das aus jeder Pore den musikalischen Geist der 70er Jahre atmet, grundlegend geändert. Zwar haben Nutini und seine Produzenten das Rad keinesfalls neu erfunden, dafür aber ein unglaublich intensives und zudem stimmiges Werk abgeliefert, das sich, anders als die kernige erste Singleauskopplung „Scream (Funk My Life Up)“, eben nicht in Richtung Funk, sondern eher zum seelenvollen Blues und Soul hin entwickelt. „Let Me Down Easy“ zum Beispiel ist ein klassisch-souliger Motown-Song, der eine wunderbar schwüle Atmosphäre erzeugt und nicht der einzige Track auf der Scheibe ist, bei dem Erinnerungen an Sänger wie Marvin Gaye geweckt werden.

Das gilt auch für das epische „Iron Sky“. Der Song ist für die zweite Single-Auskopplung des Albums vorgesehen, aber mit seiner ausufernden Länge von mehr als sechs Minuten, seinem dramatischen Spannungsbogen und einer Sprechpassage aus „Der große Diktator“ mit Charlie Chaplin ist er wohl eher weniger als klassischer Radio-Hit geeignet. Zweifelsfrei einer der Höhepunkte des Albums und sehr wohl radiotauglich ist das überlebensgroße, melodienselige Soul-Stück „Diana“, bei dem Nutini mit Falsett-Gesang im Refrain und spärlicher Instrumentierung eine deutliche Hommage an die großen Soul-Balladen eines Michael Jackson liefert. Der eher lockere Stil des Vorgänger-Albums kehrt dann schließlich bei „Fashion“ zurück, bei dem die Sängerin Janelle Monáe zu hören ist. Mit seinem insgesamt dritten Album ist Paolo Nutini auch zweifellos sein bestes Werk gelungen.

Anspieltipp: „Diana“, „Let Me Down And Easy“

Bewertung: 4 ½ von 5 Punkten

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Kategorie: Angehört, Musik

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In einer Ramsch-Kiste mit Taschenbüchern wurde ich, gerade mal 10 Jahre alt, fündig. Das – wie ich im Nachhinein feststellte – inkompetenteste Film-Nachschlagewerk dieser Erde, „Das Lexikon des Science-Fiction-Films“ von Roland M. Hahn, weckte mein Interesse für bewegte Bilder. Ich „zerlas“ es völlig (und auch seine nicht weniger missratenen Nachfolger über die Genres „Fantasy“ und „Horror“). Echtes Interesse für die Pop- und Rockmusik kam dagegen erst Jahre später – mit der ersten eigenen kleinen Hifi-Anlage und der CD „The Road to Hell“ von Chris Rea.

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