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Der Stock – Eine Lüdenscheider Kult-Kneipe startet neu

(Foto: Björn Othlinghaus)
Singer-Songwriter Binyo sorgte auf der Terrasse für Summer-Feeling. (Foto: Björn Othlinghaus)

Donnerstagabend. Stock-Chef Oliver Straub ist im Stress. Gerade noch die Utensilien für das bevorstehende Bingo-Spiel besorgt und die Scheinwerfer für den Auftritt von Musiker Binyo auf der Terrasse installiert, kracht auch schon ein Tisch zusammen, und es gilt, Scherben zusammenzufegen.

Der Stock ist gut besucht, wie in alten Zeiten. Bei aller Hektik bleibt der Gastronom deshalb ruhig und gelassen, denn mit einem so großen Publikumsandrang zur Neueröffnung hat er nicht gerechnet. Die Freude ist groß, war Straub doch in den 80er Jahren selbst regelmäßiger Stock-Besucher, als Lüdenscheids Kult-Kneipe oft so voll war, dass später eintreffende Gäste in langen Schlangen vor der Tür auf Einlass warten mussten.

Freunde treffen und gemeinsam Spaß haben - der Stock ist dafür die ideale Location. (Foto: Björn Othlinghaus)

Freunde treffen und gemeinsam Spaß haben – der Stock ist dafür die ideale Location. (Foto: Björn Othlinghaus)

Eine grundlegende Renovierung war unter anderem auch deshalb erforderlich geworden, weil die Location aufgrund feuertechnischer Auflagen nicht mehr uneingeschränkt genutzt werden konnte. „Es war zum Beispiel nicht mehr möglich, den Stock und die Alte Druckerei gleichzeitig zu öffnen“, erklärt Straub. Das hat sich nun nach der Renovierung, die im Detail noch nicht ganz abgeschlossen ist, grundlegend geändert. „In gemeinschaftlicher Arbeit mit Freunden und Stammgästen wollten wir den Stock wieder zu dem Publikumsmagneten machen, der er früher einmal war“, erklärt der Gastronom, der sich für das große Engagement der vielen fleißigen Helfer bedankt.

Bei sommerlichen Temperaturen kann man es sich auf der Dachterrasse gut gehen lassen. (Foto: Björn Othlinghaus)

Bei sommerlichen Temperaturen kann man es sich auf der Dachterrasse gut gehen lassen. (Foto: Björn Othlinghaus)

Sein Dank richtet sich darüber hinaus aber auch an das Bauamt der Stadt, mit dem stets eine konstruktive Zusammenarbeit stattgefunden habe. Viele lieb gewonnene Elemente des früheren Stock, zum Beispiel die leckere Stock-Pizza, die jetzt von Pizza-Experte Gianni Trausi gebacken wird, hat Oliver Straub wieder aufleben lassen. Außerdem soll eine umfassende Baukasten-Gastronomie eingeführt werden, bei der sich der Gast Burger, Nudeln, Pizza und Salate nach eigenem Geschmack selbst „bauen“ kann. Ferner sorgen zwei Kicker, ein Dart und ein großer Billard-Tisch für Unterhaltung, wobei ein weiterer kleinerer Tisch für einen separaten Raum im hinteren Bereich der Location noch innerhalb der nächsten 14 Tage geliefert wird.

Nicht nur Bingo, sondern auch Billard, Flipper und diverse Brettspiele zum Ausleihen sorgen im Stock für Entertainment. (Foto: Björn Othlinghaus)

Nicht nur Bingo, sondern auch Billard, Flipper und diverse Brettspiele zum Ausleihen sorgen im Stock für Entertainment. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die Möglichkeit, Brettspiele auszuleihen, hat Oliver Straub ebenfalls wieder eingeführt. Mit Blick auf Events hat sich der Gastronom zum Ziel gesetzt, weniger Veranstaltungen und dafür mehr Qualität anzubieten. „Wenn wir eine Veranstaltung machen, wird dafür die ‚Alte Druckerei‘ geöffnet, die von jetzt an ausschließlich für Events zur Verfügung steht“, erklärt Straub.

1-Euro-Partys gehören der Vergangenheit an

Dann soll es für die Gäste möglich sein, entweder zwischen Konzert und Kneipe hin und her zu pendeln oder auch nur eine der beiden Locations zu besuchen. Wenn keine Veranstaltung stattfindet, bleibt auch die „Alte Druckerei“ geschlossen. „Ein-Euro-Partys, bei denen es nur darum geht, dass die Gäste möglichst günstig trinken können, wollen wir nicht mehr machen“, stellt der Gastronom klar. Schon die Neueröffnung des Lokals am Donnerstag stand für die neue, auf Qualität bedachte Ausrichtung des Stock. Wer wollte, hatte die Möglichkeit, beim Bingo-Spiel sein Glück zu versuchen, wobei es diesmal bewusst nicht um den großen „Jackpot“, sondern nur um kleine Preise ging. „Wir wollten diese Eröffnung für unsere Kunden machen und nicht für Glücksritter, die nur von Bingo-Spiel zu Bingo-Spiel tingeln, um Geldgewinne abzugreifen“, meint Straub.

Aufgrund des tollen Sommerwetters platzte der Außenbereich, wo auch der Singer-Songwriter Binyo auftrat, aus allen Nähten. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich der Halveraner Gitarrist und Sänger Robin Brunsmeier, der seit 2009 als Musiker unterwegs ist und sich auf Pop mit Tiefgang und deutschen Texten spezialisiert hat. Gemeinsam mit einer vierköpfigen Band hat Binyo im Mai dieses Jahres auch seinen ersten Longplayer mit dem Titel „Der Steg ist das Ziel“ veröffentlicht, aus dem er bei seiner Akustik-Session im Stock natürlich auch einige Songs vorstellte.

Gastronom Oliver Straub im Eröffnungsstress. (Foto: Björn Othlinghaus)

Gastronom Oliver Straub im Eröffnungsstress. (Foto: Björn Othlinghaus)

Leider gingen im Party-Gedränge die in sommerliche Gitarrenklänge gekleideten Inhalte der Songs, die sich unter anderem um Konsumkritik („Wohlstand“) oder augenzwinkernd beschriebene Annäherungsversuche unter Alkoholeinfluss, die in wilder Kopulation münden („Tarzan und Jane“), drehten, ein wenig unter. Dennoch passten die hörenswerten Lieder bestens in die gemütliche Atmosphäre auf der Terrasse des Stock, auf der es sich mit einem kühlen Drink bestens aushalten ließ. Mit einem runden Konzept, das die Stock-Nostalgiker und die neuen Gäste zusammenführt, hat die Kult-Kneipe in der Knapper Straße gute Chancen, wieder zu einem echten Highlight in der Bergstadt zu werden.

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In einer Ramsch-Kiste mit Taschenbüchern wurde ich, gerade mal 10 Jahre alt, fündig. Das – wie ich im Nachhinein feststellte – inkompetenteste Film-Nachschlagewerk dieser Erde, „Das Lexikon des Science-Fiction-Films“ von Roland M. Hahn, weckte mein Interesse für bewegte Bilder. Ich „zerlas“ es völlig (und auch seine nicht weniger missratenen Nachfolger über die Genres „Fantasy“ und „Horror“). Echtes Interesse für die Pop- und Rockmusik kam dagegen erst Jahre später – mit der ersten eigenen kleinen Hifi-Anlage und der CD „The Road to Hell“ von Chris Rea.

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