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Djinn – Des Teufels Brut: Hooper goes Arabia

(Foto: Ascot Elite)
Khalid (Khalid Laith) hat den Djinn im Nacken. (Foto: Ascot Elite)

Die wenigen verbliebenen Fans der einstigen Horror-Film-Ikone Tobe Hooper („Texas Chainsaw Massacre“) haben es nicht leicht. Jahrelang gab der Meister kein Lebenszeichen mehr von sich, und wenn dann doch mal ein Filmchen die Welt erblickte, war es nicht selten so schlimmer Trash, dass sich selbst beim tolerantesten Horror-Allesfresser die Fußnägel krümmten. Zuletzt war das bei dem grottigen Zombie-Spuk „Mortuary“ von 2005 der Fall.

Der vorliegende Streifen „Djinn – Des Teufels Brut“ ist in vielerlei Hinsicht ein Kuriosum. Bereits 2011 heuerten nämlich Geldgeber in den Vereinigten Arabischen Emiraten den Regisseur an, damit dieser einen Horror-Streifen schafft, der überwiegend für den arabischen Markt geeignet sein sollte. Somit steht im Mittelpunkt des Films nun auch eine Sagengestalt, die in der muslimischen Kultur verwurzelt ist. Darüber hinaus verfügt „Djinn“ mit Ausnahme des US-Genreschauspielers Paul Luebke ausschließlich über einen arabischen Cast.

Ein Hotel im Niemandsland - ob der Kasten sich wohl rechnet? (Foto: Ascot Elite)

Ein Hotel im Niemandsland – ob der Kasten sich wohl rechnet? (Foto: Ascot Elite)

Warum die Wahl der Araber ausgerechnet auf Regisseur Hooper fiel, der im wesentlichen uramerikanische Filme gedreht hat, wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben. Sonderlich viel Geld ließen die Finanziers für den Streifen jedenfalls nicht springen, das Budget soll bei rund 5 Millionen US-Dollar gelegen haben. Der fertige Film blieb zudem – nach seiner Premiere auf dem Abu-Dhabi-Filmfestival – längere Zeit unter Verschluss; angeblich waren die Geldgeber mit bestimmten Aspekten der Geschichte unzufrieden. Nun kam der Streifen relativ sang- und klanglos und ohne nennenswerte Werbung über den Verleih Ascot Elite auf DVD und Blu-ray auf den Markt.

Die Macher setzen auf sanften Grusel

Obwohl sich mancher zu einem derart obskuren Film sicher auch ein paar Hintergrundinfos erhofft hätte, verfügt die DVD nur über den nackten Trailer, der ohnehin in den letzten Monaten längst bei YouTube zur Verfügung stand. Bei der Story handelt es sich im Grunde um eine klassische Spukhaus-Geschichte, die einem modernen Hotel angesiedelt ist. Hier treibt der Djinn sein Unwesen und terrorisiert das Ehepaar Khalid (Khalid Laith) und Salama (Razane Jamal), das nach dem Tod ihres Kindes aus den USA in ihre Heimat zurückgekehrt ist. Klar, dass der Djinn beim Kindstod seine Finger im Spiel hatte. Gorehounds, die sich von Hoopers Namen und dem FSK-18-Logo auf der DVD blenden lassen, werden von dem Film wohl enttäuscht sein, denn die Macher setzten nahezu ausschließlich auf sanften Grusel. Splatter-Effekte findet man in dem gesamten Streifen vergebens, weshalb aus meiner Sicht eine FSK-16-Einstufung, möglicherweise sogar eine Freigabe ab 12 Jahren gerechtfertigt gewesen wäre.

Was für ein süßer Fratz - aber irgendwas stimmt nicht! (Foto: Ascot Elite)

Was für ein süßer Fratz – aber irgendwas stimmt nicht! (Foto: Ascot Elite)

Der Verdacht liegt nahe, dass allein Hoopers Name und seine ewige Verbindung zum „Texas Chainsaw Massacre“ zu der 18er Einstufung geführt hat. Wer dem Streifen unvoreingenommen gegenüber tritt, kann Hooper zumindest attestieren, angesichts des geringen Budgets eine solide handwerkliche Arbeit abgeliefert zu haben, auch wenn sich mit fortschreiten des Films eine gewisse Routine und inszenatorisches Desinteresse des Regisseurs breit macht, das sich auf den Zuschauer überträgt. Die Kameraarbeit kann sich durchaus sehen lassen, die Effekt-Szenen, in denen der Djinn zum Beispiel Häuserwände hoch kriecht oder die Protagonistin Salama im Hotel heimsucht, sind einfach, aber effektiv inszeniert. Dennoch macht sich das geringe Budget nicht selten bemerkbar, zum Beispiel in den kleinteilig gefilmten Nebelsequenzen, in denen wirklich nichts mehr von der Umgebung erkennbar ist und die genauso gut in einer Turnhalle entstanden sein könnten.

Die hierzulande unbekannten arabischen Darsteller (Ausnahme: Khalid Laith, der bereits in zahlreichen Hollywoodfilmen, zum Beispiel in „Red 2“, zu sehen war), liefern überwiegend solide, wenn auch nicht überragende Leistungen ab. Was „Djinn“ indes vollkommen abgeht ist jede Art von Spannung, denn wer außer der Tatsache, dass das titelgebende Monster über einen muslimischen Hintergrund verfügt, neue Ideen erwartet hat, wird enttäuscht.

Genre-Kenner wissen, was als nächstes passiert

Die Story wandelt auf ausgetretenen Pfaden, und vor allem Genre-Kenner wissen meist, was als nächstes passiert. Auch Hoopers individuelle filmische Handschrift und die vielfältigen Qualitäten, die einige seiner älteren Filme unverwechselbar machten, fehlen hier fast völlig.

Ehekrise zwischen Khalid (Khalid Laith) und Salima (Razane Jammal). (Foto: Ascot Elite)

Ehekrise zwischen Khalid (Khalid Laith) und Salima (Razane Jammal). (Foto: Ascot Elite)

Weder die morbide Hoffnungslosigkeit von „Texas Chainsaw Massacre“ noch der opulente Cinemascope-Grusel des sträflich unterbewerteten „Funhouse“ oder die Pulp-Qualitäten von „Lifeforce“ finden sich in „Djinn“ wieder. Der ganze Film macht über weite Strecken einen gelackten, harmlosen, ja fast schon sterilen Eindruck. Darüber hinaus kann das ebenso alberne wie unspektakuläre Finale nicht überzeugen – nach nur 82 Minuten ist der Streifen abrupt zuende, und der Zuschauer bleibt mit dem Gefühl zurück, dass hier ein irgendwie unfertiges Script, das der weiteren Bearbeitung bedurft hätte, allzu frühzeitig umgesetzt worden ist. Dennoch: Im in den letzten Jahrzehnten recht spärlichen Schaffen von Tobe Hooper weißt der Streifen qualitativ eine Tendenz nach oben auf.

Vielleicht schafft es Hooper ja doch noch einmal, an einen Film wie „The Toolbox Murders“ von 2005 anzuknüpfen, der handwerklich überzeugte und nebenbei noch als echter Tobe-Hooper-Streifen erkennbar war. Gönnen würde man es dem in seiner Karriere oft glücklosen Horror-Spezialisten auf seine alten Tage allemal.

CoverBewertung 2 von 5 Punkten

Djinn – Des Teufels Brut
(Djinn)

Genre Horror

FSK ab 18 Jahren (uncut)

Laufzeit ca. 82 Minuten (DVD)

Produktion USA 2013

Ton/Sprache (DVD) Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Kategorie: Angeguckt, Film & TV

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In einer Ramsch-Kiste mit Taschenbüchern wurde ich, gerade mal 10 Jahre alt, fündig. Das – wie ich im Nachhinein feststellte – inkompetenteste Film-Nachschlagewerk dieser Erde, „Das Lexikon des Science-Fiction-Films“ von Roland M. Hahn, weckte mein Interesse für bewegte Bilder. Ich „zerlas“ es völlig (und auch seine nicht weniger missratenen Nachfolger über die Genres „Fantasy“ und „Horror“). Echtes Interesse für die Pop- und Rockmusik kam dagegen erst Jahre später – mit der ersten eigenen kleinen Hifi-Anlage und der CD „The Road to Hell“ von Chris Rea.

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