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Stung – Bestechende Horrorkomödie aus deutschen Landen

Aaaaaaargh! – wer würde bei diesem Anblick nicht schreien? (Foto: Rat Pack)

Summ, summ, summ. Bienchen summen in „Stung“ allerdings nicht herum und auch sonst hat die Horrorkomödie so gar nichts von einem Liedchen für Kinder. Was hier summt sind Wespen, mutierte Wespen, die, wie es der Titel schon andeutet, stechen – und das ordentlich. Sehr zum Vergnügen der Zuschauer.

Offenbar sollten Produktionsfirmen öfters Drehbuchwettbewerbe durchführen, damit dem aktuellen deutschen Film frische Stoffideen abseits der ausgetretenen Pfade seichter Liebeskomödien eingeflößt werden. 2011 suchte die Rat Pack Filmproduktion unter dem Motto „Schreib um dein Leben“ spannende Genre-Stoffe. Aus den über 1100 Einsendungen (kreatives Potential ist in deutschen Landen also vorhanden, es muss nur abgerufen werden) entschieden sich die Münchener für die mutierten Killerwespen aus der Feder von Adam Aresty. Zusammen mit der US-amerikanischen Filmproduktion XYZ Films machte man sich bei einem geschätzten Budget von 2,5 Millionen US-Dollar an die Umsetzung. Ein schmales Budget, aus dem mit Kreativität sehr viel herausgeholt wurde, so dass „Stung“ vor und hinter der Kamera nach deutlich mehr aussieht und bis auf wenige digitale Ausreißer problemlos mit deutlich teureren Produktionen mithalten kann.

Special Effects mit sehr viel Liebe in Szene gesetzt

Vor der Kamera agieren die bislang noch unbekannte Jessica Cook als Julia und Matt O’Leary („Stirb langsam 4.0“, „Lone Ranger“) als Paul, einziger Angestellter von Julia, die eine Catering-Firma betreibt. Paul hat wenig Interesse an seinem Job, aber umso mehr an seiner Chefin, die davon wenig begeistert ist. Die beiden sind auf dem Weg zu einem abgelegenen Landgut, wo sie eine Gartenparty für Mrs. Perch ausrichten sollen.

Das Plakat ist eine Augenweide. (Foto: Rat Pack)

Das Plakat ist eine Augenweide. (Foto: Rat Pack)

Schon bei der Ankunft wird deutlich, warum Julia engagiert wurde: Das Landgut hat wie seine Bewohner die besten Tage hinter sich. Bereits zu Beginn der Party macht Paul die Bekanntschaft mit einer Wespe, die von ihrer Größe eher als kleiner Vogel durchgeht und beim Zerquetschen entsprechend viel zähen Schleim hinterlässt. Dieser und viele weitere handgemachte Effekte, die bedeutend realer als alle computergenerierten Special Effects daherkommen, sind mit sehr viel Liebe in Szene gesetzt und lassen den Zuschauer die Bedrohung für die Protagonisten spürbar miterleben. Bleibt es nämlich nicht bei dem ungleichen Größenverhältnis zwischen Mensch und Insekt. Die mutierten Wespen passen sich in der Größe den von ihnen gestochenen Menschen an. Nur bei einem Protagonisten entsteht etwas anderes, das an dieser Stelle genüsslich verschwiegen wird.

Hier spritzt das Blut und knacken die Knochen

Obwohl als Komödie ausgelegt, geht es insbesondere in der zweiten Hälfte ordentlich zur Sache, so dass Liebhaber von Gore und Splatter auf ihre Kosten kommen sollten. Nachdem die Party von den Wespen erobert und die Anzahl der lebenden Gäste deutlich dezimiert wurde, verschanzen sich die Überlebenden, darunter Julia und Paul, im Landgut. Die oberirdischen Etagen erweisen sich allerdings als wenig sicher, so dass nach weiteren spektakulären Abgängen der Rest sich im Keller verschanzt. In diesem macht die Gruppe die vermeintliche Ursache der mutierten Wespen aus: Der verflossene Gatte von Mrs. Perch betrieb offenbar einen florierenden illegalen Handel mit Pestiziden.

Kultstar Lance Henriksen als Besetzungscoup

Angesichts des geringen Budgets ist nicht nur die professionelle atmosphärische Ausleuchtung und Inszenierung des Films überraschend, sondern auch die gelungene Besetzung bis in die Nebenrollen. Als Überraschungscoup der Produzenten kann vor diesem Hintergrund das Mitwirken von Kultstar Lance Henriksen bezeichnet werden, der vor allem durch seine Rolle als Android Bishop in der Alien-Saga weltberühmt wurde.

Stung

Lance Henriksen nimmt die Sache selbst in die Hand. (Foto: Rat Pack)

Henriksen interpretiert seine Rolle mit feinen ironischen Untertönen. Herrlich wie er nur mit seiner Mimik deutlich macht, dass er die meisten Gäste für langweilige Trottel hält und konsequenterweise im größten Chaos nur um den Inhalt seines Weinglases besorgt ist, während um ihn herum die Partygäste gestochen werden und verrecken.

„Stung“ schwächelt wie erwähnt bei einigen computergenerierten Effekten, die dem stimmigen Gesamteindruck letztlich nur eine kleine Delle zufügen. Mag sein, dass ich ein wenig gnädiger als mit vergleichbaren US-Produktionen umgehe, weil meine Freude über einen solchen Genre-Film aus deutschen Landen so groß ist. Ein wenig Support kann nicht schaden, wenn eine Produktionsfirma Mut beweist. Hoffentlich wird dieser Mut belohnt und zieht genug Kinogänger an, damit in diesem Land weitere Filme abseits von öden Rosamunde Pilcher-Verfilmungen und stumpfsinnigen Tatort-Folgen produziert werden. Während der Film in den USA bereits im iTunes-Store erhältlich ist, läuft er bei uns im Rahmen des Fantasy Filmfestes 2015 und ist ab 29. Oktober im Bundesstart.

Bewertung 4 von 5 Punkten

Stung
Deutschland/USA 2014

Dt. Kinostart 29. Oktober 2015
Länge 87 Minuten
FSK vorraussichtlich ab 18 Jahre

Regie Benjamin „Benni“ Dietz
Darsteller Matt O’Leary, Jessica Cook, Lance Henriksen

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Kategorie: Angeguckt, Film & TV

von

In einer Ramsch-Kiste mit Taschenbüchern wurde ich, gerade mal 10 Jahre alt, fündig. Das – wie ich im Nachhinein feststellte – inkompetenteste Film-Nachschlagewerk dieser Erde, „Das Lexikon des Science-Fiction-Films“ von Roland M. Hahn, weckte mein Interesse für bewegte Bilder. Ich „zerlas“ es völlig (und auch seine nicht weniger missratenen Nachfolger über die Genres „Fantasy“ und „Horror“). Echtes Interesse für die Pop- und Rockmusik kam dagegen erst Jahre später – mit der ersten eigenen kleinen Hifi-Anlage und der CD „The Road to Hell“ von Chris Rea.

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