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„Criminal Activities“ – eine schlechte Gangsterkomödie tarnt sich als Thriller

Das soll Travolta sein? Angesichts John Travoltas plastikhaften Aussehens tritt die schwache Story noch mehr in den Hintergrund. (Foto: Tiberius Film)

Bei einem Thriller kann man eigentlich nicht viel falsch machen – denkste. Criminal Activities beweist das absolute Gegenteil. Der als großartig besetzter, bitterböser Thriller angekündigte Film von Regisseur Jackie Earle Haley verdient in Wirklichkeit jedoch höchstens in den letzten zehn Minuten das Wort interessant. In den ersten 84 Minuten hingegen wird dem Zuschauer eine lahme und verwirrende Story präsentiert, die durch eine kuriose Musikauswahl und teils katastrophale Schnitttechnik weder glänzen noch Spannung erzeugen kann.

Dabei klingt die Story durchaus vielversprechend: Vier ehemalige Klassenkameraden treffen sich auf der Beerdigung eines Freundes. Beim anschließenden Leichenschmaus beschließen Zach (Michael Pitt), Warren (Christopher Abbott), Bryce (Rob Brown) und Noah (Dan Stevens), einen Joint rauchend, für 200.000 Dollar Aktien eines Start-Up-Unternehmens zu kaufen. Die Idee damit das große Geld zu machen zerschlägt sich einen Monat später, als der Chef des Pharmaziekonzerns vom FBI verhaftet wird. Die Aktien sind nichts mehr wert und die Jungs sitzen auf einem Haufen Schulden beim Gangster Eddie (John Travolta). Natürlich will der sein Geld wiederhaben und das so schnell wie möglich. Bei einem Treffen macht Eddie den vier Highschool Freunden die Hölle heiß und schlägt ihnen einen Deal vor, der ihnen alle Schulden erlässt. Worum es in diesem geht bekommt der Zuschauer allerdings nur am Rande mit. Denn Jackie Earle Haley schafft es seinen wohl größten Star, John Travolta, perfekt in Szene zu setzen.

John Travoltas großer Auftritt

Diesem wird ein dramatisches Erscheinen auf der Bildfläche gegönnt. Der dem Zuschauer noch unbekannte Eddie fährt in einem Wagen vor, steigt aus und geht ins Restaurant. Klingt zunächst unspektakulär. Musik und Kameraführung bauen hingegen Spannung auf, da das Gesicht des Darstellers noch nicht zu sehen ist. Man könnte meinen das gehört sich so für einen guten Thriller. Als die Kamera jedoch einen Bogen macht und sich John Travolta zu dieser dreht, fällt die Spannung abrupt ab. Fortan fragt man sich als Zuschauer, wie viel Botox die Schönheitschirurgen Hollywoods in den 62-jährigen gepumpt haben. So wie John Travolta aussieht kann er locker mit Nicole Kidman mithalten. Noch gruseliger wird es, wenn er seine Stirn in Falten legt. Uhh, wie oft war der wohl schon beim Schönheitsdoc? Und auch über seine Haarpracht muss man ein paar Worte verlieren. Hat John Travolta eine Haartransplantation hinter sich? Oder lässt die pechschwarze Farbe sein Gesicht einfach nur skurril wirken? Es bleibt ein Rätsel.

Eine Story, die mehr verwirrt als interessiert

Aber zurück zur Story! Und da kommt das große Problem des Films, denn nach Eddies großem Auftritt fällt es schwer sich auf den Rest der Story zu konzentrieren. Gerade am Rande bekommt der Zuschauer noch mit worum es in dem Deal geht. Zach, Warren, Bryce und Noah sollen den jungen Afro-Amerikaner Marquess (Edi Gathegi) entführen. Denn dessen Bruder hat Eddies Nichte in seiner Gewalt. In einer Art Tausch hofft Eddie seine Nichte wiederzubekommen. Die Jungs sind gezwungen sich auf den Deal einzulassen. Was dann passiert könnte glatt bei „Ups, die Pannenshow“ landen. Es folgt die wohl miserabelste Entführung in der Filmgeschichte. Die Verwüstung, die die vier Jungs auf einer Restauranttoilette hinterlassen ist einmalig, dass Marquess dabei mit einer Klobrille niedergeschlagen wird passt ins Bild und man fragt sich, ob die Drehbuchautoren das Genre gewechselt haben.

Dass die Entführung anschließend mit den Worten: „Wer auch immer das war, das waren Profis“ kommentiert wird, ist Ironie an sich. Erst später erfahren die Jungs auf was für einen gefährlichen Deal sie sich eingelassen haben, spannender macht, dass die Story allerdings nicht im Geringsten. Im Folgenden tauchen zu viele Charaktere in der Geschichte auf, die den Zuschauer verwirren und dafür sorgen, dass der rote Faden des Films verloren geht. Auch die Dialoge können nicht überzeugen. Die Worte f***, f***, f*** werden pausenlos genannt – welch eine literarische Kunst. Ob sich die Drehbuchautoren, ebenso wie einer der Hauptdarsteller im Film, beim Schreiben des Scripts etwas durch die Nase gezogen haben? Man weiß es nicht. Das einzige was der Zuschauer weiß ist, dass er froh ist, wenn dieser langweile Film zu Ende ist. Zehn Minuten vor dem Schluss gibt es dann eine unerwartete Wendung, die den Zuschauer aus seiner Trance zurückholt. Endlich wird es bitterböse und hinterhältig – wer hätte das gedacht? Eine überraschende Wendung.

Am Ende kann auch das gute Ende nicht mehr viel reißen

Nach 94 Minuten ist der Film zu Ende – zum Glück. Alles in allem eine ziemlich miese Story, da kann auch das Ende nicht mehr viel reißen. Schade für die Schauspieler, denn deren Leistungen sind gar nicht mal so schlecht. Aber auch sie schaffen es nicht den Film spannender und interessanter zu machen. Das Geld hätten Hollywoods Produzenten besser investieren können. Einen Oscar gibt es dafür sicher nicht. Einzig und allein eine Frage beschäftigt den Zuschauer nach dem Film weiter, nämlich wie viel Botox bisher in das Gesicht von John Travolta gespritzt wurde.

criminal-activities-1_bd_cover.png_JPG-I7©TiberiusFilmBewertung 1,5 von 5 Sternen

Criminal Activities
USA 2015

Dt. Heimkinostart 4. August 2016

FSK ab 16 Jahre

Darsteller Dan Stevens, Jackie Earle Haley, John Travolta, Michael Pitt
Regie Jackie Earle Haley
Drehbuch Robert Lowell

Bildformat 2,40:1 in 16:9
Tonformat Deutsch: Dolby Digital 5.1
Länge ca. 94 Min.

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Kategorie: Angeguckt, Film & TV

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In einer Ramsch-Kiste mit Taschenbüchern wurde ich, gerade mal 10 Jahre alt, fündig. Das – wie ich im Nachhinein feststellte – inkompetenteste Film-Nachschlagewerk dieser Erde, „Das Lexikon des Science-Fiction-Films“ von Roland M. Hahn, weckte mein Interesse für bewegte Bilder. Ich „zerlas“ es völlig (und auch seine nicht weniger missratenen Nachfolger über die Genres „Fantasy“ und „Horror“). Echtes Interesse für die Pop- und Rockmusik kam dagegen erst Jahre später – mit der ersten eigenen kleinen Hifi-Anlage und der CD „The Road to Hell“ von Chris Rea.

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