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Pompeji – Baukasten-Regisseur Paul W.S. Anderson macht’s kaputt!

Es gibt nur wenig Genres, an denen Regisseur Paul W.S. Anderson sich nicht versucht – egal ob Horror-, Science-Fiction-, Action- oder Historienschinken, der Brite ist überall da zuhause, wo klingende Kinokassen zu erwarten sind. Dabei ist ihm der künstlerische Aspekt des Filmemachens in der Regel völlig schnuppe, und wenn es darum geht, bei anderen (und oft besseren) Streifen zu klauen, kennt Anderson keine Skrupel. Das ist bei seinem neuesten Spektakel „Pompeji“ nicht anders.

Die Geschichte – Gladiator tritt gegen bösen Senator an, der ihm die aus höherem Stande kommende Geliebte abspenstig machen will – lässt jeden, der bereits Ridley Scotts Meisterwerk „Gladiator“ gesehen hat, gelangweilt die Augen verdrehen. Und obwohl der Film – dies sei vorweg gesagt – beileibe nicht so schlecht ist wie er in vielen Kritiken gemacht wird – ist die Liebesgeschichte, die er erzählt, so prickelnd wie eingeschlafene Füße. Schon jene denkwürdige Szene, in der sich Sklave Milo (Kit Harington) und die holde Cassia (Emily Browning) zum ersten Mal begegnen, ist an Romantik kaum zu überbieten. Welche Frau würde schließlich nicht dahinschmelzen, wenn der Kerl dem gerade gestürzten Pferd zwecks liebevoller Erlösung sanft das Genick bricht? Echte Leidenschaft wird bei dem farblosen Pärchen auch später nur selten spürbar.

Pompeji 1

Kiefer Sutherland gefällt sich in seiner Rolle als böser Senator Corvus. (Foto: Constantin Film)

Da gefällt schon eher Kiefer Sutherland als böser Senator Corvus, der genau weiß, dass er mit diesem Part ohnehin keinen Oscar abgreifen kann und deshalb nach Herzenslust die niederträchtige und feige Natter mimt, die mit Vorliebe eigenhändig Frauen und Kinder ins Jenseits befördert und seinen Schergen mit angewidertem Gesichtsausdruck „Tötet sie, tötet sie alle!“ entgegenbellt. In „Pompeji“ bietet Regisseur Anderson mal wieder alle Klischees auf, die das Historien- und Katastrophengenre zu bieten hat; langweilig wird sein Krawall-Epos aber dennoch nur selten. Denn wer einfach nur Sensations-Kino ohne jeglichen Anspruch erwartet, wird gut bedient. In 3D werden dem Zuschauer markige Gladiatorenkämpfe mit jeder Menge Testosteron-Monstern aus dem Gym, einstürzende Altbauten, natürlich der Vulkanausbruch aller Vulkanausbrüche in mehreren Intensitätsstufen, bei dem meteoritenähnliche, glühende Lavabrocken auf Pompeji hinabpfeifen, ein schöner Tsunami sowie der finale pyroklastische Strom geboten. Während manche Effekte grandios gelungen sind, tritt jedoch an anderer Stelle viel zu stark der Umstand in den Vordergrund, dass das Ganze größtenteils mit dem Computer generiert wurde. So macht der füchelnde und grummelnde Vulkan vor seinem Ausbruch in jenen Einstellungen, wo er aus der Ferne zu sehen ist, nicht selten einen gemalten Eindruck (was man natürlich auch als Hommage an die seligen Kostümschinken der 50er Jahre deuten könnte), und manche Massenszenen aus der Vogelperspektive lassen geradezu penetrant Gedanken an Computerspiele wie „Die Siedler“ aufkommen, wo kleine Menschchen permanent nach rechts und links tippeln.

Wer eine Kino-Reise ins düstere Pompeji unternehmen will, sollte sich also darüber im Klaren sein, was ihn erwartet. Die Qualität von „Gladiator“, der bei „Pompeji“ in (zu) vielen Szenen Pate gestanden hat, erreicht Andersons prolliges Spektakel zu keiner Sekunde – wer aber mit einem fetten Eimer Popcorn gestählte Menschen in Aktion erleben und sich 3D-Aschewolken und Lavabrocken um die Ohren wehen lassen will, der ist hier allerbestens aufgehoben.

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Kategorie: Angeguckt, Film & TV

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In einer Ramsch-Kiste mit Taschenbüchern wurde ich, gerade mal 10 Jahre alt, fündig. Das – wie ich im Nachhinein feststellte – inkompetenteste Film-Nachschlagewerk dieser Erde, „Das Lexikon des Science-Fiction-Films“ von Roland M. Hahn, weckte mein Interesse für bewegte Bilder. Ich „zerlas“ es völlig (und auch seine nicht weniger missratenen Nachfolger über die Genres „Fantasy“ und „Horror“). Echtes Interesse für die Pop- und Rockmusik kam dagegen erst Jahre später – mit der ersten eigenen kleinen Hifi-Anlage und der CD „The Road to Hell“ von Chris Rea.

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