Dagewesen, Musik
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Fotheringay – Zurück in Deutschland nach 46 Jahren

(Foto: Björn Othlinghaus)
Schlagzeuger Gerry Conway ist Gründungsmitglied von Fotheringay. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die Folk-Rock-Formation Fotheringay brachte, trotz ihres beachtlichen Erfolges und Einflusses zu Beginn der 70er Jahre, insgesamt lediglich zwei Studioalben auf den Markt, von denen das erste, welches nach dem Bandnamen benannt ist, noch heute Kult-Status in der Folk-Szene hat.

Am 23. September 2016 trat die Band in einer neuen Besetzung nach 46 Jahren erstmals wieder in Deutschland auf. Dafür, dass dieses außergewöhnliche Konzert im Theatersaal des Lüdenscheider Kulturhauses möglich werden konnte, sorgte Folk-Spezialist Markus Scheidtweiler vom Kulturverein Kalle, der die Combo im Rahmen des „Kalle Folk Pack“ in die Bergstadt geholt hatte.

Gitarrist PJ Wright. (Foto: Björn Othlinghaus)

Gitarrist PJ Wright. (Foto: Björn Othlinghaus)

Das Konzert war Teil der Reunion-Tour der Band. Derjenige, der die Wiedervereinigung maßgeblich angeregt hatte, konnte allerdings nicht mit auf der Bühne stehen. Lead-Gitarrist Jerry Donahue hatte kurz vor Tourstart einen Schlaganfall erlitten, von dem er sich derzeit erholt. Ersetzt wurde er an diesem Abend durch PJ Wright. Da die ursprüngliche Sängerin von Fotheringay, Sandy Denny, die auch für den Gesang bei Fairport Convention verantwortlich zeichnete und an einem Led-Zeppelin-Album mitwirkte, bereits im Jahr 1978 bei einem Unfall starb, wurde deren Part von den renommierten Folk-Musikerinnen Kathryn Roberts und Sally Barker übernommen. Komplettiert wurden die neuen Fotheringay durch zwei Veteranen der Original-Formation, nämlich Schlagzeuger Gerry Conway und Bassist Pat Donaldson.

Bassist Pat Donaldson. (Foto: Björn Othlinghaus)

Bassist Pat Donaldson. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die Musik von Fotheringay lässt insbesondere durch den Umstand aufhorchen, dass der britische Folk, der teilweise auch von den Musikern bearbeitete Traditionals enthält, mit rockigen Elementen, aber auch gelegentlichen Einflüssen der US-amerikanischen Country-Musik kombiniert wird. Der Opener „The Ballad Of Ned Kelly“ stammte ebenso wie die folgenden zwei Songs vom Band-Erstling, von dem Fotheringay an diesem Abend neun der insgesamt 13 enthaltenen Songs interpretierten. Die schöne Midtempo-Ballade „Nothing More“ spiegelt ebenso den Glanz dieses legendären Folk-Albums wieder wie das poetische „The Sea“.

Gypsy Davy – Variation eines Traditionals

Im Anschluss folgte mit „Gypsy Davy“ die erste Variation eines Traditionals, der vom zweiten, erst 2008 erschienenen Album der Band namens „Fotheringay 2“ stammt. Der Song besticht durch die rockige Bearbeitung, bei der der Gitarrenpart mit PJ Wright im Mittelpunkt stand.

Sally Barker. (Foto: Björn Othlinghaus)

Sally Barker. (Foto: Björn Othlinghaus)

Hart und rockig präsentierte die Band auch den Anti-Kriegs-Song „John The Gun“, bevor die Musiker beim Dylan-Cover „Too Much Of Nothing“ erstmals ihre Vorliebe für die Country-Musik, garniert mit einer wohlklingenden Western-Gitarre, zu Gehör brachten. Den zweiten Konzertteil eröffnete „Banks Of The Nile“, ebenfalls vom Fotheringay-Klassiker aus dem Jahr 1970. Das Werk bestach durch den gemeinsamen Gesang der beiden Frontfrauen sowie das magisch-mystische Flötenspiel von Kathryn Roberts. Fröhlich und uramerikanisch kam „Knights Of The Road“ daher, ein lupenreiner Country-Song über die „Ritter der Straße“, bei dem Gitarrist Wright fette Gitarrenriffs erklingen ließ und das Herren-Trio ganz allgemein ordentlich rockte. Das melancholische „Winter Winds“ überzeugte dann wieder durch den betörenden Duett-Gesang der Damen, begleitet von mystischen Querflöten-Parts. Gegen Ende des zweiten Teils ließ es sich Sängerin Sally Barker nicht nehmen, das Publikum zu einem musikalischen Geburtstagsgruß für den erkrankten Jerry Donahue zu animieren und diesen mit dem Handy für ihn aufzunehmen.

Die Folk-Rock-Veteranen, hier Pat Donaldson, hatten auch bei der Autogrammstunde nach dem Konzert einiges zu tun. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die Folk-Rock-Veteranen, hier Pat Donaldson, hatten auch bei der Autogrammstunde nach dem Konzert einiges zu tun. (Foto: Björn Othlinghaus)

Natürlich machten die Lüdenscheider dabei gerne mit. Das Finale gestaltete sich wieder ganz in der amerikanischen Tradition mit „Memphis Tennessee“. Nach dem Konzert war die Nachfrage nach Autogrammen der Folk-Rock-Veteranen natürlich groß – einige Sammler hatten ganze Stapel von Schallplatten und CD’s mitgebracht, um sie von Conway und Donaldson signieren zu lassen, viele deckten sich am Merchandising-Stand ein. Alle fünf Musiker nahmen sich ausgiebig Zeit für ihre Fans, bis alle zufrieden den Heimweg antraten.

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Kategorie: Dagewesen, Musik

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In einer Ramsch-Kiste mit Taschenbüchern wurde ich, gerade mal 10 Jahre alt, fündig. Das – wie ich im Nachhinein feststellte – inkompetenteste Film-Nachschlagewerk dieser Erde, „Das Lexikon des Science-Fiction-Films“ von Roland M. Hahn, weckte mein Interesse für bewegte Bilder. Ich „zerlas“ es völlig (und auch seine nicht weniger missratenen Nachfolger über die Genres „Fantasy“ und „Horror“). Echtes Interesse für die Pop- und Rockmusik kam dagegen erst Jahre später – mit der ersten eigenen kleinen Hifi-Anlage und der CD „The Road to Hell“ von Chris Rea.

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