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Gewinnt Aleksei Germans kompromissloses Meisterwerk

Aleksei Germans letzter Film ist ein kompromissloses Meisterwerk, das jetzt beim Label „Bildstörung“ in einer umfangreichen Edition auf DVD und Blu-ray erschienen ist. (Foto: Studio Sever / Russia 1 TV (c) 2013)

„So wuchtig wie ein Hieb“ – so überschrieben wir im September unsere Kritik zu Aleksei Germans letztem Film „Es ist schwer, ein Gott zu sein“. Germans Vermächtnis. Ein filmisches Meisterwerk, das jetzt bei dem Kölner Label „Bildstörung“ in einer feinen Edition auf DVD und Blu-ray erschienen ist. Wir haben jeweils eine Ausgabe erhalten, die wir unter unseren Lesern verlosen.

Der Film präsentiert uns eine Gruppe Historiker, die auf einen fremden Planeten entsandt wurde, der der Erde in seiner Entwicklung um 800 Jahre hinterher ist. In der Hoffnung, in dieser mittelalterlichen Zivilisation die Geburt einer Renaissance hautnah miterleben zu können, mischen sich die Forscher unbemerkt als adlige Nachkommen lokaler Gottheiten unters Volk, um die dortigen Ereignisse aufzuzeichnen und zur Erde zu übertragen. Ihre oberste Direktive dabei lautet: Bleibe unerkannt und neutral, greife niemals in das Geschehen ein und töte unter keinen Umständen einen Planetenbewohner. So weit, so gut. Doch als in der Stadt Arkanar graue Truppen plötzlich ein blutiges Pogrom gegen Gelehrte und Bücherfreunde starten, nimmt die Geschichte mit einem Mal einen völlig unerwarteten Verlauf. Don Rumata, der vor Ort das Treiben hautnah miterlebt, fällt es dabei zunehmend schwerer, dem brutalen Gemetzel einfach nur tatenlos zuzusehen. Doch was tun als ein Gott, dem die Hände gebunden sind?

Es sind nicht nur die aufwendigen Bauten, die präzisen Einstellungen und das exzellente Schauspiel, die den Film wie einen Sog wirken lassen, es ist zuallererst die kompromisslose Inszenierung mittelalterlichen Lebens. Leben im Mittelalter war selten schön, es war vor allem von Not, Armut und Elend, dem ewigen Kampf ums Überleben geprägt. Wie heißt es im Film: „Diese Stadt ist eine einzige Latrine, ein Scheißhaufen.“ Dreckig ist das Leben hier bis zum Brechreiz. An der Burgmauer liegende Toiletten kennen wir heute nur blank poliert und verstaubt – märchenhaft rein wie bei Cinderella. Hier wird uns die Scheiße präsentiert, wie wir sie uns in unseren elendsten Alpträumen nie vorgestellt hätten.

Aleksei Germans letzter Film ist ein kompromissloses Meisterwerk, das uns zeigt, welch ungeheure Kraft von einem Film ausgehen kann. Wer es schafft alle Bedenken (schwarzweiß, drei Stunden Spielzeit, aus Russland, mit Untertiteln) hinter sich zu lassen, der wird mit einem außergewöhnlichen Filmerlebnis belohnt.

Beide Boxen (DVD und Blu-ray) sind mit identischem Bonusmaterial erschienen.

  • Interview mit Aleksei German Jr., dem Sohn des Regisseurs (2015) | 9 Min.
  • Interview mit Drehbuchautorin und Aleksei Germans Witwe Svetlana Karmalita (2014) | 37 Min.
  • „Aleksei German“ – Ron Holloways Langinterview mit Aleksei German (1988) | 45 Minuten
  • „Jenseits der Kamera“ – Dokumentarfilm von Aleksandr Pozdnjakov (2009) | 52 Minuten
  • „Germans Blutdruck ist heute 122/85″ – Dokumentarfilm von Peter Shepotinnik (2012) | 43 Min.
  • „Die Geschichte des Arkanar-Massakers“ – eine Würdigung von Daniel Bird (2015) | 27 Minuten
  • Filmbegleitendes Gespräch mit Barbara Wurm und Olaf Möller
  • Booklet mit einem Essay von Anton Dolin und Auszügen aus seinem Interview mit A. German | 42 Seiten
  • Bildergalerie mit Behind the Scenes- und Setfotos

Wie könnt Ihr gewinnen?
Wer eine Edition gewinnen möchte, kommentiert den Beitrag zum Gewinnspiel auf unserer Facebook-Seite (Eine Teilnahme ist ausschließlich auf Facebook möglich) zwischen dem 6. und 20. Dezember 2015. Unter allen Kommentaren werden die Gewinner ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen; es besteht kein einklagbarer Anspruch auf Auszahlung der Gewinne. Wir wünschen allen viel Glück! Mehr Kleingedrucktes zu unseren Gewinnspielen lest Ihr hier

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Kategorie: Abgreifen, Film & TV

von

In einer Ramsch-Kiste mit Taschenbüchern wurde ich, gerade mal 10 Jahre alt, fündig. Das – wie ich im Nachhinein feststellte – inkompetenteste Film-Nachschlagewerk dieser Erde, „Das Lexikon des Science-Fiction-Films“ von Roland M. Hahn, weckte mein Interesse für bewegte Bilder. Ich „zerlas“ es völlig (und auch seine nicht weniger missratenen Nachfolger über die Genres „Fantasy“ und „Horror“). Echtes Interesse für die Pop- und Rockmusik kam dagegen erst Jahre später – mit der ersten eigenen kleinen Hifi-Anlage und der CD „The Road to Hell“ von Chris Rea.

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