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‚Was zählt, ist die Familie‘ – Premiere des neuen Stückes der Altstadtbühne

(Foto: Björn Othlinghaus)
Marco (Christo Michailidis) muss mit seinen Großeltern eine Menge ausdiskutieren. (Foto: Björn Othlinghaus).

Mit einem Stück, in dem es neben vielen lustigen Szenen auch einige tragische Elemente gibt, startete am Samstag, 11. November 2017, die Lüdenscheider Altstadtbühne in die neue Saison.

Die Premierenvorstellung von „Was zählt, ist die Familie“ aus der Feder von Nick Walsh fand wie gewohnt vor ausverkauftem Haus statt. Eine persönliche Premiere feierten an diesem Abend auch Peter Zimmer und Heike Vetter, die beide bei dieser Produktion ihren Einstand als Regisseure gaben.

Großmutter Anna (Sigrid Wistinhausen) macht sich ständig Sorgen, dass der Junge nicht genug zu Essen bekommt. (Foto: Björn Othlinghaus)

Großmutter Anna (Sigrid Wistinhausen) macht sich ständig Sorgen, dass der Junge nicht genug zu Essen bekommt. (Foto: Björn Othlinghaus)

Peter Rothenberg bearbeitete zudem die Vorlage und nahm einige kleine Änderungen vor – so spielt die Geschichte nicht mehr in New York, sondern im Ruhrgebiet. Hauptfigur Marco (Christo Michailidis) erzählt dem Publikum in Form kurzer Monologe, die die Spielszenen unterbrechen, persönlich und direkt die Geschichte seiner Familie, die als Gastarbeiter nach Deutschland kamen. Viele zogen im Anschluss weiter in die Welt hinaus, in Deutschland blieben Marco und seine beiden Großelternpaare Franco und Anna Gianelli (Bernd Vetter und Sigrid Wistinghausen) sowie Nunzio und Emma Falconi (Wolfgang Müller und Ira Stahl). Familie, Pflichttreue und jede Menge Essen, mit dem insbesondere Anna Marco und die anderen gern abfüllt, stehen im Mittelpunkt des Lebens der Senioren, ganz so, wie es von einer italienischen Familie erwartet wird.

Um den Enkel an sich zu binden, wollen die Großeltern ihn mit der patenten Kathrin (Marion Petersen) verkuppeln. (Foto: Björn Othlinghaus)

Um den Enkel an sich zu binden, wollen die Großeltern ihn mit der patenten Kathrin (Marion Petersen) verkuppeln. (Foto: Björn Othlinghaus)

Als Enkel Marco aus beruflichen Gründen ins Ausland gehen will, möchten die Großeltern nicht auch noch von ihm Abschied nehmen müssen und setzen alles daran, dass er bei ihnen bleibt. Um ihn zu binden, möchten sie ihn mit Single-Frau Kathrin (Marion Petersen) verkuppeln. Das Stück bietet dem Publikum eine Menge Spaß und gute Pointen, ganz ohne dabei in Albernheiten oder Klamauk abzurutschen. Die beiden Regisseure und auch die Darsteller nehmen die Charaktere ernst und geben sie an keiner Stelle der Lächerlichkeit preis.

Noch sitzt die Familie an einem Tisch. (Foto: Björn Othlinghaus)

Noch sitzt die Familie an einem Tisch. (Foto: Björn Othlinghaus)

Insbesondere Großmutter Anna, die immer Sorgen hat, dass jemand nicht satt werden könnte und mit gutem Essen alle Probleme der Welt lösen möchte, ist immer wieder für herzhafte Lacher gut. Doch erfreulicher Weise gipfelt hier nicht alles in einem rauschenden Happy End, wie es nicht selten bei Bühnen-Komödien üblich ist. Obwohl sich Marco und Kathrin tatsächlich einander annähern, ist Marcos Drang, den verlockenden Job in der Ferne anzunehmen, sehr stark, und er hadert so sehr mit sich, dass er einen Schwächeanfall erleidet. Großvater Nunzio erkrankt derweil unheilbar an Krebs. Die Produktion ist in vielerlei Hinsicht ein wenig anders als das, was man von der Altstadtbühne bislang überwiegend kannte.

Das Publikum zeigte sich sehr angetan vom Stück. (Foto: Björn Othlinghaus)

Das Publikum zeigte sich sehr angetan vom Stück. (Foto: Björn Othlinghaus)

Neu sind nicht nur die dramatischen Aspekte, sondern auch die Erzählweise, bei der zwischen den klassischen Spielszenen buchstäblich immer wieder ein Schlaglicht – sprich ein einzelner Scheinwerfer inmitten der abgedunkelten Bühne – auf den Erzähler Marco oder einzelne Charaktere gerichtet wird. Diese Erzählweise, die auch aus zahlreichen Filmen bekannt ist, lockert die Inszenierung des Stückes auf erfrischende Weise auf. Regisseur Peter Zimmer zeigte sich nach der Premiere erleichtert und zufrieden mit seiner ersten Regiearbeit. Kleinere Pannen wie bei Wolfgang „Nunzio“ Müller, dem in einer Szene immer wieder hartnäckig der voluminöse Schnauzbart aus dem Gesicht rutschte, sorgten für zusätzliche Freude und Spaß bei Darstellern und Publikum.

Die Formation iJazz sorgte für den musikalischen Rahmen. (Foto: Björn Othlinghaus)

Die Formation iJazz sorgte für den musikalischen Rahmen. (Foto: Björn Othlinghaus)

Vor und nach der Premierenaufführung sowie in der Pause sorgte die Lüdenscheider Band iJazz für eine gepflegte musikalische Begleitung. Die Musiker spielten Jazz-Standards wie „All Of Me“, aber auch Jazz-Interpretationen bekannter Pop-Songs, zum Beispiel „Back To Black“ von Amy Winehouse oder „I See Fire“ von Ed Sheeran gehören zum Repertoire. Weitere Aufführungstermine des Stückes „Was zählt, ist die Familie“ befinden sich auf www.lued-altstadtbuehne.de, Tickets sind erhältlich an der Theaterkasse des Lüdenscheider Kulturhauses, im LN-Ticketshop in Lüdenscheid sowie in der Buchhandlung Plettendorf in Plettenberg.

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In einer Ramsch-Kiste mit Taschenbüchern wurde ich, gerade mal 10 Jahre alt, fündig. Das – wie ich im Nachhinein feststellte – inkompetenteste Film-Nachschlagewerk dieser Erde, „Das Lexikon des Science-Fiction-Films“ von Roland M. Hahn, weckte mein Interesse für bewegte Bilder. Ich „zerlas“ es völlig (und auch seine nicht weniger missratenen Nachfolger über die Genres „Fantasy“ und „Horror“). Echtes Interesse für die Pop- und Rockmusik kam dagegen erst Jahre später – mit der ersten eigenen kleinen Hifi-Anlage und der CD „The Road to Hell“ von Chris Rea.

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