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Eine Hochzeit und andere Hindernisse – voller Lebensfreude

Zuweilen genügt ein Satz und alles ist klar. Auf einmal löst sich der aus Fragen gebildete Nebel im Kopf auf. So schön die freie Sicht auch sein mag – was ist, wenn diese mit den Umständen in keiner Weise harmoniert? Schön und traurig gehen dann trotz freier Sicht plötzlich Hand in Hand. Das muss auch Sam schmerzhaft erfahren. Ein Jahr nach seiner Hochzeit mit Melita begegnet er Noga. Noga, dieser Unbekannten, der er einen Tag vor seiner Hochzeit auf einer Bahnfahrt nach Paris zufällig begegnet ist. Und die ihn kurz vor Verlassen des Zuges innig küsst. Benebelt von diesem Erlebnis trennen sich ihre Wege. Bis sich diese wieder kreuzen und er erfährt, dass seine Frau die Cousine der Unbekannten ist. Sprachlos steht er neben seiner Frau, die ihm erläutert, wie gut sich die beiden Cousinen verstehen: „Ich liebe meine Cousine“. Ja, manchmal genügt ein Satz, der alles klar werden lässt.

Danièle Thompsons Liebeskomödie mit dem selten dämlichen deutschen Titel „Eine Hochzeit und andere Hindernisse“ kann dem Genre zwar auch keine neuen Impulse einhauchen, hebt sich dennoch wohltuend von dem Schnulzenbrei, der uns im deutschen TV zu genüge begegnet, ab. Das liegt zum einen an dem durchdachten Drehbuch, das Thompson selbst verfasst hat, und dem differenzierten Spiel der Darsteller. Der Darstellerriege um Frankreichs Superstar Kad Merad („Willkommen bei den Scht’is“), die Thompson zu führen weiß, ist es zu verdanken, dass die Grenze zu Kitsch oder Klamauk in keiner Szene überschritten wird.

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Frankreichs Superstar Kad Merad spielt den Vater von Melita. (Foto: Tiberius Film)

Merad spielt den Vater von Melita, der mit der Wahl seiner Tochter sehr glücklich ist. Zeigt Sam doch großes Interesse an seinem Geschäft, dem Handel mit Diamanten, das ihn zu großem Reichtum verholfen hat. Sein Bruder könnte kaum gegensätzlicher sein: Ein tief religiöser jüdischer Musiker, der kein Verständnis für den verschwenderischen Lebenswandel des Bruders hat. Die Sorge um den etwas senilen Vater und die Zuneigung ihrer beiden Töchter zueinander ist das Einzige was sie verbindet. Die Antipathie der Brüder wird zu Beginn des Films herrlich turbulent in Szene gesetzt, als die Frau des Musikers bei einem Unfall ums Leben kommt. Plötzlich muss nicht nur die Hochzeit, sondern auch noch eine Beerdigung am selben Wochenende organisiert werden.

Der französische Titel „Von Menschen, die sich küssen“ zielt auf den Kern der Geschichte, die große Liebe zwischen Sam und Noga, ab. Ob die am Ende trotz aller Umstände, ihre große Liebe doch noch leben dürfen, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Regisseurin und Drehbuchautorin Danièle Thompson, die unter anderem für den Teenie-Film der 1980er Jahre schlechthin „La Boum – Die Fete“ das Drehbuch schrieb und für ihren Film „Cousin Cousine“ für den Oscar nominiert war, liefert einen warmherzigen Film voller Lebensfreude und Humor ab, der wunderbar in die Frühlingszeit passt.

hochzeit03Eine Hochzeit und andere Hindernisse
(Des gens qui s’embrassent)

Genre Liebeskomödie

FSK ab 0 Jahren

Laufzeit ca. 100 Minuten

Produktion Frankreich 2013

Bildformat 2,35:1 bei 16:9

Ton / Sprache Deutsch (DTS,DD 5.1), Französisch (DD 5.1)

Untertitel Deutsch

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Kategorie: Angeguckt, Film & TV

von

In einer Ramsch-Kiste mit Taschenbüchern wurde ich, gerade mal 10 Jahre alt, fündig. Das – wie ich im Nachhinein feststellte – inkompetenteste Film-Nachschlagewerk dieser Erde, „Das Lexikon des Science-Fiction-Films“ von Roland M. Hahn, weckte mein Interesse für bewegte Bilder. Ich „zerlas“ es völlig (und auch seine nicht weniger missratenen Nachfolger über die Genres „Fantasy“ und „Horror“). Echtes Interesse für die Pop- und Rockmusik kam dagegen erst Jahre später – mit der ersten eigenen kleinen Hifi-Anlage und der CD „The Road to Hell“ von Chris Rea.

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