Dagewesen, Musik
Schreibe einen Kommentar

Kult.Park-Festival 2017 – Songwriterin Tonja Schweder und mannammeer

(Foto: Björn Othlinghaus)
Tonja Schweder überzeugte beim Kult.Park-Nachklapp. (Foto: Björn Othlinghaus).

Eigentlich ist das Lüdenscheider Kult.Park-Festival in diesem Jahr bereits Geschichte, doch Veranstalter Oliver Straub entschloss sich spontan, am Donnerstag und Freitag, 24. und 25. August, zwei „Flashmobs“ im Rosengarten nachzuschieben.

Am Donnerstag spielte mit dem Duo „mannammeer“, bestehend aus Mario (Akustikgitarre und Gesang) sowie Cooker (Bass, Akustikgitarre, Backing-Vocals), ein exzellenter Act auf, der durch einen außergewöhnlichen und individuellen Stil überzeugte. Aufgrund der sehr kurzfristig anberaumten Veranstaltung fanden leider nicht so viele Musikfans den Weg in den Rosengarten, wie sie die hörenswerten Musiker eigentlich verdient gehabt hätten.

Die beiden rauen Gesellen Mario und Cooker bilden das Duo mannammeer. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die beiden rauen Gesellen Mario und Cooker bilden das Duo mannammeer. (Foto: Björn Othlinghaus)

Auf ihrer Facebookseite ordnen die beiden Kölner ihren Stil als eine Mischung aus Folk, Rock und Country ein, doch die Einflüsse der oft rhythmisch-rauen Musik gehen noch weiter. Oft spielt in die deutschsprachigen, hin und wieder aber auch englischen Texte die Seefahrer-Thematik mit hinein, so dass bisweilen zusammen mit Marios Reibeisenstimme ein Hauch Achim Reichel durch die Zuschauerreihen wehte. Dann würzte das Duo den Gig mit kernigen Blues-Gitarren-Klängen oder sparsam eingefügten Weltmusikanleihen. Über allem, insbesondere den Balladen, schwebt jedoch stets eine folkige Grundstimmung, die hervorragend in einen gemütlichen Pub verortet werden könnte. Bei einem Sound, als stünde eine komplette Band auf der Bühne, wummert der Bass bei Songs zum Mitstampfen wie „Aschentanz“ oder legt sich als Kontrast bleischwere Melancholie über die Seele wie bei „Dickicht“, das wieder mit einem seemännischen Hintergrund aufwartet.

Nicht so viele, dafür aber interessierte und begeisterte Zuschauer besuchten die beiden Flashmob-Veranstaltungen. (Foto: Björn Othlinghaus)

Nicht so viele, dafür aber interessierte und begeisterte Zuschauer besuchten die beiden Flashmob-Veranstaltungen. (Foto: Björn Othlinghaus)

Wie im richtigen Leben folgt dem traurigen Epos aber auch schnell wieder etwas lustiges – so wurde das Publikum im Rosengarten vom „Augenfieber“ übermannt, laut Sänger Mario ein Song über „einen Flirt besoffen nachts um halb zwei in irgendeiner Spelunke“. Das sowohl stilistisch als auch inhaltlich abwechslungsreiche Duo sorgte für einen überaus unterhaltsamen Open-Air-Konzertabend jenseits der Norm. Eine letzte musikalische Entdeckung im Rahmen des Kult.Park-Festivals 2017 konnten Fans anspruchsvoller Live-Musik dann am Samstag machen. Hier gab die Singer-Songwriterin Tonja Schweder aus Wuppertal, im Rosengarten ein hörenswertes Konzert für Genießer, die auch mal zuhören können und nicht permanent Party machen wollen.

Musik zum zuhören und genießen hatte Tonja Schweder mitgebracht. (Foto: Björn Othlinghaus)

Musik zum zuhören und genießen hatte Tonja Schweder mitgebracht. (Foto: Björn Othlinghaus)

Eine andächtige Fassung des Sportfreunde-Stiller-Songs „Applaus, Applaus“ leitete den Abend ein, zahlreiche Eigenkompositionen kündeten im Anschluss von unerfüllter Liebe, womit die junge Musikerin zwar emotional, aber keineswegs schmalzig und ohne Pathos die Herzen der Menschen eroberte. Vom Schmerz, verlassen zu werden, handelt das Lied „Bleib“, das die Musikerin erst vor einer Woche schrieb und das im Rosengarten seine Bühnen-Premiere feierte. In Erinnerung an den ersten Konzertbesuch ihrer kleinen Schwester, die sich erst durch langes Warten auf Einlass beim James-Arthur-Konzert ungeduldig zeigte, nach der Veranstaltung aber völlig begeistert war, spielte Tonja von eben jenem Künstler den Song „Say You Won’t Let Go“.

Bei einem kühlen Bier ließ sich die hörenswerte Live-Musik doppelt entspannt genießen. (Foto: Björn Othlinghaus)

Bei einem kühlen Bier ließ sich die hörenswerte Live-Musik doppelt entspannt genießen. (Foto: Björn Othlinghaus)

Auch anderen Cover-Songs drückte die Musikerin, die sich während des Gigs abwechselnd an der Akustik-Gitarre und am Keyboard begleitete, ihren eindringlich-andächtigen Stempel auf. Kraftvoll und emotional gesungen brachte sie auf diese Weise „Someone Like You“ von Adele zu Gehör. Die leider etwas quirlige Umgebung im Rosengarten, insbesondere das permanente Plätschern der Wasserspiele, machte es bisweilen trotz gut abgestimmter Soundanlage schwierig, den meist ruhigen Klängen der Musikerin zu lauschen – dennoch stellte das Konzert einen hörenswerten und würdigen Abschluss des Kult.Park-Festivals dar.

Teilen Du darfst...Print this pageEmail this to someoneTweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Pin on Pinterest
Kategorie: Dagewesen, Musik

von

In einer Ramsch-Kiste mit Taschenbüchern wurde ich, gerade mal 10 Jahre alt, fündig. Das – wie ich im Nachhinein feststellte – inkompetenteste Film-Nachschlagewerk dieser Erde, „Das Lexikon des Science-Fiction-Films“ von Roland M. Hahn, weckte mein Interesse für bewegte Bilder. Ich „zerlas“ es völlig (und auch seine nicht weniger missratenen Nachfolger über die Genres „Fantasy“ und „Horror“). Echtes Interesse für die Pop- und Rockmusik kam dagegen erst Jahre später – mit der ersten eigenen kleinen Hifi-Anlage und der CD „The Road to Hell“ von Chris Rea.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.