Angehört, Musik
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“Rio Bravo“ von den Nighthawks – Relaxen mit Stil

Vor einiger Zeit las ich schmunzelnd eine gut geschriebene Kritik im „Musikexpress“ über das aktuelle Album von „2Raumwohnung“. Darin hieß es, Inga Humpe und Tommy Eckhart hätten alle ihre Songs mit viel zu viel „Hugo“ überschüttet, was dem Rezensenten wohl nicht wirklich zusagte. Ein bisschen „Hugo“ ist stets auch bei den „Nighthawks“ im Spiel, der deutschen Nu-Jazz-Formation, deren treibende Köpfe Reiner Winterschladen (Trompete, Flügelhorn) und Multiinstrumentalist Dal Martino (Bass, Gitarre, Keyboard und Vocals) seit Jahren eine ebenso beständige wie erfolgreiche Größe in der deutschen Jazzlandschaft darstellen.

Cover Nighthawks - Rio Bravo

Schon das Cover von „Rio Bravo“ lässt an südliche Sonne denken. Foto: Herzog Records

Ich muss gestehen, dass ich alle sieben Veröffentlichungen dieses Duos – sechs Studio-Alben und den hervorragenden Konzertmitschnitt „Live in Hamburg“ – besitze, denn in Maßen und in der richtigen Stimmung und Qualität genossen kann auch das musikalische Pendant zum Trend-Getränk „Hugo“ (laut Wikipedia ein schwach alkoholisierter Cocktail aus Prosecco, Holunderblütensirup, frischer Minze und Mineralwasser) durchaus erfrischend sein. Bis auf ihr Album „4“, dass aus meiner Sicht trotz oder vielleicht wegen (allzu) großer Experimentierfreude schwächelte und einige fade Tracks enthielt, sind die „Nighthawks“ fast immer und eben auch auf „Rio Bravo“ für all jene eine sichere Bank, die smoothen, modernen Fusion-Jazz mit chilligen Klängen mögen, der zum Relaxen und Abdriften in erholsame Tagträumereien einlädt.

„El Carmino Pacifico“ beispielsweise überzeugt als federleichtes, fluffiges Instrumentalstück mit Reggaeanleihen, das für augenblickliche Urlaubsstimmung sorgt, und der Titeltrack „Rio Bravo“, die erste Single-Auskopplung des Albums, lässt mit jedem Ton an sommerliche Schwüle und entspannte Siesta unter südlicher Sonne denken. „Camel Eyes“ lebt schließlich in besonderer Weise vom samtweichen Spiel Reiner Winterschladens, der der Trompete und dem Flügelhorn so makellose Töne entlockt wie kaum ein anderer Musiker seines Fachs.

Überhaupt geht das Duo ebenso perfektionistisch und handwerklich tadellos vor wie dessen langjährige Mitstreiter Thomas Alkier (Drums), Jürgen Dahmen (Hammond, Piano, Percussion) und Markus Wienstroer (Gitarre), die auf diesem Album wieder mit von der Partie sind. Wer entspannten, gut gemachten Fusion-Jazz mag, wird auch diesen Longplayer der „Nighthawks“ lieben, aber es wird wie immer auch jene Fraktion, darunter die beinharten Jazz-Traditionalisten, geben, die diese Formation per se als Produzenten seichter Fahrstuhlmusik abtun. Und diese Clientel, die nunmal generell nicht auf „Hugo“ steht, wird auch durch „Rio Bravo“ nicht mit den „Nighthawks“ warm werden.

Anspieltipps: „El Camino Pacifico“, „Camel Eyes“

Bewertung: 4 von 5 Punkten

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Kategorie: Angehört, Musik

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In einer Ramsch-Kiste mit Taschenbüchern wurde ich, gerade mal 10 Jahre alt, fündig. Das – wie ich im Nachhinein feststellte – inkompetenteste Film-Nachschlagewerk dieser Erde, „Das Lexikon des Science-Fiction-Films“ von Roland M. Hahn, weckte mein Interesse für bewegte Bilder. Ich „zerlas“ es völlig (und auch seine nicht weniger missratenen Nachfolger über die Genres „Fantasy“ und „Horror“). Echtes Interesse für die Pop- und Rockmusik kam dagegen erst Jahre später – mit der ersten eigenen kleinen Hifi-Anlage und der CD „The Road to Hell“ von Chris Rea.

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